Basel Wenn der Tramfahrer nicht kommt

Christoph Schennen

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) beklagen hohe Fehlzeiten bei ihren Bus- und Tramfahrern. Das hat zur Folge, dass drei Prozent aller Fahrdienstleistungen nicht erbracht werden können, wie Direktor Bruno Stehrenberger am Donnerstag in einem Mediengespräch erläuterte.

Von Christoph Schennen

Basel. Im Juli fielen 0,7 Prozent der Fahrplanstunden aus, im August waren es 1,8 Prozent und im September schon 2,9 Prozent. Das Problem gab es im Vorjahr nicht. Michel Mesmer, Leiter Planung und Produktion bei den BVB, beziffert den täglichen Krankenstand auf 50 bis 70 Personen an den Werktagen.

650 Männer und Frauen fahren in Basel Bus oder Tram. Während die Dauer der ein- bis dreitägigen Abwesenheiten konstant geblieben ist, stieg die Anzahl jener Fahrer, die mittelfristig (bis zu 30 Tagen) oder langfristig (mehr als 30 Tage) fehlten.

An welcher Krankheit der Mitarbeiter leidet, erfahren die BVB aufgrund von Datenschutzbestimmungen nicht. Und so muss Bruno Stehrenberger über die Gründe der Absenzen spekulieren. Er vermutet, dass das Coronavirus zu einer erhöhten Sensibilität im Hinblick auf Krankheiten geführt und ein Kulturwandel eingesetzt hat, denn die BVB sind nicht der einzige Arbeitgeber, der unter einem erhöhten Krankenstand leidet. Die Fahrer entscheiden sich schon bei geringen Krankheitssymptomen dafür, einige Tage zu Hause zu bleiben statt zu arbeiten, so die Vermutung.

Ein schlechtes Betriebsklima sei nicht der Grund für das Fernbleiben vom Arbeitsplatz, betont Stehrenberger. Bei einer Zufriedenheitsanalyse im Frühjahr haben die BVB „sehr gute Werte“ erzielt.

Die BVB lassen nichts unversucht, die Gründe für die hohen Fehlzeiten herauszufinden. So wurde etwa das Institut für Arbeitsmedizin damit beauftragt, die Schichtpläne zu analysieren.

Analyse ergab keine erkennbaren Gründe

Aber auch die Analyse „hat keinen erkennbaren Grund für die hohen Abwesenheitszahlen im Fahrdienst geliefert“, wie Benjamin Schmid, Leiter der Unternehmenskommunikation, mitteilt. „Bei einzelnen Diensten gibt es zwar noch Verbesserungspotenzial, die Schichtpläne entsprechen im Großen und Ganzen aber den gängigen Vorgaben.“

Um die Ausfälle zu kompensieren, haben sich die BVB bei Partnerunternehmen nach Personal erkundigt, allerdings mit mäßigem Erfolg, weil es das Fehlzeiten-Problem schweizweit gibt. Stehrenberger sagt, dass alle BVB-Mitarbeiter, die Bus oder Tram fahren dürfen, im Fahrdienst tätig sind, sogar Büromitarbeiter mit entsprechender Fahrerlaubnis. Er weist daraufhin, dass die BVB nicht zu wenig Mitarbeiter haben. „Wir verfügen über genügend Fahrdienstpersonal und bilden laufend neues aus.“

Weitere Fahrer ausbilden will er nicht, zumal es ohnehin schwierig sei, Personal zu rekrutieren. Stehrenberger denkt eher darüber nach, das Fahrplanangebot zu verringern. Dort, wo wenig Fahrgäste Bus oder Tram nutzen, soll dann auch kein BVB-Verkehrsmittel mehr fahren, schlägt der Chef der Verkehrsbetriebe vor. Michel Mesmer sagt, auf der Verstärker-Linie 21 (von St. Johann bis Badischer Bahnhof) könne man beispielsweise weniger oder gar keine Fahrzeuge einsetzen.

Weitere Entwicklung wird beobachtet

Eine endgültige Entscheidung über eine Reduzierung des Angebots ist noch nicht getroffen. Die BVB beobachten die weitere Entwicklung und überlegen dann, ob und wenn ja, wo und wann weniger Busse und Trams fahren.

Und was bedeuten die hohen Krankenstände für den Fahrgast? Vor jeder Fahrt sollte man in den Online-Fahrplan schauen, raten die BVB.

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