Basel Vom Dummpeter bis Horrorclown

Basel - In Basel hat sich die Fasnachtslarve zu einem kunsthandwerklichen Produkt entwickelt, das Jahr für Jahr eigens für die Umzüge entwickelt wird. Rund 30 Ateliers kümmern sich um deren Herstellung. Basil Vogt arbeitet seit 2004 in seiner Allschwiler Bazillus Larvenwerkstatt an der Verwirklichung der immer ausgefalleneren Sujets der Formationen und Guggenmusiker.

Für den jungen Larvenmacher sind dreidimensionales Denken und Gestalten gefragt, wenn er die Wünsche seiner Kunden in die Realität umsetzt. Neben klassischen, baselspezifischen Figuren wie „Dummpeter“, „Stänzler“, „Alti Dante“ oder „Waggis“ ist seine Werkstatt auch Anlaufstelle für besondere, exotische Larven: „Motive aus Comic, Film und Fernsehen sind bei den jüngeren Cliquen sehr beliebt“, weiß der kreative Kopf. „Ob Horrorclown oder Planet der Affen, ich nehme die Ideen meiner Kunden auf und mache mich an die gestalterische Umsetzung.“

Wenn die Formationen bereits im April mit den ersten Vorschlägen für die nächste Fasnacht bei Vogt an die Tür klopfen, schlüpft der Larvenmacher in die Rolle des Beraters und Dienstleisters. „Wenn der Kunde merkt, dass man ihm zuhört und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht, ist er zufrieden, fasst Vertrauen und kommt nächste Saison wieder. Das gilt für jedes Unternehmen“, betont der Basler.

Bei der Gestaltung steht anfangs das Modellieren der Gesichtszüge im Vordergrund. Mit Ton wird das zukünftige Sujet zu Leben erweckt. Diese sehr zeitaufwendige Arbeit kann je nach Motiv fünf bis 20 Stunden in Anspruch nehmen. „Ich achte darauf, dass die Modelle schwierig werden“, meint Basil, der jede Herausforderung annimmt. Beim Modellieren wird darauf geachtet, dass die Tragbarkeit der Larven gewährleistet ist.

Steht das Modell, geht es in die zweite Phase der Larvenherstellung. Hierbei wird ein Gipsnegativ vom Tonmodell abgegossen, die Form getrocknet und innen lackiert.

In einem dritten Schritt wird in das Negativ PU-Kunststoff eingegossen, um daraus ein Positiv zu erstellen – den sogenannten Rohling, der noch ohne Bemalung, Perücke und Stoffe auskommen muss.

Dieser Rohling wird individuell an die Kopfform der Träger angepasst. Die Mitglieder der Fasnachtscliquen kommen dann zu ihm in die Werkstatt zur ersten Anprobe.

70 Prozent der Motive sind unkonventionell

Klassische Sujets aus Pappmaschee machen derzeit 30 Prozent der hergestellten Laren aus, 70 Prozent sind unkonventionelle Modelle. „Wenn mein Stil als zu unkonventionell kritisiert wird, stört mich das nur wenig, denn dadurch bekomme ich wiederum Aufmerksamkeit“, erklärt Basil gelassen.

Die berufliche Laufbahn begann für ihn allerdings erst im handwerklichen Metier mit einer Ausbildung zum Kältetechniker – laut Vogt ein guter Beruf mit Perspektive. Jedoch hatte er schon als Kind beim Zeichnen von Comic und Fantasiefiguren seiner Kreativität freien Lauf gelassen und sich sehr für die dreidimensionale Gestaltung solcher Figuren interessiert. Zuerst stellte er Larven rein hobbymäßig für die eigene Clique her. Durch Empfehlungen kamen dann die ersten bezahlten Aufträge. Schließlich wollte die erste größere bekannte Gugge-Formation der Basler Fasnachtsszene Masken von ihm gestalten lassen. „Ab da war mir bewusst, dass meine Arbeit anerkannt ist und ich ein Atelier aufmachen sollte.“

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