Basel „Unsere Fasnacht ist einzigartig“

Basel - Auf dem Münsterplatz fühlt es sich fast ein bisschen wie auf dem Jahrmarkt an: An mehreren Ständen werden Getränke, Maroni und Würstchen verkauft, musizierende Cliquen im Kostüm ziehen vorbei und prominent auf dem Münsterplatz sind die scheinbar unzähligen Laternen platziert.

Kunstvoll bemalte Laternen mit gesellschaftskritischen und politischen Sujets sind eines der Aushängeschilder „drey scheenschte Dääg“: Nur logisch, dass man sie bei der Laternenausstellung gebührend auch noch aus nächster Nähe begutachten kann. Denn was beim Morgestraich am Montag um vier Uhr in der Früh teilweise schwer zu erkennen war – all die kleinen Details und oftmals spitzzüngigen Sprüche auf den Laternen – wirkt bei Tageslicht noch eimal ganz anders.

Die Cliquen haben an ihren Laternen Zettel ausgelegt, die interessierte Besucher mitnehmen dürfen. Darauf wird in Gedichtform das jeweilige Sujet erklärt.

Passend zum diesjährigen Motto der Basler Fasnacht, „bis zletzscht“ haben sich viele Gruppen mit dem Ende der Muba befasst. „Was ist denn bitte die Muba?“, fragt ein Tourist aus der Pfalz beim Anblick einer der Laternen, die eine weinende Frau im Comicstil zeigt. Gemeinsam mit seiner Frau kommt der Pfälzer schon seit Jahren immer wieder zur Basler Fasnacht – die einstige Erfolgsmesse kannte er aber nicht. Seiner Frau fällt auf: „Viele Laternen beschäftigen sich mit der Flüchtlingsthematik.“

„Deutschland wieder über alles“ heißt das diesjährige Thema der Alten Märtplatz-Clique gemeinsam mit BMG Runzle: „Der deutsche Adler muss bald seine letzten Federn lassen“, steht als Hiobsbotschaft auf der Laterne.

Trump als Hundehäufchen

„Was für ein Schwachsinn“, murmelt ein Deutscher beim Betrachten und schüttelt den Kopf, ehe er sich abwendet. Sowieso erlauben sich die Schweizer mit ihren Laternen Aussagen und Darstellungen, die man hierzulande nur hinter verschlossenen Türen hören würde. Trump als Hundehäufchen, Erdogan und Merkel in inniger Umarmung – andernorts gäbe es deswegen mächtig Aufruhr.

„Es gehört einfach dazu, seine Meinung zu äußern“, sagt Jeannette Stehlin, die mit ihrem Mann Franz auf den Münsterplatz gekommen ist. Die Sujets seien auch in diesem Jahr wieder vielfältig. „Unsere Fasnacht ist einfach einzigartig“, schwärmt das Basler Ehepaar, das selbst 35 Jahre aktiv bei der Fasnacht mitgemacht hat. Diesmal erleben sie die „drey scheenschte Dääg“ aber aus der Zuschauerperspektive.

Gleich zweimal angereist

„Die Basler Fasnacht ist für mich das größte Fest des Jahres“, erzählt ein Mann aus Freiburg, der schon am Montag extra mit dem Zug zum Cortège und am Dienstag wieder zur Laternenausstellung gekommen ist. „Diese Art der Fasnacht gibt es bei uns einfach nicht“, findet er. Die Basler Fasnacht ist ein festes Datum für ihn. Der Freiburger schätzt besonders, dass die Schweizer Fasnächtler sich kritisch mit dem Lokal- und Weltgeschehen auseinandersetzen. „Das künstlerische Niveau ist ganz toll“, lobt er die Leistung der Cliquen, die jedes Jahr aufs Neue ihre Laternen gestalten.

Klimawandel aufgegriffen

Studentin Sarah Meier (19) besucht dieses Jahr zum ersten Mal die Basler Fasnacht. „Den Morgestraich fand ich wahnsinnig spannend“, sagt sie. Die einzelnen Motive bei der Laternenausstellung noch einmal genau betrachten zu können, hält sie für sehr wichtig. „Teilweise muss man bei den Sprüchen wirklich lachen“, meint Sarah in Bezug auf die Mundart-Reime, die die Laternen verzieren. „Außerdem finde ich die Auseinandersetzung mit so wichtigen Themen wie dem Klimawandel sehr gelungen.“

Weitere Informationen: Noch bis heute Abend können die kunstvollen Laternen vom Morgestraich auf dem Münsterplatz besichtigt werden.

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