Basel - Was machen Zombies, wenn es regnet? Sie spannen ihre Regenschirme auf oder ziehen sich Regencapes über. Zumindest beim Basler Zombie-Walk am Samstag ließ sich dieses Verhalten beobachten. Das kühle Regenwetter sorgte allerdings dafür, dass nur rund 150 Untote zum Walk kamen – deutlich weniger als im Vorjahr – und die Horde während des Umzugs weiter schrumpfte.

"The Dead Walk!"

Fotostrecke 5 Fotos

Hin und her überlegt haben die Organisatoren am Samstag, ob sie den Umzug ins Wasser fallen lassen und stattdessen eine Indoor-Party feiern sollten. Dann die Entscheidung: „The Dead Walk!“, wie Zeitungen in diversen Zombie-Filmen so schön titeln, die Zombies werden laufen. Mit schleppendem Gang, gierig nach vorne gestreckten Armen, zahlreichen aufgemalten und aufgeklebten Wunden sowie haufenweise Zombie-Kontaktlinsen zogen die Untoten zum neunten Mal aus der Markthalle hinaus, um in der Basler Innenstadt den Gruselzustand auszurufen.

Zombies schlurfen

Die meisten Teilnehmer outeten sich als Zombies alter Schule, wie sie George A. Romero 1968 in seinem Filmklassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ stilbildend entworfen hat. Das heißt: Schlurfen statt gehen, keinesfalls aber rennen, wie es die Mutanten einige Jahrzehnte später in Adaptionen wie „28 Days Later“ oder „Resident Evil“ können.

Sobald Passanten auftauchen, wird blut- oder vielmehr fleischrünstig aus tiefster Kehle gegrollt, geknurrt und geröchelt. Ebenfalls angesagt: Mit kunstblutverschmierten Händen von außen an die Scheiben von Kneipen, Restaurants und Trams patschen und sich an den vergnügten bis irritierten und erschrockenen Gesichtern der Menschen im Inneren erfreuen.

Passanten erschrecken ist erlaubt

Ansonsten hielten sich die Zombies strikt an die Regeln, die Organisator Michael Kempf zu Beginn ausgegeben hatte: „Passanten erschrecken erlaubt, berühren verboten“. Randalieren oder Sachen umwerfen: ebenfalls tabu. Die Meute schlurfte folgsam hinter „Leader“ Fabio her, blieb auf den Trottoirs und stoppte an roten Ampeln. Generell hatten die Organisatoren ein löblich wachsames Auge auf die Sicherheit der großen und kleinen Wiedergänger. Manche vorgesehene Jagd auf Teilnehmer, die sich als „Zombie Food“ zur Verfügung gestellt hatten, wurde rutschiger Pflastersteine wegen lieber abgeblasen.

Anderthalb Monate am Kostüm gearbeitet

Mit zunehmend vom Regen verschmierter Gruselschminke schlurfte die Horde unter anderem am Kunstmuseum vorbei, über die Wettsteinbrücke und zurück über die Mittlere Rheinbrücke, zum Marktplatz und in die Gerbergasse. In die Zombieparade hatten sich wieder Prachtexemplare aus verschiedenen Epochen und Fantasyreichen gemischt, Gothic-Ladies ebenso wie Piraten. Sowohl schlichte Verkleidungen (ein Fläschchen Kunstblut auf Gesicht und Kleidung verschmiert reicht als Basisausstattung) als auch sehr aufwendige, kreative und durchdachte Maskierungen und Kostümierungen waren zu sehen. Ein passionierter Walker ist der Cos­play-Fan „Sir Vidar“. Eineinhalb Monate lang hat er diesmal an seiner Latexmaske gearbeitet und allein 124 Franken für das Material ausgegeben, erzählt er. Die einzelnen Arbeitsschritte sind auf seiner Facebook-Seite dokumentiert.

Kreative Gruselverkleidungen

Neben ihm waren Augenweiden der zerfressene Oktoberfest-Besucher, Horrorbräute mit blutigen Hochzeitskleidern, eine blutüberströmte Nonne oder ein Duo mit diversen Kopfschrauben. Etliche Teilnehmer schwammen mit sichtlicher Begeisterung auf der anhaltend starken Zombie-Welle aus Filmen, Serien, Büchern und Spielen. Ein Wikinger-Zombie mit Pfeil im Auge – toll gemacht – verwies auf das hierzulande noch wenig bekannte Epos „The Viking Dead“. Kultserie der Stunde ist allerdings ungebrochen „The Walking Dead“ und auch dazu gab es das ein oder andere Cosplay-Accessoire wie etwa eine mit (unechtem) Stacheldraht umwickelte (Gummi-)Keule – Markenzeichen von Serien-Superbösewicht Negan.