Basel Politik und Kunst

Die Oberbadische, 13.06.2018 05:43 Uhr

Basel. Mit Theaster Gates’ Ausstellungsprojekt „Black Madonna“ konfrontiert das Kunstmuseum Basel das zur Kunstmesse Art angereiste Publikum facettenreich mit kulturgeschichtlich aufgeladenem Stoff von Religion über Bilderverbreitung und -rezeption bis zu Rassenfragen.

Schwarze Madonnen haben eine bewegte Wahrnehmungsgeschichte: Einst als schwarze Darstellungen der weißen Maria gesehen, etwa von Kerzenruss geschwärzt, erkannte man darin im 19. Jahrhundert Darstellungen einer schwarzen Maria. Die Rassenfrage wurde im 20. Jahrhundert gewichtiger, so in den USA mit der Black Power-Bewegung.

Der 1973 geborene Gates nähert sich diesen Themen auf sehr persönliche Weise an mit verschiedensten Mitteln, von urbanen Interventionen über Performances bis zu Keramiken und Fotos. Er wolle Kunst und Gesellschaft zusammenführen, schreibt das Museum, um soziale, politische und spirituelle Veränderungen zu bewirken.

Aretha Franklin als Black Madonna

Der Afroamerikaner Gates schlägt in der Basler Ausstellung eine alternative Lesart vor und schlägt einen Bogen zur transformativen Macht weiblicher Figuren in Politik, Gesellschaft, Popkultur und Alltag. So macht er Michelle Obama, Aretha Franklin oder Beyoncé quasi zu zeitgenössi schen Inkarnationen der Black Madonna.

Entsprechend umfasst das Rahmenprogramm Anlässe etwa im Basler Münster, dem Jazzcampus und dem Papiermuseum. Zur Eröffnung tritt Gates selber mit seiner Band auf, den Black Monks of Mississippi.

Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel ist raumgreifend und zweigeteilt: Im Neubau arrangiert Gates 3000 positiv konnotierte Fotos schwarzer Frauen aus dem Archiv der Johnson Publishing Company (mit Magazinen wie „Ebony“) mit altmeisterlichen Werken aus der Sammlung des Kunstmuseums, die untypische Madonnen zeigen.

Im Gegenwartskunst-Bau des Kunstmuseums stehen derweil Produktion, Performance und Interaktion im Fokus. Die Herstellung von Plastiken und Bildern erinnerten ständig daran, dass immaterielle Kraft mit der materiellen Welt verbunden sei, zitiert das Museum Gates.

So hat Gates in den Sälen Werkstätten eingerichtet, wo Performances stattfinden sollen und auch live Musik aufgenommen werden soll – mit dem Publikum als Teil des Ganzen. Für das Museum steht Gates mit diesem Ansatz sozialer Interaktion in der Tradition etwa von Joseph Beuys – von diesem ist im Haus eine ständige Installation zu sehen.