Basel Wo „Monty“ seinen Sieg feiert

Michael Werndorff
Waffen, Uniformen und seltene Ausrüstungsgegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg: Der Binninger Max Hartmann hat eine beeindruckende Militariasammlung zusammengetragen. Zu sehen ist auch Feldmarschall Bernard Montgomery, der zu einem der populärsten Kriegshelden Großbritanniens wurde. Foto: Fotos: Michael Werndorff

Binningen - Hinter jedem Gegenstand steckt eine Geschichte, weiß Max Hartmann und deutet auf ein Gewehr aus Schweizer Herstellung. Die Waffe gehörte einst einem US-Sheriff in Nebraska und fand wieder den Weg zurück in die Eidgenossenschaft. Das über 100 Jahre alte Stück ist ein kleiner Teil einer umfangreichen Militariasammlung, die der 77-Jährige Binninger über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen hat.

Der Blick schweift über militärische Lagekarten, Luftbilder, verrostete Bodenfunde, Modellpanzer, Fotos aus Kriegsfilmen und bleibt bei einem Uniformhemd eines US-Panzersoldaten hängen. „Charles D. Adams erreichte am 9. September 1944 Luxemburg und kämpfte in der Ardennenschlacht gegen die Wehrmacht“, erklärt Hartmann. Der junge Mann überlebte und heiratete die beste Freundin der Mutter eines Bekannten.

„Jedes Stück hier hat eine Geschichte“, so Hartmann, der von seinem Vater Erzählungen vom Krieg kannte und in jungen Jahren zerstörte Ortschaften im Elsass gesehen hatte. Den bleibendsten Eindruck hinterließ der Kriegsfilm „Der längste Tag“ aus dem Jahr 1962. Der Streifen mit Starbesetzung zeigt die Landung der Alliierten in der Normandie.

„Nachdem ich den Film damals gesehen hatte, war für mich klar: Ich muss dorthin, um mit eigenen Augen zu sehen, wo sich der Krieg abspielte und die Soldaten begraben liegen“, erzählt Hartmann. Seither ist der Ruheständler viele Male dort gewesen, hat Veteranentreffen und Sammlermessen besucht und seiner Leidenschaft freien Lauf gelassen. Das Ergebnis: Eine umfangreiche Waffen-, Ausrüstungs- und Uniformsammlung, die sich dem Zweiten Weltkrieg widmet.

Der klimatisierte und alarmgesicherte Raum unter einem Haus in Binningen ist hergerichtet wie ein Museum: An der Decke hängen Jagdflugzeuge und Bomber, ein gutes Dutzend Schaufensterpuppen trägt verschiedenste Uniformen der Alliierten, darunter auch drei Wehrmachts- und Luftwaffesoldaten. Ihre Uniformen sind Replika.

Am Material der Deutschen, vor allem der SS und Gestapo, sei er angesichts der Kriegsverbrechen überhaupt nicht interessiert, wie er betont. Die typischen Waffen der Wehrmacht – unter anderem eine MP40 – finden sich dann doch in seiner Sammlung – Zeugen einer dunklen Vergangenheit, mit der sich Hartmann kritisch auseinandersetzt. „Krieg ist immer schlimm, und zur Erkenntnis gehört auch, dass es auf beiden Seiten der Front Gräueltaten gegeben hat.“ Leider sei die Menschheit zu dumm, um zu verstehen, dass man mit Gewalt nichts erreiche.

Überwiegend Material der Alliierten

Überwiegend sind es amerikanische Uniformen und Ausrüstungsgegenstände, die er mit viel Fleiß und Recherche zusammengetragen hat. Hartmann ist bestens vernetzt und weiß, wo er Gesuchtes finden kann. So zum Beispiel ein aufgebautes Kommandozelt samt Funkzentrale, in dem zwei Pappkameraden gerade dabei sind, Befehle zu übermitteln und Lageberichte zu empfangen. Klar, dass Hartmann schmunzelnd zu den Kopfhörern greift, um den imaginären Funkverkehr zu verfolgen.

„Das ist alles original aus dem Jahre 1942“, sagt er voller Stolz. „Ich habe Jahre gebraucht, um die Gegenstände aufzutreiben, bis nach England hat mich meine Suche geführt.“ Dass es eine veritable Sucht ist, leugnet er nicht. „Immerhin habe ich mir vorgenommen, nichts mehr zu kaufen, und daran habe ich mich bisher auch gehalten.“ Seine Sammlung war schon einmal deutlich größer. Vieles habe er wieder veräußert, um dann Neues zu erstehen.

Gleich vor dem Kommandozelt steht Feldmarschall Bernard Montgomery im Kreise weiterer Soldaten. „Monty“ wurde nach dem Sieg der Schlacht von El Alamein im Jahr 1942 zu einem der populärsten Kriegshelden Großbritanniens. Hinter ihm sind eine ganze Reihe schwere Maschinengewehre aufgebaut, die nach dem Krieg zum Teil in Arsenalen der Siegermächte und assoziierter Staaten eingemottet waren und dann den Weg zu Sammlern gefunden haben.

An den Wänden hängen polierte Pistolen und Gewehre: Zu jeder Waffe weiß der Sammler eine Anekdote. So eine Pistole aus Japan, die er gekauft habe, weil seine Tochter dort ein Jahr verbrachte und die Sprache lernte. Dann das Schweizer Gewehr, welches einst in den USA von einem Sheriff in Nebraska genutzt wurde und schließlich wieder nach Europa kam.

Besonders faszinierten ihn die Gespräche mit Zeitzeugen, die vor 80 Jahren gegen die Deutschen kämpften. Hartmann berichtet von einem jungen Soldaten, der gemeinsam mit 2250 Kameraden einer US-Spezialeinheit in der Normandie landete. „Nur 60 Soldaten haben den Einsatz überlebt. Das ist sehr eindrücklich“, ringt der Schweizer um Worte.

Wie verletzte Soldaten im Feld medizinisch behandelt werden, zeigt ein original ausgestattetes Operationszelt. Verbandsmaterial, OP-Besteck und Medikamente sogar ein Beatmungsgerät… Hartmann hat alles zusammengetragen, in seinem Keller aufgebaut und eine OP-Szene nachgestellt. Die Mullagen hat er von der Rettungssanität Basel erhalten, wo er als Sanitäter beschäftigt war. Der Inhalt der Blutkonserve ist neueren Datums: ein hochprozentiger Tropfen, den ihm ein Bekannter schenkte.

Mit dem Willis-Jeep in die Normandie

Sein Interesse an Militärmaterial erstreckt sich auch auf Fahrzeuge. So kaufte er sich vor Jahrzehnten einen amerikanischen Willis-Jeep, den er restaurierte. Weitere Fahrzeuge rundeten den Fuhrpark ab, mit dem es, begleitet von seiner Frau, oft in die Normandie ging oder nach Basel, wo er seine Militärautos bei der Basel-Tattoo-Parade präsentierte. Hartmann hat übrigens noch ein ziviles Hobby. An sein Militärmuseum schließt sich ein Raum an, der eine Modelleisenbahnlandschaft beherbergt. Die Grenzen sind allerdings fließend: In seiner Waffenkammer hat er an der Kellerdecke eine Zugstrecke montiert, deren Eisenbahn Modellpanzer transportiert.

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