Basel Studie schlägt achte Rheinbrücke vor

Die Oberbadische, 12.06.2018 16:32 Uhr

Im Dreiland sollen öffentlicher, Fuß- und Radverkehr mit einer neuen Rheinbrücke besser vernetzt werden: Eine am Montagabend in Basel präsentierte trinationale Verkehrsstudie schlägt den Brückenschlag zwischen Hüningen und der Wiese-Mündung beim Basler Hafen vor.

Von Adrian Steineck

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Regio. Das Vorhaben von Basel, Hüningen und Weil am Rhein, zwischen Dreirosen- und Palmrainbrücke gemeinsam einen grenzüberschreitenden Stadtteil zu entwickeln – laut Hans-Peter Wessels, Leiter des Basler Bau- und Verkehrsdepartements, eine „Jahrhundertchance“ – nimmt planerisch weiter Form an: Die Verkehrsstudie setzt auf die Verknüpfung bestehender Infrastruktur und ergänzend auf eine neue, die dann achte Rheinbrücke für Trams, Busse, Fahrräder und Fußgänger, wie bei der Präsentation im Basler Großratssaal deutlich wurde.

Die Brücke ist laut der Studie, die auf umfassenden Modellrechnungen basiert, nötig für die Abwicklung künftiger Mobilitätsbedürfnisse und die Funktionalität des Verkehrsnetzes, legte Stefanie Ledergerber von der Kontextplan AG in Bern dar. Die drei Städte Basel, Hüningen und Weil am Rhein arbeiten seit dem Jahr 2011 an gemeinsamer Planung von Wohnungen und Arbeitsplätzen für 20 000 Personen; 2015 hatten sie ein Raumkonzept festgelegt.

Eine gemeinsame Mitteilung bezeichnet die neue Brücke als „zentrales Element“ für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Sie böte „optimale Erschließung der Entwicklungsgebiete und der neuen öffentlichen Räume“. Zudem erlaube sie laut der Studie direkte, zeitsparende Verbindungen statt langer Umwege.

Die Gebietsentwicklung erfordert laut der Mitteilung neue Kapazitäten, die mit der Verlagerung von heutigen Fahrten des motorisierten Individualverkehrs (MIV) punktuell zu schaffen seien. Gezielter Ausbau des ÖPNV-Netzes sei „zwingend“, hieß es auch mit Verweis auf die Nachfrageentwicklung und wachsende Pendlerzahlen aus dem Elsass.

Für die Brücke legt die Studie von Kontextplan, Van de Wetering Städtebauatelier und Rapp zwei Varianten vor, mit dem Basler Brückenkopf ober- respektive unterhalb der Wiesemündung – eine davon mit einem Rheinarm anstelle des heutigen Hafenbahn-Gleisfelds. Gegenüber in Hüningen steht heute noch Industrie samt Kläranlage.

Eine solche Rheinbrücke war bereits ein Element auf Planskizzen eines Hochhaus-Inselquartiers anstelle des heutigen Hafen-Westquais gewesen. Diese hatten vor rund fünf Jahren unter dem Schlagwort „Rheinhattan“ Wirbel ausgelöst und Widerstände im Klybeck-Quartier geweckt.

Bis die Brücke aber steht, dürfte noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen: Die baselstädtische Regierung hatte sich bisher für Veränderungen am Westquai erst offen gezeigt, wenn die alten Hafenaktivitäten neue Standorte gefunden haben, namentlich am geplanten trimodalen Gateway Basel Nord mit drittem Hafenbecken. Allerdings hält sie dieses Terminal nur mit Umnutzungen am Westquai für finanzierbar, wegen der teuren Hafenbahn-Verlegung.

Die Verkehrsstudie sieht den Brücken-Projektwettbewerb für das Jahr 2022 und politische Beschlüsse für die Jahre 2025/2026 vor. Ein Baubeginn wird so auf etwa 2030 angesetzt; der volle Nutzen könnte ab dem Jahr 2035 erzielt werden.

Allerdings seien laut der Mitteilung noch „unzählige Fragen offen“, darunter verfügbare Flächen und die Entwicklungen der Mobilität in diesem Zeitraum. Die Studie schlägt unter anderem neue Tramstrecken von Kleinhüningen zum Bahnhof Saint-Louis und vom St. Johann-Quartier zum Hüninger Brückenkopf sowie Park-and-Ride-Parkhäuser vor.

Sie rät zur etappenweisen Umsetzung der Pläne; noch zu klären sei die Finanzierung – bei Bedarf mit Staatsverträgen.

Die Kostenschätzung wird in der Verkehrsstudie aus dem Agglomerationsprogramm (3. Generation) zitiert mit rund 76 Millionen Franken. Offen ist die Verteilung. Bestellt hatte die Studie das baselstädtische Bau- und Verkehrsdepartement. Präsentiert wurde sie vor Politikern, Behördenvertretern der drei Städte und Medien in Basel. Die Autoren gaben dabei der Politik und den Verkehrsunternehmen noch weitere Hausaufgaben mit: „Sehr entscheidend für die Attraktivität und damit die Nutzung“ des ÖPNV sei „ein nutzerfreundliches, grenzüberschreitendes Tarifsystem“, sagte Wessels. Er sei aber – anders als noch vor ein paar Jahren – zuversichtlich, dass dieses bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden könne. „Wir arbeiten daran“, sagte er den Zuhörern. Am Montag war es bereits gelungen, grenzüberschreitend einheitliche Tarife zwischen der Schweiz und Deutschland einzuführen (wir berichteten).

Weiler OB Dietz erinnert an eine frühere Brücke

Der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz ging darauf ein, dass es bereits ab dem Jahr 1870 eine Eisenbahnbrücke zwischen Weil am Rhein und Hüningen gab, die aber während des Zweiten Weltkriegs zunächst abgebaut und später zerstört worden war. „Der Rhein ist nicht mehr das, was uns trennt, sondern das, was uns verbindet“, sagte Dietz.

 Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter www.3-land.net.