Basel Zweiter Lockdown wäre Gift

Die Lage in der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie ist angespannt. Foto: Archiv

Basel - Swissmechanic, der Dachverband der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), warnt angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen eindringlich vor einem zweiten „Lockdown“ in der Schweiz. Denn viele Betriebe befänden sich bereits in einer schwierigen Lage, und nicht wenige kämpften gar ums Überleben, wie der Verband mitteilt.

Die Corona-Krise setze den KMU in der MEM-Branche zu. „In dieser kritischen Situation wäre ein zweiter Lockdown Gift“, wird Swissmechanic-Präsident Roland Goethe in der Mitteilung zitiert. Der Werkplatz Schweiz würde „in die Knie gezwungen“ und wertvolle Arbeits- und Ausbildungsplätze gingen verloren.

Der Verband ruft die gesamte MEM-Branche auf, alles Nötige zu tun, damit in den Betrieben die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Es brauche für die Verhinderung einer weiteren Stilllegung der Wirtschaft aber auch die gesamte Gesellschaft.

Gemäß der jüngsten gemeinsam von Swissmechanic und BAK Economics durchgeführte Quartalsbefragung vom Juli leiden beinahe 90 Prozent der KMU der Branche unter Auftragsmangel. Der dabei jeweils ermittelte Geschäftsklimaindex hatte sich bei der Befragung im Vergleich zu derjenigen vom April immerhin auf tiefem Niveau etwas stabilisiert.

Stopp bei Einstellungen

Weiter hatte die Umfrage bei rund 300 KMU der MEM-Branche ergeben, dass sich der Krisenherd in der Branche zunehmend von der Angebots- auf die Nachfrageseite verschoben hat. Zwar war auch im Juli noch ein Teil der Unternehmen von Unterbrüchen in den Lieferketten und Personalausfällen betroffen, allerdings in deutlich geringerem Umfang als im April. Dagegen stieg zuletzt der Anteil der Unternehmen, bei denen Auftragsmangel das Hauptproblem darstellte, markant. Knapp die Hälfte der Unternehmen ging bei der Umfrage davon aus, dass der Auftragsmangel noch mehr als sechs Monate dauern werde. Rund 70 Prozent der Unternehmen hatten deshalb auch einen Einstellungsstopp verhängt und Kurzarbeit beantragt.

Trotz der zweiten Corona-Welle zeichnet sich auf dem Schweizer Arbeitsmarkt bislang keine Krise ab. Das sagte Monica Dell’Anna, die seit dem Frühling Schweiz-Chefin des Personaldienstleisters Adecco ist, der Nachrichtenagentur AWP.

Anzeichen für Erholung

Bei der Arbeitslosenquote würden kaum Werte erreicht, wie sie für andere Länder völlig normal seien, so Dell’Anna. „Und somit werden wir wahrscheinlich auch nicht in einen Bereich kommen, in dem man von einer gesellschaftlichen Krise sprechen kann.“

Im Gegenteil habe es zuletzt Anzeichen für eine gewisse Erholung gegeben. Das zeigten zum Beispiel die neusten Daten vom Temporärmarkt, der als „Frühindikator“ für den gesamten Arbeitsmarkt gilt.

„Alles hängt aber natürlich davon ab, wie gut wir die Pandemie unter Kontrolle halten können“, erklärt die Managerin. Sie warnt außerdem davor, den Arbeitsmarkt in der Krise stärker abzuschotten.

Der vergleichsweise flexible Arbeitsmarkt sei eine der Stärken der Schweiz. Zudem sei der Fachkräftemangel trotz Corona nicht verschwunden. Zum Beispiel gebe es Engpässe im medizinischen Bereich, und dies nicht wegen Corona.

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