Basel Wo Kyburger, Habsburger und von Hallwyls hausten

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Von 1910 bis 1916 war der schwedische Archäologe Nils Lithberg am Schloss Hallwyl im Einsatz – und hat damit schweizweit erstmals eine Burg archäologisch untersucht, wie Kantonsarchäologe Thomas Doppler weiß. Foto: Aargau Tourismus

Von 1910 bis 1916 war der schwedische Archäologe Nils Lithberg am Schloss Hallwyl im Einsatz – und hat damit schweizweit erstmals eine Burg archäologisch untersucht, wie Kantonsarchäologe Thomas Doppler weiß.

In manchen sind noch die Steine römischer Ruinen eingebaut, andere sind erst im Spätmittelalter entstanden. Neben Prunkstücken wie Aarburg, Lenzburg oder Hallwyl gibt es in allen Ecken des Kantons Spuren alter Baukunst zu entdecken.

Schutz von einfallenden Kriegern

Erst 34 der 98 Burgstellen sind bis heute archäologisch erforscht, wie Kantonsarchäologe Thomas Doppler im Vorwort des kürzlich erschienen Buches „Die Burgen des Kantons Aargau“ schreibt. Wobei der Aargau dabei ein Pionierkanton war: Von 1910 bis 1916 war nämlich der schwedische Archäologe Nils Lithberg am Schloss Hallwyl im Einsatz – und hat damit schweizweit erstmals eine Burg archäologisch untersucht, wie Doppler schreibt. Auf frühmittelalterliche Fluchtburgen suchten die Vorfahren Schutz vor den einfallenden Normannen, Ungarn oder Sarazenen. Adelsfamilien bauten die Wehrburgen später zu Schlossanlagen um. Manche Orte wurden bald wieder verlassen, wie die Burg Tegerfelden, nachdem der letzte männliche Vertreter starb und das Erbe durch Heirat an die Familie von Klingen ging, den Stadtgründern von Klingnau.

Als die Grafen von Lenzburg ausstarben, übernahmen die Kyburger ihren Stammsitz. Später folgten die Habsburger, die eigentlichen Rockstars unter den Aargauer Adelsfamilien. Sie brachten es, auch dank Heiratspolitik, zu einem Weltreich und stellten vom 13. bis ins 20. Jahrhundert hinein viele Könige und Kaiser.

Gleichzeitig hat die Familie bis heute Verbindungen in den Aargau. Die Herzen des letzten Österreichischen Kaiserpaars, Karl I. und Zita, sind im Kloster Muri begraben, das von ihren Vorfahren im Jahr 1027 gestiftet wurde. Die genaue Lage eines in Urkunden erwähnten, noch älteren Herrenhofs in Muri ist nicht bekannt. Als den Habsburgern der Stammsitz im gleichnamigen Dorf Habsburg bei Brugg zu klein wurde, zogen sie weiter. Der habsburgische Löwe ziert bis heute zahlreiche Gemeindewappen, im Aargau unter anderem von Laufenburg und Bremgarten, ebenfalls Standorte von Burgen.

Im Besitz der Habsburger waren auch viele weitere Aargauer Burgen, wie Altenburg bei Brugg, heute eine Jugendherberge, oder Schenkenberg, die als „besterhaltene Burgruine des Aargaus“ gilt.

Ofenkacheln, Metallteile und römische Spoilen

Obwohl manchmal kaum mehr als Festung erkennbar, bergen viele Burgstellen verborgene Schätze. So wurden zum Beispiel bei der Burgstelle Scherenberg in Safenwil Keramikgefässe, Ofenkacheln und Metallgegenstände ausgegraben, die heute im Dorfmuseum aufbewahrt werden.

Am „Schwarzen Turm“ von Brugg lassen sich sogar Spuren ablesen, die bis in die Zeit des Legionslagers Vindonissa zurückreichen. In ihm verbauten die mittelalterlichen Baumeister nämlich sogenannte „Spolien“, also Steine aus römischen Ruinen.

Zudem sind viele Burgen und Burgstellen an wunderschönen Orten gelegen. Während die berühmten, wie das Wasserschloss Hallwyl, manchmal regelrecht überlaufen sind, gibt es im ganzen Kanton viele versteckte Juwelen zu entdecken. Nicht wenige von ihnen bieten eine prächtige Aussicht auf die Aargauer Hügel, Wälder, Flüsse oder bei guter Fernsicht gar bis in die schneebedeckten Alpen.

Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter www.museumaargau.ch.

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