Basel Prävention nicht nur im Nachtleben

Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Ein kleines Jubiläum feiert die Suchthilfe Region Basel in diesem Jahr: Seit zwei Jahrzehnten finden Menschen mit einem Abhängigkeitsproblem dort eine Anlaufstelle, wenn sie etwas an ihrer Situation ändern wollen. Zugleich zeigt die Entwicklung im Bereich der Süchte gesellschaftliche Veränderungen auf.

Von Adrian Steineck

Basel. Oliver Bolliger, Leiter des Beratungszentrums der Suchthilfe Region Basel, bringt es auf den Punkt: „Heroin ist offenbar nicht mehr zeitgemäß.“ So ist generell die Zahl derer, welche die Drogenberatungsstelle wegen der Abhängigkeit von Opiaten aufsuchen, zurückgegangen. „Heroin haftet sehr stark das Bild der Verelendung an, während in unserer schnelllebigen und leistungsorientierten Gesellschaft eher Substanzen zur Leistungssteigerung gefragt sind.“ Während früher eher „randständige Abhängige“, wie der Leiter des Beratungszentrums die Menschen mit einer Heroin- oder Kokainabhängigkeit nennt, die Beratungsstelle aufsuchten, ist die Zahl der Neueinsteiger im Bereich der Opiate in Basel seit Jahren rückläufig.

Präventionsstand an Festivals kommt an

Zugenommen hat laut Bolliger hingegen die Zahl derjenigen, die wegen ihrer Kokain- oder Alkoholabhängigkeit die Suchtberatungsstelle aufsuchen. Ebenso gibt es mehr Glücksspielsüchtige als noch vor zehn Jahren, wobei Bolliger über die Gründe hierfür nicht spekulieren will.

Neben dem Beratungszentrum in Basel arbeitet die Suchtberatung eng mit einer Klinik in Reinach zusammen, die Drogensüchtigen bei ihrem Entzug hilft. Zur Reintegration wird ein kleiner Teil der Klienten an Bauernhöfe in der Region vermittelt, wo sie bei der Arbeit in der Natur wieder zu sich finden sollen.

Ein relativ neues Projekt ist das Präventionsangebot „Safer Dance Basel“, das sich gezielt an Nachtschwärmer richtet. Hierfür arbeitet die Suchtberatung mit dem Verein „SubsDance“ zusammen, in dem sich junge Freiwillige an Feiern engagieren. Im Auftrag der beiden Basel ist zu diesem Zweck etwa vier- bis sechsmal im Jahr ein Präventionsstand mit einem mobilen Labor an Feiern und Festivals vor Ort. Die beiden Halbkantone unterstützen das Präventionsprojekt mit 10 000 Franken im Jahr. Die Kosten für die Analyse potenzieller Drogen mit dem mobilen Labor werden von Stiftungent übernommen. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, freut sich Bolliger. Mit dem mobilen Labor zur Untersuchung verdächtiger Pillen und Substanzen (siehe Bild) sind die Mitarbeiter in Basler Techno- und anderen Clubs präsent – anders als in Bern oder Zürich gibt es in Basel kein stationäres Labor.

Basel gehört zu Europas Drogen-Hauptstädten

Dass Basel zu den Städten in Europa gehört, in denen mit am meisten Drogen konsumiert werden, geht aus einer sogenannten Abwasserstudie hervor. Dafür hat Christoph Ort, Abwasserforscher des Schweizerischen Bundes, im Jahr 2013 zum dritten und bisher letzten Mal das Abwasser in 42 europäischen Städten auf Rückstände von Drogen untersucht. Dabei kam heraus, dass Basel, Genf, St. Gallen und Zürich beim Kokainkonsum weit vorne liegen. Über die Gründe will Bolliger nicht spekulieren.

In der Schweiz bisher wenig verbreitet ist die in den Vereinigten Staaten populäre Droge Crystal Meth, die Hunger und Durst unterdrückt. „Wir nehmen Crystal Meth höchstens am Rande wahr“, sagt Bolliger, was seiner Meinung nach mit der geringen Verbreitung und Verfügbarkeit dieser Droge zu tun hat.

Auch wenn das Beratungszentrum der Suchthilfe Region Basel sich vor allem an die Einwohner Basels richtet, nehmen auch immer wieder Menschen aus dem Umland die Angebote wahr. „Wir arbeiten auch mit dem Präventionszentrum Villa Schöpflin in Lörrach zusammen, etwa bei der Cannabisberatung Realize It“, erläutert der Leiter des Basler Beratungszentrums.

Weitere Informationen: Näheres zu den Angeboten der Suchtberatung Region Basel finden Interessierte im Internet: www.suchthilfe.ch.

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