Basel Verantwortung liegt beim Einzelnen

Basel -  In der Schweiz werden die Corona-Maßnahmen schrittweise wieder gelockert: Kinos öffnen wieder (wir berichteten am Samstag), Restaurants dürfen zumindest im Außenbereich öffnen, auch Zoos und Tiergärten warten auf Besucher. 

Wie diese Lockerungen bei den Menschen in Basel ankommen, dazu hat sich unsere Zeitung umgehört. Die Meinungen zu den Lockerungen sind durchaus verschieden.

So sagt Phillippa Mund (32), sie finde die Öffnungsschritte grundsätzlich gut. „Gerade als junge Mutter macht das Vieles einfacher. Selbstverständlich muss man auf die Bedürfnisse der schwächeren Generation Rücksicht nehmen und sie ausreichend schützen.

Aber auch die jüngere Generation, die Kinder, darf man in der ganzen Debatte nicht vergessen. Auch auf ihre Bedürfnisse muss eingegangen werden, und ich habe das Gefühl, dass sie oftmals vergessen werden“, sagt die Baslerin.

Die Terrassenöffnungen finde sie sinnvoll, um für Einnahmen in der Gastronomie zu sorgen. Sie erinnert daran, dass man alles auch global ansehen muss. „Hier gibt es Unterstützungsprogramme, aber in anderen Ländern funktioniert das nicht“, legt sie dar.

„Ein Lockdown hat beispielsweise in Entwicklungsländern viel schlimmere Auswirkungen. Wenn dort alles geschlossen wird, trifft es die Menschen um einiges härter.“ Die 32-Jährige ist ehrenamtlich in einem Verein tätig, der Prothesen für Äthiopien zur Verfügung stellt. Bei dieser Arbeit bekomme sie mit, wie viel schwerer Corona die Menschen dort trifft.

Tatjana Stöckli (36) aus Baselland sagt, sie beurteile die Öffnungen zwiespältig. „Einerseits finde ich es ein wenig zu früh. Ich arbeite im Krankenhaus und bekomme so einiges mit.“

Andererseits sei es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn sich dadurch die Menschenströme ein bisschen auf die Restaurants verteilen und sich nicht alle am Rheinufer tummeln. „Vielleicht hätte man aber noch ein bisschen abwarten können, etwa zwei oder drei Wochen. Aber auch da weiß man nicht, was richtig ist. Wichtig ist aber auch, dass die Menschen sich an die Hygieneregeln halten. Das Einzige, was die Situation entschärfen kann, ist die Impfung.“

Saskia (43 Jahre) wohnt in Basel und will ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. „Ich finde es sehr schön und gut, dass wieder mehr geöffnet wird“, sagt sie.

Und weiter: „Ich glaube, das hilft gerade Menschen, die einsam sind, oder Jugendlichen, die etwa Suizidgedanken haben. Es hilft gegen die Einsamkeit. Denn der Mensch braucht Begegnungen und menschliche Interaktion. Ohne Gespräche und Liebe geht er ein.“

Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, ist die 43-Jährige überzeugt. „Vielleicht hätte man sogar noch mehr lockern können, beispielsweise die Innenräume der Gastronomie freigeben, natürlich unter einem Hygienekonzept. Denn ich habe auch von vielen gehört, dass sich der reine Terrassenbetrieb gar nicht lohnt. Vor allem, weil da ja auch viel vom Wetter abhängt.“

Zudem sei es sehr wichtig, dass sich die Menschen an die Regeln halten, etwa die Maske richtig tragen und auf Abstand und Händewaschen achten. Selbstschutz und Fremdschutz sei hier ein wichtiges Stichwort, aber man sollte trotzdem keine Ängste haben.“

Sicht einer Gastronomin

Denise Furter (35 Jahre) ist Gastronomin in Basel. Sie freut sich, wieder öffnen zu können. „Aber um ehrlich zu sein, lohnt es sich nicht wirklich. Wir können zwar wieder öffnen, bekommen dadurch aber viel weniger Unterstützung, und durch reinen Terrassenbetrieb können wir unsere Kosten nicht decken.“

Das Öffnen unter Corona-Auflagen sei mit viel Aufwand und Bürokratie verbunden. „Ich glaube, die Öffnungsschritte sind vor allem als Beruhigung für die Bevölkerung gedacht. Für die Menschen ist das natürlich schön, und auch wir freuen uns, wieder Gäste empfangen zu dürfen, es ist gut für das Gemüt.

Aber gleichzeitig ist das keine riesige Hilfe für uns. Ich hätte mir mehr Unterstützung vom Bund gewünscht, da es auch für die kommende Zeit viele Unklarheiten gibt. Vielleicht hätte auch ganz zu Beginn ein richtiger Lockdown und kein Pseudolockdown geholfen.“

Roger (44) aus Baselland sagt, er sei „eigentlich ganz froh über die Lockerungen.“ Aber man dürfe nicht vergessen, dass man jetzt mehr Selbstdisziplin zeigen muss. Die Verantwortung liegt nun verstärkt beim Bürger.

„Meine Befürchtung ist, dass viele nach der langen Phase des Verzichts keine Rücksicht mehr nehmen und nachlässig werden. Ich habe auch Verständnis für die Leute, es ist eine komplizierte Situation. Man weiß nicht, was der richtige Weg ist und was man glauben soll, gerade im Vergleich mit anderen Ländern, zum Beispiel Deutschland. Dort wird jetzt alles wieder geschlossen“, blickt er über die Grenze.

Andere Lösungen suchen

Jarin Huber (36) aus Basel findet die Öffnungsschritte gut. „Denn man muss nach einem Jahr auch mal andere Lösungen anstreben. Meiner Meinung nach ist der Lockdown keine Dauerlösung, denn ein großer Teil des Lebens ist dadurch eingeschränkt. Aber es muss auch ein Umdenken stattfinden. Denn wenn wir im gleichen Muster verharren, dann folgt auf die Öffnungen nur der nächste Lockdown.

Ich wünsche mir, dass andere Lösungsstrategien erarbeitet werden. Auch die Impfung sehe ich als Teil dessen. Meine Befürchtung ist jedoch, dass kein Umdenken stattfindet und es zu einem ständigen Hin und Her kommt.“

Sami (26) aus Basel findet es ebenfalls gut, dass wieder geöffnet wird. „Die Leute sind alle viel fröhlicher und das ist wichtig. Es war vielleicht schon längst überfällig. Aber es kommt auch ein bisschen auf die Situation an. Wenn die Zahlen sehr stark ansteigen, sollte man wieder Schließungen vornehmen. Ich denke, das muss man je nach Situation entscheiden. Aber im Großen und Ganzem bin ich glücklich über die Lockerungen“, sagt der 26-Jährige.

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