Basel Von Honigbienen lernen

Michael Werndorff
Andreas Seiler ist seit 14 Jahren Stadtimker in Basel. Seine Bienenvölker begeistern ihn immer wieder aufs Neue. Foto:  

Rund 80 Imker sind in Basel aktiv. Einer von ihnen ist Andreas Seiler, der sich als Stadtimker für Nachhaltigkeit den Schutz der Umwelt einsetzt.

Ein idyllischer Hinterhof am Basler Schützenmattpark: Der Weg zu den Bienenvölkern von Andreas Seiler führt über eine Leiter und Äste eines alten Baums auf ein Flachdach. An den Bienenstöcken herrscht emsiges Treiben. Geschäftig geht es auch auf dem Nachbargrundstück zu, wo ein Bagger zugange ist.

Viel Beton, kaum Pflanzen – aber Seiler gibt Entwarnung: „In der Stadt herrscht ein Drittel mehr Biodiversität“, verweist der Hobby-Imker auf Balkonkästen, Vor- und Hintergärten sowie die Basler Stadtparks. „Der Tisch ist also reich gedeckt, was auch in meinem Honig zum Ausdruck kommt.“

Ideale Bedingungen

Die Imkerei werde oft mit der Landwirtschaft assoziiert. „Derweil sind die Bedingungen in der Stadt ideal, da die Honigbienen hier eine große Biodiversität vorfinden.“ Während die Bienen auf dem Land, wie zum Beispiel beim Raps, in einem kurzen Zeitfenster ein Überangebot an Nektar vorfinden, versiege diese Quelle nach kurzer Zeit. Dann beginne der Stress mit der Futtersuche in einer von Monokultur geprägten Landschaft – der grünen Wüste, weiß Seiler. Mit dem Anpflanzen von einheimischen Blütenpflanzen leisteten Stadtimker, Hobby-Gärtner und die Stadtgärtnerei zudem einen bedeutenden Beitrag zur Artenvielfalt im urbanen Raum, ergänzt der Experte. So hat Basel-Stadt im Naturschutzkonzept von 1996 nämlich Ziele für den öffentlichen Naturschutz formuliert. Mit verschiedenen Maßnahmen wird aufgezeigt, wie diese Ziele mit Unterstützung von Privaten und Naturschutzorganisationen erreicht werden sollen.

Seiler, der sich als Koch in der Bio-Gastronomie für Nachhaltigkeit einsetzt, produziert seit 14 Jahren seinen „Stadthonig“. Damals fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, erzählt er: „Imkern in der Stadt, das ist genau das Richtige für mich.“ Beispiele gebe es ja genug. In vielen Großstädten seien Imker aktiv. In der Stadt am Rheinknie sollen es rund 80 sein, so Seiler, der von seinen Honig schwärmt: Eine Analyse durch das Amt für Umwelt und Energie habe 65 verschiedene Pollenarten nachgewiesen – die Umgebung biete seinen Bienen optimale Bedingungen, freut sich der Imker, der vergangenes Jahr aufgrund des trockenen Sommers insgesamt 130 Kilo Honig produzieren konnte – ein Rekordwert. Und wie schaut es mit Schadstoffen in der Stadt aus? „Die Biene ist sehr reinlich – sie filtert den Nektar, bevor sie ihn einlagert.“

Ökonomisch unterwegs

Seine Bienenvölker, die er unweit des Schützenmattparks und auf einem Flachdach im Gundeldingerfeld hält, begeistern ihn immer wieder aufs Neue: Die Insekten seien in einem Radius von 1,5 Kilometer aktiv. „Sie sind sehr ökonomisch und energiebewusst unterwegs“, berichtet Seiler und ergänzt, dass für ein Kilogramm Honig 100 000 Kilometer zurückgelegt werden müssen – „das ist eine faszinierende Leistung.“

Ob es denn wegen der Standortwahl keine Konflikte mit den Nachbarn gebe? Nein, das Verständnis sei groß, freut sich Seiler, auf dessen Hilfe die Nachbarn zählen können, wenn sich mal ein Bienenschwarm im Quartier niederlässt. „Dann werde ich gerufen und fange den Schwarm ein“, sagt er strahlend.

Als Vorbild sehen

Enorm wichtig beim Imkern sei innere Ruhe, man dürfe nicht in Hektik verfallen, wenn man an den Stöcken arbeite. „Dann tauche ich in den Mikrokosmos meiner Bienen ab“, so Seiler, der sich nicht nur dankbar für den Honig zeigt. Viel zu oft würden die wichtige Aufgabe der Insekten übersehen: Ohne deren Bestäubungsleistung sehe es vielerorts schlecht aus mit der Biodiversität. Und: Seine Bienen betrachtet er als Sinnbild für den Umgang mit der Umwelt und zugleich als Vorbild für den Mensch, der Raubbau an der Natur begehe und damit auch den Lebensraum der Wildbienen streitig mache.

Seiler will wie viele seiner Mitstreiter gegensteuern: Nach seinen Plänen gefragt, gibt der Stadtimker an, in Muttenz ein Bienenhaus zu übernehmen. Ob die Bienen dort auch so fleißig sein werden wie am Schützenmattpark? Seiler will sich überraschen lassen.

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