Basel Pointen, Reime und Musik

Basel  - Mit einem dreistündigen Feuerwerk würziger Worte, geschliffener Pointen, Reime und Musik feierte das Glaibasler Charivari, die traditionelle Einstimmung auf die Basler Fasnacht, ihre diesjährige Premiere im voll besetzten Volkshaus.

Stimmung ist mitunter fast schon melancholisch

Die „drey scheenschde Dääg“, wie die Basler ihre mit dem Morgenstraich beginnende Fasnacht nennen, ist von jeher anders als etwa der rheinländische Karneval. Die Stimmung ist mitunter fast schon melancholisch, die Darbietungen der Pfeifer und Trommler rufen eher zur stillen Bewunderung als zum lautstarken Mitmachen der Zuschauer auf. So beginnt auch das Charivari im Volkshaus mit leisen Tönen: Die Lichter im Saal verlöschen, eine Gruppe Piccolo-Flötenspieler mit weißen Larven bahnt sich ihren Weg mitten durch den Zuschauerraum.

Auf der spärlich beleuchteten Bühne versammeln sich die 19 jungen Frauen im Alter ab 21 Jahren, welche die „Pfyffergrubbe Schäärede“ bilden und mit dem Charivari-Marsch die still lauschenden Zuhörer verzaubern. Wie ein Morgenstraich im Kleinen mutet dieser dezent beleuchtete Zug der Fasnächtler an.

Piccolo-Flöten und Trommeln - die traditionellen Instrumenten der Basler Fasnacht,

Die Musik, bestehend aus Piccolo-Flöten und Trommeln, den traditionellen Instrumenten der Basler Fasnacht, bildet eine Seite des Charivari. Geschliffener Wortwitz und scharfe Satire auf die Politiker eine Andere: Da wird eine Folge der Fernsehsendung „Blätzli gusecht“ nachgestellt, wobei „der Baschi“, unschwer als Parodie auf den Basler FDP-Regierungsrat „Baschi“ Dürr erkennbar, mit den Worten „Er passt sich überall gut an“ vermittelt werden soll. Ein Vertreter der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei wird als „reinrassiger SVPler“ angepriesen, was die Moderatorin mit den Worten „Ein Kampfhund? Sind die nicht verboten?“ kommentiert und dafür spontanen Szenenapplaus erntet.

Immer wieder zeigt sich: Auch wer als Besucher von auswärts nicht jede Anspielung versteht, der merkt doch, dass auch die Diskussionen in Basel Ähnliche sind wie in Deutschland und anderswo. So blicken zwei Akteure bei einer Nummer aus dem Jahr 2079 auf die Gegenwart zurück, als einer der beiden noch jung war und bei den Schülerprotesten „Fridays for Future“ mitmachte. „Damals konnte man im Sommer noch in Basel bleiben, mit 40 Grad im Schatten war es so wie heute im Winter“, meinte er und scheiterte doch immer wieder daran, seiner Enkeltochter zu erklären, warum „damals“, also im Jahr 2019, nicht mehr gegen den Klimawandel unternommen wurde.

Abriss der Geschichte des Basler Trommelns „von der Steinzeit bis Heute"

Immer wieder griffen die Fasnächtler auch Sitten und Gebräuche der „drey scheenschde Dääg“ selbst auf. So gab es einen urkomischen Abriss der Geschichte des Basler Trommelns „von der Steinzeit bis Heute“, wobei die gespielte kurze Tonfolge immer exakt die Gleiche blieb, indes einmal Jugendstil, einmal französisches Trommeln und einmal Feinheiten einzelner Cliquen darstellte. Für Heiterkeit sorgte auch die Analyse der „Fasnachtssproch“, wobei typische Aussagen wie „Und, bisch parat?“ vor der Fasnacht von einer Professorin der Universität Kleinbasel in formvollendetem „Standartdeutsch“ in den jeweiligen Kontext gesetzt wurden. Dies wurde brillant gespielt wie alle Szenen des dreistündigen Abends.

„Alle Nummern sind kurz und knackig, das ist nicht immer so“, zog eine langjährige Charivari-Besucherin am Ende der Veranstaltung einen vollauf zufriedenen Vergleich zu den Vorjahren. Unter der Regie von Lucien Stöcklin, der das Zepter von Colette Studer übernommen hat und selbst langjähriger Charivari-Texter Pfeifer und Schnitzelbänkler ist, geriet das Programm temporeich und ohne Leerlauf. Zu dem gelungenen Abend trug auch Programmchef Erik Julliard, der als Organisator des Basel Tattoo Kontakte zu Trommelformationen aus aller Welt hat, bei. Ein gelungenes Nebeneinander von erfahrenen Kräften wie den Fasnachtsmusikern der Vereinigten Kleinbasler 1884 (VKB) und von Neulingen wie der vierköpfigen Schnitzelbank Brunzguttere, die bei ihrem Charivari-Debüt mit funkelndem Witz brillierte, sorgten für Abwechslung.

Gewinnerin von „The Voice of Switzerland" auf der Bühne

Als am Ende mit der früheren Gewinnerin der Castingshow „The Voice of Switzerland“, Nicole Bernegger, eine der wenigen professionellen Künstlerinnen des Abends auftrat und als „Frau Fasnacht“ Queens „Bohemian Rhapsody“ darbot, hielt es die Besucher nicht mehr auf ihren Sitzen. Beim Hinausgehen waren sich wohl alle der 576 Besucher mit jener Zuhörerin einig, die zu ihrer Sitznachbarin von einem „rundum gelungenen Jahrgang“ sprach. Auch das im Vergleich zu vergangenen Jahren reduzierte Bühnenbild kam bestens an.

Weitere Informationen: Das Basler Charivari läuft bis zum 15. Februar im Basler Volkshaus, Rebgasse 12-14. Tickets gibt es unter www.charivari.ch, beim Basel Tattoo Shop an der Glockengasse 4 und bei Ticketcorner.

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