Basel Packendes Stelldichein

Dominique Spirgi
 Foto: Julian Salinas

Von Dominique Spirgi

Basel. Picasso war ein großer Bewunderer des über 300 Jahre vor ihm tätigen Altmeisters El Greco. Das Kunstmuseum Basel zeigt nun in einer ausführlichen Gegenüberstellung, wie sehr sich diese Hingabe in Picassos Werk niedergeschlagen hat.

Die inhaltlichen und formalen Parallelen sind frappant: Picassos intimes Frühwerk „Das Begräbnis des Casagemas (Evokation)“ von 1901 ist augenscheinlich inspiriert vom Gemälde „Anbetung des Namens Jesu“, das der Altmeister Doménikos Theotokopulos, besser bekannt als El Greco, 1577/1579 geschaffen hatte. Nur dass Picasso die religiösen Verzückungen in El Grecos Himmelsebene karikierte, indem er sie zur Bordellszene umwandelte.

Dass der junge Picasso dem Altmeister geradezu nacheiferte, ist bekannt. Und in der frühen rosa und blauen Periode auch hinlänglich und seit langem belegt. Es ist erstaunlich, dass die auch in vielen Skizzen explizit ausgewiesene Wahlverwandtschaft über einen Zeitraum von mehr als 300 Jahren Kunstgeschichte noch nie in dieser Konzentration und Ausführlichkeit von einem Museum gezeigt wurde.

Faszinierende Bildpaare

Das Kunstmuseum hat rund 30 Bildpaare zu faszinierenden Dialogen zusammengestellt. Museumsdirektor Josef Helfenstein spricht im Katalog von einer „experimentellen und zuweilen assoziativen Analyse“. Diese kommt aber stets absolut einleuchtend herüber. Das zeigt sich zum Beispiel gut in einem Selbstbildnis von 1901, das in der Ausstellung einem Porträt von El Greco gegenübergestellt ist.

Bei einer weiteren Gegenüberstellung von Picassos „Madame Canals“ von 1905 und einem einst El Greco zugeschriebenen Bildnis einer „Dame mit Pelz“ (tatsächlich von Alonso Sànchez Coello gemalt, wie man heute weiß) aus dem 16. Jahrhundert muss man beinahe schon zweimal hinschauen, um die Gemälde dem richtigen Künstler zuordnen zu können.

Das Faszinierende an der Ausstellung „Picasso - El Greco“ im Kunstmuseum Basel ist nun aber, dass die künstlerischen Dialoge weitergezogen werden in späteren Schaffensphasen Picassos, in denen er sich als Pionier der Moderne unsterblich machte. Und die nicht unbedingt mit Altmeister-Werken in Verbindung gebracht werden.

So beruft sich Picasso höchstpersönlich bei seiner Erfindung des Kubismus – dem wohl revolutionärsten Ereignis der Moderne – auf El Greco als einer Urväter des Kubismus. Diese Bemerkung wird bei der Betrachtung von El Grecos expressivem und in typischer Art langgezogenen Bildnis des heiligen Bartholomäus von 1610/1614 durchaus nachvollziehbar. Ebenso die Tatsache, dass Zeitgenossen von damals den Maler quasi für verrückt erklärt hatten.

Urvater des Kubismus

Einer der vielen Höhepunkte der Ausstellung ist die Gegenüberstellung der „Büßenden Magdalena“ von 1580/1585 und dem kubistischen Gemälde „Nu assis“ von 1909/1910. Es scheint, dass Picasso das Werk El Grecos richtiggehend verschlungen hat, um es in der kubistischen Zersplitterung wieder auferstehen zu lassen.

Damit noch nicht genug: Auch im Spätwerk bleibt Picasso den Altmeistern verbunden. Das weist der Künstler in einem wunderbaren Bild „Der Musketier“ von 1967 explizit aus. Auf der Rückseite nennt er sich mit Bezug auf El Greco, Rembrandt und Velasquez „Domenico Theotocopulos van Rijn da Silva“.

Die mit vielen hochkarätigen Leihgaben bestückte, aber auch aus der großen Picasso-Sammlung des Museums heraus schöpfende Ausstellung „Picasso – El Greco“ dauert bis 25. September.  bis 25. September, Di bis So 10–18 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr

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