Basel Tinguely nimmt Fahrt auf

 Foto: Gabriele Hauger

Basel - Jean Tinguelys kinetische Kunst bewegt. Nun wird sie auf spektakuläre Weise selbst in Bewegung geraten: Zum 25. Jubiläum des Museum Tinguely Basel werden die Anker gelichtet.

Das Haus begibt sich mittels eines umgebauten Frachtschiffs unter dem Titel „Ahoi!“ auf große Fahrt durch Europas Wasserstraßen und bringt so das Schaffen des großen Künstlers zu den Menschen – entlang den wichtigsten Stationen seines Lebens. Ein ambitioniertes Projekt, das ganz der Philosophie Tinguelys entspricht.

Museum erfreut sich großer Beliebtheit

Tinguely (1925-1991) gilt als einer der innovativsten und wichtigsten Künstler der Schweiz. Wem sonst würde wohl das Pharmaunternehmen Roche zu seinem 100-jährigen Firmenjubiläum ein komplettes Museum finanzieren? Das Haus hat sich in den Jahrzehnten fest etabliert, weist anhaltend hohe Besucherzahlen auf, legt größten Wert auf Kulturvermittlung – auch für die Jüngsten – und richtet neben zahlreichen Sonderausstellungen alle zwei Jahre die große Werksammlung neu aus, wobei es sich auf ein reichhaltiges Archiv stützen kann.

Dies bilanzierte Museumsdirektor Roland Wetzel beim Jahrespressegespräch – das selbstverständlich den Fokus auf das Jubiläum richtete. „Wir sind froh, wieder öffnen zu können“, nahm Wetzel Bezug auf die aktuelle Lage. Und die große Nachfrage unterstreiche das Bedürfnis nach kulturellem Erleben.

Das Jubiläum

Die MS Evolutie verlässt am 25. Juni Basel, erste Station am 17. Juli wird Paris sein, die Stadt, in der Tinguelys Künstlerkarriere ihren Anfang nahm. Als einziges Originalwerk Tinguelys wird an Deck seine berühmte Schwimmwasserplastik von 1980 stehen, die normalerweise im Solitude-Park vor dem Museum steht.

Sie ist bereits abgebaut, wird renoviert und dann an Deck positioniert – ein echter Clou. Im Schiffsinneren unter Deck wird auf 100 Quadratmetern dokumentarisch dem großen Künstler nachgespürt mittels Dokumenten, Fotografien, Filmen, Faksimiles. Unter dem Titel „Et tout est vrai! Auf den Spuren Tinguelys“ können die Besucher in sein Leben und Werk eintauchen, ihn als Künstler, Reisenden, Netzwerker und Freund kennenlernen.

Die Schiffsreise führt anschließend nach Antwerpen, Maastricht, Amsterdam, dann nach Deutschland mit Stationen wie Gelsenkirchen, Duisburg, Düsseldorf, Koblenz, Frankfurt und Mannheim zurück nach Basel. Dort findet zum Abschluss der Reise ein großes Jubiläumsfest vom 24. bis 26. September statt.

Das Schiff wird direkt vor dem Museum ankern und die Kulisse für das Fest in und ums Haus bieten. Es gibt Workshops, Ausstellungen, einen Parcours und Best of-Programme aus den vergangenen Jahren.

Stationen mit Werkbezug

Die vorigen Schiffs-Stationen werden in Kooperation mit den dortigen Häusern geplant, die jeweils intensive Bezüge zu Tinguely haben. Am Start in Paris beispielsweise begann Tinguelys Karriere, 1994 waren dort zahlreiche Galerieausstellungen zu sehen, die Stadt war Wirkungsstätte und Inspirationsort.

In Antwerpen hatte Tinguely maßgebliche Gruppenausstellungen. Das Bonnefantenmuseum in Maastricht ist im Rahmen verschiedener Projekte ein Kooperationspartner des Museums Tinguely. Wegweisende Ausstellungen gab es in Amsterdam, 1958 war er auf Einladung Yves Kleins in Gelsenkirchen an der Ausstattung des dortigen Musiktheaters beteiligt. In Duisburg bekam er 1979 den Wilhelm-Lehmbruck-Preis verliehen.

In Düsseldorf inszenierte Tinguely den Abwurf seines Manifests „Für Statik“. Das Ludwig Museum Koblenz beherbergt in seiner Sammlung Werke von Tinguely, Niki de Saint Phalle und Eva Aeppli.

Für all diese Schiffsstationen wird zudem aktuell ein Performance-Programm entwickelt, eine Mischung aus Musik, Tanz und Theater. Drei Performerinnen sind beauftragt, Stücke zu erarbeiten, diese werden an die Stationen und Örtlichkeiten angepasst beim Schiff oder bei der jeweiligen Partnerinstitution gezeigt.

Beauftragt wurden drei Künstlerinnen: Nevin Aladag lebt in Berlin. Sie verwebt Musik, Klang und Kunst und wird instrumentale Kleider entwerfen, die durch Körperbewegungen zum Klingen gebracht werden. Marie-Caroline Hominal will ein getanztes Solo präsentieren, in dem sie als „tanzende Maschine“ verschiedene Rollen einnimmt. Und Keren Cytter schreibt einen Dialog, der die gesellschaftliche Entfremdung thematisiert.

„Im Museum streben wir stets an, den Dialog zwischen Kunst und Leben, den Tinguely in seiner künstlerischen Praxis verfolgte, auch im Kontext zeitgenössischer Kunst- und Kulturproduktionen fortzuführen“, sagt Projektleiterin Sandra Reimann. Angesichts des Jubiläumsprogramms dürfte das bestens gelingen. Ein Gesamtprojekt, das Tinguely gefallen haben dürfte.

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