Basel Wenn die Gäste fernbleiben

Basler Gastronomen sehen die mögliche Ausdehnung der Covid-Zertifikatspflicht auf Restaurant- und Kinobesuche kritisch. Foto: zVg/Kanton Basel Stadt

Basel - Ausbleibende Touristen, fehlende Großanlässe wie Messen und Kongresse sowie Homeoffice: Viele Basler Gastronomen kämpfen mit den Folgen der Corona-Pandemie und verbuchen nach wie vor finanzielle Einbußen. Sollte die Covid-Zertifikatspflicht auf Restaurantbesuche ausgeweitet werden, könnte das für manche Betriebe das Aus bedeuten.

Das Geschäft ist weiterhin schwierig, weiß Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt. „Es liegen zermürbende anderthalb Jahre hinter uns. Wir haben nur dank Leidenschaft, riesigem Einsatz und staatlichen Hilfen überlebt“, sagt Ebneter im Gespräch mit unserer Zeitung. „Sollte die Zertifikatspflicht eingeführt werden, wäre das für einige Unternehmen der Todesstoß“, rechnet er mit Umsatzeinbußen, sollten Gäste nur noch getestet, genesen oder geimpft ein Restaurant besuchen dürfen.

Ausweitung auf Restaurants und Kinos angekündigt

Was geplant ist: In der Schweiz soll die Covid-Zertifikatspflicht nun doch zeitnah auf Restaurants und Kinos ausgeweitet werden. Am Mittwoch soll der Bundesrat die Verschärfung beschließen, berichtet die „SonntagsZeitung“.

Gesundheitsminister Alain Berset hat am Freitag beim Treffen mit den Spitzen der Bundesratsparteien SVP, SP, FDP und Mitte diesen Schritt in Aussicht gestellt. Am letzten Mittwoch hatte die Regierung noch auf eine Ausweitung verzichtet. Sie hoffte darauf, die Zahl der Corona-Fälle könnte wieder sinken. Einmal mehr betonte der Bundesrat, dass die Entwicklung auch davon abhängig sei, wie viele Menschen sich impfen ließen. In den vergangenen Tagen habe die Zahl der Impfungen wieder zugenommen. Gleichzeitig blieb die Auslastung der Intensivpflegestationen hoch.

Derweil habe man gut funktionierende Schutzkonzepte, betont Ebneter. „Die Gefahr geht jedenfalls nicht von der Gastronomie aus.“ Vielmehr könnte die Zertifikatspflicht eine falsche Sicherheit vorgaukeln, weil Abstandsregeln aufgehoben würden und so Nicht-Geimpfte ein erhöhtes Infektions-Risiko hätten. Darüber hinaus würden Treffen wieder vermehrt ins private Umfeld verlagert, wo das Ansteckungsrisiko ebenfalls höher sei als in Cafés und Restaurants. „Ich bin sehr skeptisch, was den direkten Nutzen der Ausdehnung der Zertifikatspflicht angeht.“

Laut Ebneter verfolgt der Bundesrat das Ziel, die Impfquote zu erhöhen, was zwar ein probates Mittel zur Überwindung der Pandemie sei. Allerdings dürfe das nicht auf dem Rücken der Wirte geschehen, fordert er mehr Ehrlichkeit von der Politik. Die geplante Ausdehnung hält Ebneter daher für „unverhältnismäßig, kaum wirksam, rechtlich fragwürdig, sozial heikel und wirtschaftlich schädlich“. Denn: Ein spontaner Besuch in einem Café oder Restaurant wäre dann für viele nicht mehr ohne Weiteres möglich. Gleichwohl wäre die Zertifikatspflicht weniger schädlich als ein erneuter Lockdown, den viele Betriebe zuletzt nur dank staatlicher Hilfe überleben konnten.

Mehr als die Hälfte der Schweizer Restaurants befürchten laut einer Umfrage des Branchenverbandes Gastrosuisse, dass ihr Umsatz um mindestens 30 Prozent zurückgeht, sollte der Bundesrat ernst machen. Laut den von SRF im Internet veröffentlichten Umfrageergebnissen fürchten rund 23 Prozent der Betriebe sogar Einbußen von 50 Prozent oder mehr mit dem Zertifikat. 13 Prozent der Betriebe dagegen gehen davon aus, dass ihr Umsatz nicht zurückgehen würde.

In den Städten habe sich die Situation noch längst nicht entspannt. Während auf dem Land vielerorts eine Art Normalität eingekehrt sei, verzeichne man in der Stadt derzeit durchschnittlich 70 Prozent des Vor-Krisenumsatzes.

Und: „Die Liquidität vieler Betriebe nimmt ab“, zeichnet Ebneter angesichts hoher Fixkosten ein angespanntes Lagebild. Daher müsse eine Ausweitung des Zertifikats mit finanzieller Unterstützung des Staates einhergehen. „Die fehlenden Deckungsbeiträge an die Fixkosten müssen entschädigt werden“, verlangt Ebneter.

Die Politik müsse die Folgen ihrer Entscheidung abschätzen, sagt der Präsident. „Wenn erst einmal die Liquidität fehlt, werden wir eine ähnliche Situation erleben wie anfangs Jahr, als viele Gastronomen kurz davorstanden, aufzugeben.“

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