Basel Von ungeahnter Aktualität

Spielszene aus „Und täglich kamen Flüchtlinge" Foto: zVg

Basel/Riehen -  Aufgrund der Anfrage des Historischen Museums Basel, den Theaterspaziergang „Fast täglich kamen Flüchtlinge“ des ex/ex theater als Rahmenprogramm seiner Ausstellung „Grenzfälle Basel – 1933-1945“ wiederaufzunehmen, wurde am Wochenende in die neue Saison gestartet – coronabedingt mit etwas Verspätung. Gespielt wird vor einem etwas kleineren Publikum, Schutzmasken und Desinfektionsmittel stehen bereit.

Der Theaterspaziergang „Fast täglich kamen Flüchtlinge“ nach dem gleichnamigen Buch von Lukrezia Seiler und Jean-Claude Wacker wurde im Grenzgebiet zu Deutschland inszeniert und war eine Auftragsarbeit der Gemeinde Riehen. Die Produktion kam 2016 heraus und war von Anfang an erfolgreich, schreibt das Theater. In den 80 Vorstellungen der vergangenen vier Jahre spazierten über 2400 Zuschauer mit. Es kamen viele ältere Menschen, die den Krieg in Kindertagen miterlebt hatten, aber auch Angehörige der Zeitzeugen aus dem Buch. Viele Menschen hätten sich in der Inszenierung wiedergefunden, schreiben die Veranstalter in einer Mitteilung.

Hintergrund

Direkt an der Grenze zu Deutschland, wäre Riehen im 2. Weltkrieg bei einem Angriff auf die Schweiz sofort aufgegeben worden. Die Bedrohung war allgegenwärtig, wer es sich leisten konnte, wohnte nicht mehr dort, wer blieb, musste sich arrangieren. Flüchtlingspolitik war Bundessache. Doch die Bevölkerung war mit Flüchtlingen konfrontiert, die Bewohner von Riehen mussten sich entscheiden zwischen Verrat und der Selbstverständlichkeit, zu helfen, auch wenn man sich selber in Gefahr brachte.

Das Publikum begegnet Menschen auf der Flucht: einer jüdischen Frau unterwegs nach Basel, einem französischen Soldaten, der nicht weiß, ob er noch in Deutschland ist oder schon in der Schweiz, einem Grenzwächter zwischen blindem Gehorsam und Menschlichkeit.

„Der Theaterspaziergang lässt die Vergangenheit hautnah aufleben, als wenn es gestern gewesen wäre. Und zeigt, wie zeitlos und aktuell das Thema ist.“ Bei der letzten Szene wird zudem stets ein Gespräch mit dem Publikum geführt. Besonders beeindruckte die Theaterleute ein ehemaliger deutscher Grenzsoldat, der sich über die Aussage, dass die deutschen Grenzwächter genauso Angst hatten wie die Schweizer, sehr freute. Oder das Feedback eines Besuchers: „Danke für die eindrückliche Vorstellung am Sonntag und das Engagement. Man muss die Erinnerung wach halten. Meine Großmutter wurde in Auschwitz ermordet. Sieben Jahre bevor ich geboren wurde“. Menschen, die den Krieg auf beiden Seiten der Grenze erlebt hatten, gefiel es, dass der Fokus auch einmal auf das Dorf an der Grenze gelegt wurde. Junge Menschen, die eine Vorstellung im Rahmen des Geschichtsunterrichts besuchten, waren ebenfalls begeistert. Sie hatten Geschichte noch nie so lebendig und so nahe erlebt.

Geschichte wurde hier lebendig – und angesichts der jüngsten Schließung und Wiederöffnung der Grenze mag das Stück eine ganz neue Aktualität erhalten.  

  Weitere Termine: 20., 21., 26. Juni; 14., 15., 16., 21., 22., 23. August; www.exex.ch

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