Basel Schweiz lockert Corona-Maßnahmen

 Foto: Michael Werndorff

Basel/Bern -  Der Druck aus Wirtschaft, weiten Teilen der Politik und Gesellschaft war groß. Trotz der fragilen epidemiologischen Lage hat der Schweizer Bundesrat am Mittwoch weitere Öffnungsschritte beschlossen. Am Montag können etwa Restaurantterrassen, Kinos und Fitnesszentren wieder öffnen.

Die deutschen Nachbarn allerdings dürfen sich keine Hoffnung auf Teilhabe an den neu-alten Freiheit machen: Die Schweiz ist hierzulande weiterhin als Risikogebiet eingestuft, inklusive der daraus folgenden Quarantäne-Pflicht bei der Rückreise. Zwar gibt es Ausnahmen, die den Auslandsausflug im Rahmen des Kleinen Grenzverkehrs unkomplizierter erlauben; touristische Aktivitäten zählen allerdings nicht dazu.

Ausnahmen für Geimpfte

Privilegien allerdings gibt es für Geimpfte: Geimpfte, symptomlose Personen müssen sich nach der Einreise aus sämtlichen Risikogebieten im Ausland künftig nicht mehr in Absonderung begeben, erklärt der Baden-Württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha. 

Ebenso entfällt für die betreffende Personengruppe Quarantänepflicht nach dem dem Kontakt zu einem COVID-19-Fall. Entsprechende Ausnahmeregelungen sollen laut Informationen aus dem Gesundheitsministerium in die jeweiligen Verordnungen aufgenommen werden und ab Montag in Kraft treten.

Nach der RKI-Empfehlung gilt ein Impfschutz als vollständig, wenn seit der letzten vorgeschriebenen Impfdosis 14 Tage vergangen sind. Anerkannt werden alle in der EU zugelassenen Impfstoffe. Die Änderungen werden diese Woche vorgenommen und sollen am nächsten Montag,19. April, in Kraft treten.

Schweiz behält fünf Richtwerte im Blick

Wo in Deutschland nach wie vor die 7-Tages-Inzidenz als entscheidender Richtwert für die Beurteilung der Infektionslage und für den Erlass von Maßnahmen gilt, behält die Schweiz fünf Werte im Blick: Die 14-Tages-Inzidenz, die Belegung der Intensivstation mit  Covid-Fällen, den R-Wert, den 7-Tages-Schnitt der Krankenhauseinweisungen und denjenigen der Todesfälle.

Vier dieser fünf Richtwerten für Lockerungen (alle bis auf die Belegung der Intensivstationen) sind aktuell nicht erfüllt. Dennoch hat sich der Bundesrat zu einem weiteren Öffnungsschritt entschlossen.

Nachdem zuletzt angesichts steigender Fallzahlen und der Belastung des Gesundheitssystems nur die Fünfer-Regel gelockert wurde und sich damit zehn Personen im Freundes und Familienkreis treffen können, will die Schweiz ab nächster Woche weitergehende Lockerungen ermöglichen.

So dürfen etwa Terrassen von Restaurants und Bars, Kinos und Fitnesszentren wieder öffnen. Wieder erlaubt sind auch Sport in Innenräumen, Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Präsenzunterricht an den Universitäten, wie der Bundesrat überraschend ankündigte (Hier ein detaillierter Überblick).

Innenbereiche bleiben geschlossen

Maximal 100 Personen dürfen draußen eine Veranstaltung besuchen, in Innenräumen sind es maximal 50 Personen, also im Kino, Konzert oder Theater. Weiterhin gelten Maskenpflicht, Abstand halten und Hände waschen und desinfizieren sowie strenge Schutzkonzepte.

Bis auf weiteres geschlossen bleiben müssen die Innenbereiche von Restaurants, Wellnessanlagen und Freizeitbädern sowie Diskotheken und Tanzlokale. Sportarten mit Körperkontakt sind in Innenräumen weiterhin nicht erlaubt. Auch die Homeoffice-Pflicht hat der Bundesrat zunächst belassen.

Ältere Menschen erkranken weniger häufig und schwer

„Wir können ein gewisses Risiko in Kauf nehmen“, sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern. Es könnten mehr Tätigkeiten im Freien stattfinden, die Impfung zeige positive Wirkungen, ältere Menschen würden sich weniger anstecken und würden weniger häufig und schwer krank.  Zudem sei die Lage in den Krankenhäusern und den Intensivstationen relativ stabil, und es gebe keine massive Zunahme bei den Fallzahlen.

Berset warnte jedoch eindringlich vor einer Falschinterpretation der Öffnungsschritte. Den Schlendrian vertrage es nach wie vor nicht. Wenn die Menschen jetzt die Zügel fahren ließen, werde es nicht gut gehen.

Derweil unterstützen die kantonalen Gesundheitsdirektoren die Entscheidung. Lukas Engelberger, Vorsteher des Basler Gesundheitsdepartements und Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, sagte im Interview mit dem Regionalsender Telebasel: „Wir tragen die Öffnungsschritte mit –­ das lässt sich für die Mehrheit der Kantone sagen, auch für Basel-Stadt.“

Die Lage sei nach wie vor unsicher. Klar sei: „Wir müssen einen weiteren starken Anstieg der Infektionszahlen verhindern. Wir werden versuchen, die Kurve flach zu halten“, machte Engelberger deutlich. Man sei aber darauf angewiesen, dass sich die Bürger im Alltag vorsichtig verhalten.

Die Impfbereitschaft in Basel-Stadt ist sehr hoch

Mit Blick auf die als schleppend kritisierte Impfkampagne im Stadtkanton erklärte der Gesundheitsdirektor: „Wir horten nicht, wir verimpfen, was wir können.“ Engelberger zeigte Verständnis für die Ungeduld vieler Basler.

Indes: Die Impfbereitschaft sei sehr hoch, gleichzeitig lebten in Basel viele Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen. Bis Ende Juni sollen aber alle Personen unter 65 Jahren, welche dies möchten, eine erste Impfung erhalten, erklärte dieser Tage Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements.

Als Reaktion auf die beschlossenen Lockerungsschritte sieht der Regierungsrat Basel-Stadt zusätzliche Maßnahmen in „Hot-Spots“ vor, um ein unkontrolliertes Ansteigen der lokalen Infektionszahlen zu vermeiden. In der Steinenvorstadt darf außerhalb der gekennzeichneten Bar- und Restaurantbereiche nichts konsumiert werden.

Gespaltenes Medienecho

Die überraschend offensiven Schritte des Bundesrates zur Lockerung einzelner Corona-Maßnahmen werden von den Kommentatoren in den Schweizer Medien mit Erstaunen und Erleichterung, aber auch mit Sorge zur Kenntnis genommen. Die Öffnungsschritte seien nur Symbolpolitik, kommentiert der „Tages-Anzeiger“ die Lockerungen von Corona-Maßnahmen. Wirklich wichtig sei, dass die Regierung erste Impfprivilegien und Vorteile für testwillige Betriebe einführe.

Auch nach den Öffnungen sei nicht alles einfach gut, kämen sie doch in einer Zeit steigender Fallzahlen. Von Normalität sei die Schweiz noch weit entfernt. Als mutig bezeichnet der „Blick“ den Öffnungsplan. Er dürfe aber nicht zu Sorglosigkeit führen.

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