Basel Urbane Kunst in Basel erleben

Das Graffiti-Projekt „Change of Colors“ ist der erste Hingucker urbaner Kunst, wenn man von der französischen Grenze von St. Louis in Richtung Basel Innenstadt fährt. Foto: Denis Bozbag

Basel - Eng umschlungen, Wange auf Wange gedrückt, zieht das als Graffiti an die Wand gesprühte Bild eines Paares die Blicke von Passanten auf sich. Das an die Comic-Kunst von Roy Lichtenstein erinnernde Motiv ist Teil des Künstler-Projekts „Change of Colors“.

Auf einer 1700 Quadratmeter großen Fläche an einer Wand beim Basler Fleischverarbeiter Bell haben sich Künstler aus der ganzen Schweiz und England mit ihrer Graffiti-Kunst verewigt. Wem die Galerien und Kunstausstellungen in den geschlossenen Räumen der Museen aufgrund Corona noch zu unsicher sind, der sollte sich stattdessen auf einen Streifzug durch Basel begeben und die urbane Straßenkunst kostenfrei im Freien genießen.

„Wir arbeiteten länger mit der Firma Bell zusammen und durften die unteren Teile der Wand schon vor Jahren bespielen“, erklärt Lukas Odermatt, Kommunikationsverantwortlicher des Basler Vereins „Urbane Kunst“, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Da die Firma das große Werbeplakat an der Hauptwand entfernen wollte, kam sie wieder auf uns zu und fragte, ob wir nun die ganze Wand bemalen könnten. So nahm das Projekt seinen Lauf.“

Wer sich vom Bell Areal in den Bus der Linie 50 setzt und in Richtung Bahnhof SBB fährt, findet einen Halt weiter etwas versteckt in einer Wohngegend an der Dammerkirchstraße 4 ein weiteres Kunstwerk moderner Straßenkunst. Das Graffiti des Künstlers Pollo 7 mit dem Arbeitstitel „Brennpunkt“ zeigt ein Mädchen mit dem Namen Leila, das aufmerksam zwei Nacktschnecken bei der Fortpflanzung betrachtet. Ineinander zusammengerollt sollen sie auf Yin und Yang anspielen. Das Bild lässt Freiraum für Interpretation und soll eine Aufforderung an die Betrachter sein, die Natur genau zu studieren, wie auf der Homepage des Basler Energieversorgers IWB geschrieben steht. Das Unternehmen unterstützt regionale und auch internationale „Urban Art“-Künstler. Dafür stellt es auf den eigenen Gebäuden, Stationen und Verteilkästen Flächen zur Verfügung.

Erste Street-Art-Meile

Vom Kannenfeldplatz geht es mit dem Bus der Linie 31 weiter in Richtung Claraplatz, wo man in den Bus der Linie 36 wechselt und beim Museum Tinguely kurz vor der Schwarzwaldbrücke aussteigt. Auf dem Velo- und Fußgängersteg über den Rhein kann man die erste Street-Art-Meile für Graffiti in Basel bewundern.

30 Teams und Einzelkünstler haben an 24 Wandflächen entlang des Stegs das zentrale Thema „Wasser“ kreativ umgesetzt. Für die Vorbereitungen der Aktion im vergangenen Sommer und Herbst hatte der Kanton Basel-Stadt 50 000 Franken zur Verfügung gestellt, wie das Bau- und Verkehrsdepartement damals mitteilte.

Am Rhein entlang läuft man nun in die Altstadt von Basel in das Gerbergässlein. Dort findet man das übergroße und farbenprächtige Graffiti „Rockstars“ von Art 4000 (Marc Bellé). Es bildete bis zum Jahr 2019 das größte Kunstwerk im öffentlichen Raum von Basel.

In der Nähe des Barfüßerplatzes im Steinenbachgässlein entdeckt der Betrachter eine auf rund 50 Meter Fassade gesprühte Historie der Elektrizität mit den Köpfen der Erfinder Albert Einstein und Nikola Tesla. Auch dieses Werk stammt aus der Sprühdose von Art 4000.

Wer jetzt noch Zeit und Lust hat, kann sich auf dem Marktplatz in die Tram der Linie 8 setzen und bis nach Kleinhüningen fahren.

Graffiti ist noch verpönt

Der Klybeck-Kai am Rheinhafen wird auch die Hochburg des Graffitis in Basel genannt. Dort befinden sich auf den alten Schiffscontainern, Holzkonstruktionen und Wohnwagen eine Vielzahl an verrückten Motiven.

„Basel gilt als wichtige Graffiti-Stadt“, betont Odermatt. Vor allem die „Line“ (Zugeinfahrt in den Bahnhof SBB) sei weltbekannt. Dennoch sei Graffiti nach wie vor verpönt, und es gebe eher wenig offiziell angemalte Flächen, beklagt Odermatt. „Die Akzeptanz nimmt aber stetig zu, und es werden mehr Flächen bespielt. Dabei werden leider aktive Menschen der Szene gegeneinander ausgespielt, und legales Graffiti wird als Schutz vor illegalem Graffiti instrumentalisiert, was schon öfter zu Verstimmungen innerhalb der Szene geführt hat.“

Die Stadt Basel, die zwar die Street-Art-Meile unterstützt hat, steht der urbanen Kunst noch etwas zwiegespalten gegenüber. „Die Regierung gibt nach wie vor beträchtliche Summen aus, um die Stadt ,sauber’ zu halten. In diesem Sinne ist Graffiti immer noch eher unerwünscht“, weiß der Fachmann für urbane Kunst.

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