Basel Von Umbruch, Übergang und Neubeginn

Michael Werndorff
 Foto: Fotos: zVg

Von Michael Werndorff

Basel. Weihnachten und der Jahreswechsel sind stets Momente des Innehaltens und Bilanzziehens. Im Zentrum stehen dabei auch Familie, Freunde und Bekannte, denen man Weihnachts- und Neujahrskarten zukommen lässt. Deren Entwicklung über die vergangenen 200 Jahre ist Thema der Weihnachtsausstellung „Frohe Festtage! Weihnachts- und Neujahrskarten“ im Basler Museum der Kulturen.

Die Motive könnten kaum unterschiedlicher sein: Der schneebedeckte höchste Berg Japans, religiöse Motive oder sprießendes Grün sowie Äpfel, Knoblauch, Beeren und Kräuter – Weihnachts- und Neujahrskarten spiegeln Zeit, Religion und Kultur wider, wie bei einem Rundgang durch die Ausstellung deutlich wird.

Je nach Kultur, Kalendersystem und Religion wird Neujahr an einem festgelegten oder beweglichen Datum gefeiert. In vielen Kulturen und Religionen sei der Versand von Neujahrsgrüßen, Glückssymbolen und guten Wünschen beim Übergang in einen neuen Zeitabschnitt üblich, weiß Kurator Alexander Brust und verweist auf das jüdische und iranische Neujahr. Letzteres findet am 20. beziehungsweise 21. März statt. Zentral für die jüdische Neujahrsfeier ist der Gottesdienst, aus dem die Thora gelesen und das Schofar-Horn geblasen wird, das sich auch als Kartenmotiv wiederfindet.

Geschriebenes Wort

Aus ethnologischer Sicht ist es laut Brust interessant zu sehen, welches Gewicht das geschriebene Wort nach wie vor hat. Zudem zeige der Brauch, dass die Karte ein ausgesuchtes Instrument der Beziehungspflege ist. „Zumindest einmal im Jahr lassen wir andere wissen, was sie uns bedeuten“, sagt der Kurator. Dementsprechend seien die Botschaften positiv. Sie sollen Freude und Hoffnung für die Zukunft bereiten.

Von Hoffnung zeugen unter anderem Feldpostkarten zur Weihnachtszeit im Ersten Weltkrieg. So registrierte die Feldpost in der Schweiz zwischen 1914 und 1918 rund 192 Millionen Bewegungen. Die Motive in Kombination mit vorgedruckten Botschaften verbreiteten mit zunehmender Kriegsdauer immer mehr die Hoffnung auf Frieden, wie Brust weiß.

Wie sich in der Ausstellung zeigt, ist die Palette an Motiven unendlich groß. Es dominieren aber religiöse und jahreszeitliche Darstellungen. Weit verbreitet sind Krippenszenen, Engel, Sterne, Nikolaus oder Weihnachtsbäume. Herzige Kinder und Tiere, winterliche Landschaften sowie Abbildungen von Kunstwerken gehören auch zu den Hauptmotiven.

Universelle Botschaften

Die Botschaften, die auf und mit den Karten versendet werden, seien durchweg positiv und universell, erklärt der Kurator. Rund 350 Karten präsentiert das Museum im Rahmen der 200 Jahre umspannenden Ausstellung, die mit aufwendig gestalteten, historischen Neujahrswunschbriefen aus der Schweiz beginnt. So schreibt im Jahr 1820 Jakob an seine Eltern oder 37 Jahre später Magdalena an ihre Patin. Und auch Liebesbriefe seien damals gang und gäbe gewesen, berichtet der Ausstellungsmacher im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ein Schlaglicht wirft die Ausstellung auch auf die Geschichte der Postkarte: Wurden Weihnachts- und Neujahrsgrüße einst als aufwendige Scherenschnitte oder einfache Visitenkarten persönlich übergeben, stellt die Einführung der billigen Postkarten im 19. Jahrhundert eine Revolution dar. „Die Karten wurden kleiner und in großer Menge hergestellt“, erläutert der Experte. Laut Brust war die Schweiz eines der ersten Länder, das die Postkarte um 1870 einführte. Von der Bedeutung des Postwesens für den Austausch von Karten zum Jahreswechsel und anlässlich religiöser Feiertage zeugen dann auch Postkutsche und -schlittenim Zentrum des Raums.

Mitmachstationen

Die Weihnachtsausstellung soll nicht nur einen Einblick in die Grußkartenkultur vermitteln, sondern zugleich auch Inspiration für die eigene Post darstellen. In einer Ausstellungswerkstatt können Karten gebastelt, geschrieben und aufgegeben werden. Das Museum liefert das nötige Material hierzu, Anleitungen, textliche Vorlagen und Briefkasten.  Die Ausstellung dauert von 18. November bis 8. Januar.

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