Basel Zwischenräume der Mythologie

Die Oberbadische
Chalk Fall von Tacita Dean , 2018, Kreide auf Schiefertafel, neun Teile     Foto: Julian Salinas

Von Dominique Spirgi

Basel. Das Kunstmuseum Basel präsentiert in seinem Haus für Gegenwart die Schweizer Erstaufführung des einstündigen Filmkunstwerks „Antigone“ von Tacita Dean. Wie in vielen ihrer Werke geht es auch hier um Naturgewalten und um Zwischenräume der Mythologie.

Man kann sich ganz einfach in die bequemen Sessel des Kinoraums im Haus für Gegenwart des Kunstmuseums Basel fallen lassen und sich von den Bildern der brodelnden Landschaften aus dem Yellowstone-Park und der Sonnenfinsternis betören lassen. Oder aber man versucht gemäß den erzählten Geschichtsfragmenten auch hinter diese Bilder zu blicken, um in die Zwischenräume der Mythologie zu gelangen, denen sich Tacita Dean anzunähern versucht.

Sogar die Sonne verliert ihr Licht

Sicherlich will man dem Museum nicht widersprechen, wenn es die 2018 entstandene Arbeit als komplex und rätselhaft bezeichnet. Man könnte nun noch das Attribut ästhetisch einnehmend hinzufügen, aber so etwas schreibt die Fachwelt Gegenwartskunstwerken nur ungern zu.

Der Titel der analogen und unter anderem mit Mehrfachbelichtungen raffiniert bearbeiteten Doppelfilmprojektion „Antigone“ verweist auf die antike Mythologie rund um das Königreich Theben und den unglückseligen König Ödipus, dessen ebenso vom Schicksal gebeutelten Tochter Antigone ist.

Tacita Dean zeichnet nun aber nicht die brutalen Schlüsselszenen nach – nicht den Vatermord des Ödipus, nicht dessen Selbstblendung, nicht den Suizid der eingemauerten Antigone. Sinnbildlich umkreist wird der in der Trilogie nicht sonderlich ausführlich beschriebene Irrweg des blinden und verbannten Königs an Seite seiner Tochter durch die naturgewaltige Wildnis, in der schließlich sogar die Sonne ihr Licht verliert.

Rund um dieses zentrale Werk zeigt das Museum noch weitere Arbeiten von Tacita Dean, welche die Vielseitigkeit und das stupende Können der 1965 geborenen britischen Künstlerin zeigen. Neben weiteren analogen Filmarbeiten ist das unter anderem eine 15-teilige Serie mit ungeheuer filigran gezeichneten Wolkenbildern mit dem Titel „LA Magic Hour“, die von 2019 bis 2021 entstanden ist.  „Tacita Dean – Antigone“ im Haus für Gegenwartskunst des Kunstmuseums Basel, bis 9. Januar 2022, Öffnungszeiten: Di, 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr, Do bis So, 10 bis 18 Uhr

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