Basel Wettstreit der Wortpoeten

Foto: Dorothee Philipp Foto: Die Oberbadische

Von Dorothee Philipp

Lörrach. Das „Opferlamm“ war prominent: Der mehrfache Landesmeister der Poetry Slammer, Daniel Wagner, hatte zum jüngsten Burghof-Slam die ehrenvolle Aufgabe, das Publikum auf Touren zu bringen und der frisch gekürten Jury eine Möglichkeit zum Einüben der Punktevergabe zu bieten.

Auch der Moderator war kein Unbekannter: Johannes Elster, in elegantes graues Tuch gewandet, führte durch den Abend mit geschliffenem Wortwitz, hinter dem kleine, nette Niederträchtigkeiten aufblitzten, und zelebrierte die Preisvergabe als eigenen Höhepunkt im Programm. Als Sieger von der Matte ging Jan Cönig aus Frankfurt am Main, der mit einer bösartigen Onkel-Standpauke an die kleine Karla und einer Hommage an den im Sarg liegenden Opa bei beiden Durchgängen die höchste Punktzahl geholt hatte. Die Applausstärke mit Johlen und Rufen war dieses Mal nicht gefragt – zu viele Aerosole, die da freigesetzt würden. Dafür hatte man die fünf Jury-Teams, die auf Mappen in DIN-A-3 ihre Wahl in großen Ziffern hochhalten sollten. Das Ergebnis wurde dann für alle gut sichtbar an die Rückwand der Bühne gebeamt.

Fünf Wortpoeten stellen sich der Jury

Fünf Kombattanten hatten sich im Burghof ein Stelldichein gegeben, allesamt schon Größen ihrer Zunft und zum Teil von weit hergereist. Nach der Reihenfolge durch Verlosung stieg Gregor Stäheli aus Zürich als erster in den Ring. In akzentfreiem Hochdeutsch outete er sich in einer in tiefste Tiefen reichenden Reflexion über das Mannsein als bekennender Fan von James Blunt. Was man lernen konnte: Die Spielregeln der Männlichkeit sind komplex – und oberdoof.

Leonie Batke, Studentin der Politikwissenschaften aus Mainz, arbeitete sich wortreich an den „Eigentlichs“ und „Abers“ ab, die ihr den Weg zu einem freien Bekenntnis des eigenen Standpunktes regelmäßig abschneiden. Kurze rhythmische Abschnitte gaben dem Text dabei stilistische Würze.

Friedrich Hermann aus Jena bezauberte die Lörracher mit liebevollen Komplimenten für ihre schöne Stadt und den Burghof, bevor er zeigte, dass Harry Potter durch seine Hyperaktivität seine ganzen Probleme selbst erschaffen hat. Der gut gemachte Slam mündete in die Forderung nach einer „Lizenz zum Ratzen“ à la Opa Ralf, der mit seiner beschaulichen Lebensweise im Sessel für zero emissions verantwortlich ist.

Laura Gommel aus Heidelberg, die in der Endrunde gegen Jan Cönig antrat, reflektierte zunächst sensibel-emotional über das Bild, das wir voneinander haben, aufgezeigt an einer Liebesbeziehung – „ich glaube, wir müssen reden.“ Dann ging es in der zweiten Runde um die Freundin Hanna, die verletzlich, schüchtern und verliebt, sich von ihrem Freund Marc unterbuttern lässt. Dabei durfte das Publikum den beiden bis unter die Bettdecke nachsteigen. Die Fangemeinde der Young Adults lässt grüßen. Die Jury war begeistert von diesem Beitrag, der nur um einen Zehntelpunkt hinter der Siegerwertung lag. Die Siegerpostkarte war in der Zwischenzeit liebevoll von Lisa aus dem Publikum bemalt worden. Das Publikum stiftete den passenden Beifall für den kleinen Tonträger, der Jan Cönig jetzt auf Knopfdruck hochleben lässt.

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