Basel „Wir müssen mit der Zeit gehen“

Basel - Hämmern, hobeln und bohren. Geschäftig geht es in Halle 3 der Basler Messe zu. Wo sonst Händler aus aller Welt zusammenkommen, wird derzeit die Basler Münsterfähre „Leu“ überholt. Der Zahn der Zeit und die Fluten des Rheins haben ihre Spuren hinterlassen.

„Die Natur schafft“, deutet Markus Manz auf fehlende Planken im Rumpf der „Leu“. „Angefault! Es war wieder an der Zeit, die Fähre aus dem Rhein zu holen und die dringend nötigen Reparaturen anzugehen.“ Dabei will man möglichst viel Substanz erhalten, erklärt der Material- und Fahrchef der Stiftung Basler Fähren im Gespräch mit unserer Zeitung.

Alle fünf Jahre kommen die Fähren, die das Bild der Stadt am Rheinknie prägen und Einheimische wie Touristen aus aller Welt von einem ans andere Ufer bringen, ins Trockendock. Der Fährbetrieb am Münster, wo die „Leu“ ihren angestammten Platz hat, muss aber weitergehen – denn­ dort sind die meisten Kunden und Touristen. „Dort ist derzeit die Ueli-Fähre im Einsatz“, sagt Manz, der kritisch auf eine dunkle Stelle im Holz blickt. „Das wird auch noch ausgebessert“, sagt Michi Sackmann, Schreiner und stellvertretender Ueli-Fährmann. „Wir hatten hier Probleme mit dem Wasser, das nicht ablief und sich an dieser Stelle sammelte“, erklärt er.

Mit Menschen in Kontakt treten

Der 25-Jährige ist mit Leib und Seele Fährimaa, genauso wie Noa Thourneysen, der auf der „Leu“ den Fußstapfen seines Vaters Jacques folgte. „Ich könnte mir keinen schöneren Job vorstellen. Nicht nur, weil man mit vielen Menschen in Kontakt treten kann, sondern auch, weil es schön ist, Teil einer alten Tradition zu sein“, sagte er bei der letzten Revision, als sein Vater noch das Ruder in der Hand hielt.

Den Austausch mit den Passagieren schätzt auch Sackmann. Der Reiz des Fährimaa-Daseins liege aber auch in den Elementen: „Die Bedingungen auf dem Fluss ändern sich ständig.“ Jeder Tag sei anders, außerdem arbeite er an einem wunderschönen Ort. Klar gebe es auch Herausforderungen. „Als Fährimaa musst du immer den Schiffsverkehr, Rheinschwimmer und die Passagiere an Bord im Auge behalten.“

Nachwuchs zu finden, sei übrigens nicht schwierig, weiß Thourneysen: Ein erstes Kennenlernen, ein Praktikum und letztlich die Prüfung zum Fährimaa. Was es braucht für den Job? „Zuverlässigkeit und Ausstrahlung, schließlich ist man auch Botschafter Basels.“

Elektro-Installation wird aufgerüstet

Zurück zu den Arbeiten: Die Fähren müssen mit der Zeit gehen, weiß Manz. Installiert werden weitere Solarpanele, um die Elektro-Installationen an Bord aufzurüsten. Das „Automatic Identification System“, das den Schiffsverkehr auf dem Rhein anzeigt, will schließlich mit Strom versorgt werden. Zusätzlich hat die „Leu“ Akkus an Bord. „Der Schiffsverkehr hat stark zugenommen, wir müssen uns da anpassen“, kommentiert Thourneysen die Arbeiten.

Dennoch legt man Wert auf traditionelle Handwerkskunst: Die Bretter müssen passgenau geschnitten und auf den Millimeter exakt angebracht werden. Abgedichtet wird die Fähre nur durch eine fingerdicke Baumwollschnur zwischen den Planken. „Quellen Holz und Schnur später auf, läuft kein Wasser ins Boot“, erklärt Manz. „Trotz der regelmäßigen Ausbesserungen, irgendwann ist das Lebensende einer Holzfähre erreicht.“ Spätestens in fünf Jahren müssen sich der Fähri-Verein und die Stiftung Basler Fähren, die sich um deren Erhalt kümmert, an die Planungen eines Neubaus machen, so Manz.

Die Jahresbeiträge der Mitglieder und Spenden helfen mit, den Unterhalt der vier Fähren zu tragen. Die Konzessionierung ist Aufgabe der Stiftung Basler Fähren, die 1972 gegründet wurde.

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