Basel „Tinguely bekritzelte fast alles“

Dominique Spirgi
Das Museum Tinguely sagt „Merci Seppi“. So lautet der Titel der Ausstellung, die nun die große Sammlung an Grafiken und Zeichnungen von Seppi Imhof zeigt. Foto: Matthias Willi

Das Museum Tinguely sagt „Merci Seppi“ – so der Titel der Ausstellung, die nun die große Sammlung an Zeichnungen und Grafiken von Seppi Imhof präsentiert. Tinguelys langjähriger Assistent hat seine Sammlung dem Museum geschenkt.

Von Dominique Spirgi

Basel. Seppi Imhof musste schwindelfrei sein, das Schweißen und Jassen beherrschen. So verlangte es das Stelleninserat von Jean Tinguely, das 1970 zu einer langen und intensiven Zusammenarbeit mit dem gelernten Schlosser führte. Sie sollte zwanzig Jahre dauern. Und würde wohl noch immer andauern, wäre Tinguely nicht 1991 gestorben, wie Imhof am Dienstag an der Medienführung durch die Ausstellung sagte.

Ausgestellt ist die große Schenkung, die Imhof, der bis 2008 als Restaurator am Museum tätig war, dem Haus vermacht hat. Es ist eine große Sammlung mit weit über 400 Zeichnungen, Aquarellen, Briefen, Druckgrafiken und Konstruktionszeichnungen.

Die Schenkung ist für das Museum nicht nur aus künstlerischen Gründen wertvoll, wie Museumsdirektor Roland Wetzel sagte. Sie habe als eine Art gezeichnete und collagierte Biografie auch einen großen dokumentarischen Wert.

Innige Freundschaft

Die ausgestellten Werke verraten viel über die Persönlichkeit Tinguelys und über das künstlerische Schaffen nach 1970. Die vielen Briefe an Imhof mit kurzen und zum Teil kryptischen Anweisungen sind überdies Zeichen für die innige Arbeits- und Freundschaftsbeziehung zwischen dem Künstler und seinem Assistenten. „Alles klar?“ ist zum Beispiel auf einer wild-chaotischen Konstruktionszeichnung zum „Cyclop“ zu entziffern. Für Museumsbesucher wirkt sie wie ein abstraktes Kunstwerk, was die Zeichnung letztlich ja auch ist.

Imhof indes musste herauslesen, wo und wie Räder aufgeschraubt und wo was zusammengeschweißt werden musste. Tinguely habe gewusst, was er wollte, die Technik habe ihn aber nicht so sehr interessiert, die habe er Imhof überlassen, sagte Ausstellungskurator Andres Pardey.

Auch die Briefe und Postkarten, die Tinguely in großer Zahl versandte, werden längst als Kunstwerke gehandelt. Und bei weitem nicht alle dieser oftmals fröhlich-chaotisch illustrierten Schriften sind auf normalem Papier aufgebracht worden. Tinguely bekritzelte und beklebte fast alles, was ihm unter die Finger kam: Papiertischtücher, Verpackungsmaterialien oder Teile von Kartonschachteln.

Mit der Ausstellung „Merci Seppi. Die große Schenkung“ schließt das Museum Tinguely den Ausstellungsreigen im Jubiläumsjahr zum 25-jährigen Bestehen des Hauses ab. Die Schau dauert bis 13. März 2022.

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