Basel Südländer schlagen Wurzeln

Die Oberbadische, 12.10.2017 17:00 Uhr

Von Gerd Lustig

Das Klima ändert sich: Um den neuen Bedingungen standzuhalten, zieht die Baumschule der Basler Stadtgärtnerei vermehrt Bäume aus südlichen Gefilden auf. Diese sind in der Lage, auch heißen und trockenen Sommern zu trotzen.

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Basel. „Bäume sind auch Lebewesen, sie kommunizieren auf ihre Art miteinander“, sagt Yves Dubs, Leiter der bei der Stadtgärtnerei Basel beheimateten Baumschule in Arlesheim. Und von daher, da ist er sich mit Yvonne Aellen, Leiterin der Abteilung Gründflächenunterhalt, die dem Bau- und Verkehrsdepartment der Stadt Basel unterstellt ist, dürfe bei der Sorten- und Standortwahl der Bäume im Stadtgrün nichts dem Zufall überlassen werden.

Im Gegenteil: Gerade der Klimawandel und die immer mehr fortschreitende Mediterranisierung auch des hiesigen Raums bringen für Menschen und Bäume zugleich verstärkt Stress. „Die Aufgabe, die richtigen Pflanzen und deren Pflege zu finden, ist für uns eine große Herausforderung“, betont Aellen. Und wie so oft: Der Mix macht’s. Mit einer großen Vielfalt an Arten und Sorten minimiert dies das Risiko für größere Ausfälle in der Zukunft am besten. Nun sind in der Baumschule vermehrt südländische Bäume oder solche aus dem orientalischen Raum zu finden.

„In Sachen Bäume müssen wir jetzt schon an 2060 denken, um gegen den prognostizierten Klimawandel gewappnet zu sein“, erklärt sie. Die Niederschläge blieben zwar gleich, jedoch seien die Mengen unterschiedlicher verteilt, ebenso sei mit einer Erwärmung zwischen ein und drei Grad zu rechnen. Darum setze die Stadtgärtnerei alles daran, den Bäumen die Voraussetzungen zu bieten, damit sie sich bestmöglich entfalten können. „Schließlich leisten Bäume einen wichtigen Beitrag für die Regulierung des Klimas, sie müssen aber gesund und widerstandsfähig sein“, sind sich Aellen und Dubs einig.

Das Wichtigste wird daher in der stadteigenen Baumschule in Arlesheim geleistet. Sie wird quasi als Kinderstube und Experimentierfeld für künftige Stadtbäume genutzt. Aktuell gibt es hier rund 2500 Jungbäume, allesamt in besonderen Töpfen aus luftdurchlässiger Noppenfolie, dank dieser der ganze Wurzelballen optimal mit Sauerstoff versorgt wird. In der Baumschule sind immer auch Neuheiten vertreten, die einen Härtetest unter den Basler Klimaverhältnisse absolvieren müssen. Sie werden einige Jahre auf Gesundheit, Wuchseigenschaften und ihre Kälteempfindlichkeit geprüft, bevor sie an ihren definitiven Platz in Straßenalleen oder Parks in Basel kommen – ­pro Jahr sind es etwa 300 Bäume. Und dass die Verantwortlichen nichts dem Zufall überlassen, zeigt sich auch beim Substrat. Seit einigen Jahren wird ein Gemisch aus Kies, Sand, Kompost und Landerde verwendet. „Dieser Mix ist für die Funktionen als Wasserspeicher und Luftzirkulation am besten geeignet“, betont Yves Dubs. Man wird an der Mixtur weiter probieren und experimentieren. „Der Baum muss sich einfach wohlfühlen“, meinte der Baumschulchef.

 
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