Basel Was niemand sonst reparieren will

Toni Kostic
Alexander Käslin hat in der Basler Reparaturwerkstatt „Rep-statt“ schon so manche harte Nuss geknackt. Foto: Toni Kostic

In der Markthalle in Basel um die Mittagszeit: Es haben sich einige Beschäftigte der umliegenden Bürogebäude zusammengefunden, um in ihrer Mittagspause essen zu gehen. In einem unscheinbaren Nebenraum hinter dem großen Glasfenster sitzt Alexander Käslin vor einem alten mahagonifarbenen Grammophon, das er geöffnet hat, um an die zugrunde liegende Mechanik zu gelangen.

Von Toni Kostic

Basel. „Ja, wir sind ein bisschen versteckt“, sagt Käslin im Basler Dialekt lächelnd. In den Standregalen der „Rep-statt“, der Reparaturwerkstatt Basel, liegen unter anderem einige Plattenspieler, Verstärker und zwei Wasserkocher, die mit kleineren Schildchen behangen sind, auf denen die jeweilige Auftragsnummer steht. An den Wänden hängt ordentlich gereiht das Werkzeug für die Reparaturen: Abisolierzangen, Seitenschneider und diverse Schraubenzieher.

Das Grammophon ist eine Herausforderung

Das Grammophon habe ein Problem mit dem Antrieb, sagt Käslin. Es handelt sich um eines, das noch eine Handkurbel besitzt. Über diese wird ein ausgeklügeltes System von Zahnrädchen angetrieben, das wiederum die Schallplatte rotieren lässt. Auf dieser sitzt eine Nadel, die die Frequenzen auf eine kleine Membran überträgt, die schließlich durch den Schalltrichter verstärkt werden. „Es ist selten, dass jemand ein Grammophon vorbeibringt“, sagt Käslin. „Heute aber habe ich sogar zwei hier stehen.“

Ein Herr betritt die Werkstatt und holt ein älteres, ferngesteuertes Auto ab. Käslin erklärt ihm, dass er die korrosiven Stellen des Batteriefachs gereinigt und einen Regler an der Fernbedienung fixiert hat. Das Auto läuft wieder.

„Unser Angebot wird sehr gut angenommen“, berichtet der Handwerker. „Wir sind voll ausgelastet.“ Es gebe inzwischen sogar Wartezeiten – je nach Gerät von zwei bis zu drei Wochen. Am Tag besuchen etwa zehn bis 15 Kunden die Werkstatt, sagt Käslin – Tendenz steigend.

Der Leitgedanke der Werkstatt bestehe darin zu reparieren, was sonst niemand repariert. Einmal kam ein Kunde mit einem Espressokocher vorbei, bei dem der Metall-Henkel abgebrochen war, erinnert sich Käslin. Mit dem Punktschweißgerät hätten sie diesen mit zwölf Volt und 800 Ampere wieder an der Kanne befestigt. Eigentlich kein großer Aufwand.

Abfall vermeiden durch längere Nutzungsdauer

„Ein gewisser Idealismus ist da sicher dabei. Im Endeffekt ist es ja auch ein Beitrag dazu, dass Leute ihre Geräte länger benutzen und dass weniger Abfall entsteht“, äußert sich der Techniker. Es gebe sogar Leute, die sich das zum Prinzip gemacht haben. Sie bringen dann die Bereitschaft mit, für die Reparatur mehr zu bezahlen als für ein Neugerät, sagt Käslin. Natürlich achteten aber viele auch darauf, dass die Reparatur am Ende günstiger kommt.

Genau in diesem Augenblick betritt ein sportlich gekleideter Kunde den Raum. Er spricht schnell. Daheim habe er einen Staubsauger, bei dem ein Knopf nicht mehr richtig funktioniert. Ein neues Gerät brauche er ja nicht unbedingt zu kaufen, der Nachhaltigkeit wegen, sagt er. Trotzdem müsse es sich für ihn rechnen. Käslin nennt ihm eine Preisspanne und bittet ihn mit dem besagten Gerät vorbeizukommen, um sich das Problem genauer anschauen zu können.

Der Mechaniker wendet sich wieder dem Grammophon zu. Er habe es gerade erst aufgemacht und wisse auch noch nicht genau, wo das Problem liegt. Ein Zahnrad, so viel weiß Käslin schon, sei aufgepresst. Das könne man nicht ohne Weiteres lösen und austauschen.

Der Mechaniker hat vor, das eine mit dem anderen Grammophon zu vergleichen, um sich mit der näheren Funktionsweise vertraut zu machen, vielleicht auch im Internet zu recherchieren, sodass durch Kurbeln wieder Musik zu hören sein wird.

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