Der Charakter des südlichen Klybeck wird sich zukünftig ändern. Die Unternehmen Novartis, BASF und der Kanton Basel-Stadt wollen gemeinsam unter dem Titel KlybeckPlus ein neues Quartier entstehen lassen. In einer Beteiligungsveranstaltung sollen die Anwohner mitwirken. Von Michael Werndorff Basel. Noch kommen nur Angestellte auf das 40 Fußballfelder große Gelände mit einer 150-jährigen Industriegeschichte, das der Pharma- und Chemiebranche gehört. In einigen Jahren wird laut Beat Aeberhard, Kantonsbaumeister von Basel-Stadt, auf dem Klybeckareal ein lebendiges und durchmischtes Stadtquartier entstehen, das Raum für schätzungsweise 20 000 Einwohner und 30 000 Arbeitsplätze bieten und die Nachbarquartiere Horburg Kleinhüningen und Matthäus besser vernetzen soll. Die Entwicklung wird die Verantwortlichen aber noch lange Zeit beschäftigen, denn erst im Mai wurde von BASF, Novartis und dem Kanton eine Planungsvereinbarung unterzeichnet (wir berichteten). Möglich wird die Umwandlung, weil Novartis und BASF längst nicht mehr so viele Produktionsflächen benötigen, wie noch vor einigen Jahren. „Zahlreiche Gebäude am Ostrand zwischen Wiese und Autobahn stehen leer“, sagte Michèle Perregaux, Standortleiterin Basel von BASF, vor rund 130 Interessierten, die am Montagabend an einer geführten Tour über das Gelände teilnahmen. Aus diesem Grund will das Unternehmen, das in Basel nur noch seinen Schweizer Hauptsitz unterhält, alle Gebäude veräußern und ein geeignetes Mietobjekt finden. Rund die Hälfte des gesamten Areals ist in Besitz von BASF. Am früheren globalen Hauptsitz von Ciba-Geigy befindet sich heute neben BASF und Huntsman auch Novartis mit Labor- sowie Büroarbeitsplätzen und 2000 Mitarbeitern, wie Projektleiter Markus Oser erläuterte. Ein Drittel der Fläche will das Pharmaunternehmen behalten, eine Fläche mit der Größe von 14 Fußballfeldern soll für das neu zu entstehende Quartier freigeben werden. Eine strategische Reserve bleibt am Rheinufer erhalten, so Oser, dennoch soll die Achse Mauerstraße bis ans Ufer baulich geöffnet und zugänglich werden. Im Klybeckareal soll der Großteil der bisher in verschiedenen Bauten angesiedelten Labor- und Büroarbeitsplätze in dafür geeigneten Gebäuden räumlich zusammengeführt und verdichtet werden. Auf die Frage nach den zu erwartenden Gewinnen durch die Verkäufe sagte Oser, dass die Erlöse hauptsächlich in den Rückbau der Gebäude und in die Sanierungsmaßnahmen fließen würden. Auch das Thema Altlasten interessierte die Besucher: Ulrich Weber vom Umweltschutz bei Novartis sagte: „Wir befinden uns an einem belasteten Standort“, verwies er auf die Historie des Standorts. Früher war das gesamte Gelände Schwemmland, das Niveau lag fünf Meter tiefer und wurde im Zuge der Bebauung unter anderem mit Bauschutt, Ofenschlacke sowie mit Haus- und Gewerbeabfällen aufgefüllt. Gerade in den Anfängen der Produktion sei es immer wieder zu Verunreinigungen gekommen, leckanfällige Tonleitungen brachen und Chemikalien fanden den Weg ins Grundwasser. Eine Chemiekläranlage entstand erst in den 1980er-Jahren erinnerte Weber. Novartis wie auch BASF seien sich ihrer Verantwortung bewusst und würden als Rechtsnachfolger für die Verunreinigungen der Vorgängerfirmen einstehen. Das Areal wird schon lange regelmäßig überwacht, Sanierungsbedarf besteht überwiegend auf einer Parzelle an der Mauerstraße, wo bis vor drei Jahren noch Textilfarbstoffe produziert wurden. Die organischen Lösungsmittel, die sich im Erdreich sammeln, würden abgepumpt, sagte er im Gespräch mit den Anwohnern. Eine mögliche zukünftige Nutzung einiger leerstehender Gebäude hängt von der Belastung mit Produktionsrückständen ab. Bauten müssten entkernt oder schlimmstenfalls abgerissen werden, wie Dirk Schmidt von der kantonalen Denkmalpflege sagte. Ziel sei es, denkmalpflegerisch wertvolle Bauten zu erhalten, verwies er unter anderem auf die charakteristischen Produktionshallen mit Backsteinfassade entlang der Mauerstraße. Auch das Hochhaus von Novartis an der Dreirosenbrücke soll bestehen bleiben. Der Denkmalschutz steht im Rahmen der Arealentwicklung aber nicht an oberster Stelle. Ein Inventar wurde erstellt, dieses sei aber nicht bindend, so Schmidt. Für Basel-Stadt ist die Umnutzung das Klybeckareals von großer Bedeutung: Neben Volta Nord, Dreispitz, Walkenweg und Wolf Nord ist es die größte Fläche, die transformiert werden kann. Die städtebauliche Testplanung soll im November starten, eine Synthese wird für August 2017 erwartet. Vorgesehen sind drei Beteiligungsverfahren, deren Ergebnisse in die weiteren Planungen einfließen sollen.

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