Bergmannskapelle Wieden „Wir werden nur einmal 100“

Verena Wehrle
Die Bergmannskapelle ist eine starke Truppe – über 100 Musiker feiern vom 19. bis 22. Juli das 100-jährige Bestehen des Vereins. Foto: /zVg

Zum großen Zeltfest lädt die Bergmannskapelle Wieden vom 19. bis 22. Juli zum 100-Jährigen ein. „Wilde Engel“ für die Junggebliebenen, „Watzmann“ für alle Alpenrock-Fans und ein großer Brauchtumsumzug – es ist einiges geboten.

Im kleinen Bergdorf Wieden ist nahezu jeder Bürger in mindestens einem Verein. Und somit sind die Vereine auch von vielen Mitgliedern gesegnet. So auch die Bergmannskapelle Wieden, die mit 105 Musikern, inklusive Jugend, wohl zu den größten Musikvereinen im Wiesental gehört. Sie feiert vier Tage lang ihr 100-jähriges Bestehen. Der Termin stand schon lange fest. Denn: Das dritte Juli-Wochenende ist hier immer für Jubiläen reserviert.

Die Plakate hängen, die Vorfreude steigt. Doch bis es soweit war, musste der Verein jede Menge Zeit in die Vorbereitung stecken. Diese begann bereits 2022. Im Februar 2023 wurden dann die „Wilden Engel“ gebucht, erzählen Vorsitzende Ingrid Hilbrecht, die zweiten Vorsitzenden Fabian Behringer und Marianne Beckert sowie Udo Gramespacher vom Orga-Team im Gespräch mit unserer Zeitung.

Immense Dimensionen

„Wir werden nur einmal 100 – da freut sich jeder drauf“, sagt Behringer. Und: „Wenn jemand so groß feiern kann, dann wir.“ Doch trotz der Größe des Vereins, geht es auch hier nicht ohne externe Unterstützung, betont er. Denn: Immense Dimensionen für das „kleine“ Dorf hat das Fest: Ein großes 800-Mann-Festzelt wird im Melanie-Behringer-Stadion aufgebaut. Beim Fest vor 15 Jahren sei es der gleiche Aufwand gewesen, doch die Vorschriften seien heute strenger.

Das Vier-Tages-Programm

Am Freitag gibt es einen Rockmusik-Abend mit den „Wilden Engeln“ – die viele Mittdreißiger in der Region noch aus ihrer Jugend kennen. Und heute feiert auch wieder die junge Generation zu ihrer Musik.

Beim Festakt am Samstag wird die Verleihung der Pro-Musica-Plakette für das 100-jährige Bestehen wiederholt. Denn die Plakette wurde bereits im März durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst verliehen, Bürgermeister Michael Fischer, Schirmherr des Jubiläumsfests, macht dies dann nochmals symbolisch vor Wiedner Publikum.

Doch zuerst werden etwa 100 ehemalige Musiker zum Sektempfang geladen. Während des Festakts werden 14 aktive Musiker für 25 und 50 Jahre geehrt. Besondere Klänge bietet der Saarknappenchor, den die Wiedner bereits von ihrem Auftritt im Jahr 2009 kennen. Und auch zu den Rotweinschlotzern aus Waldulm, die ebenfalls beim Festakt auftreten, besteht schon länger eine Verbindung. Als eine der vereinseigenen Formationen werden die Bergteufel für Stimmung sorgen.

Der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst, der vom Saarknappenchor begleitet wird. 2009 ist der Chor singend in die Kirche eingelaufen, das sei ein ganz besonderer Moment gewesen, erinnert sich Hillbrecht. Im Festzelt geht das Programm dann weiter mit einem Frühschoppenkonzert des Musikvereins Amrigschwand-Tiefenhäusern. Ab 14 Uhr zieht zum großen Bezirksmusikfest der Festumzug durchs Dorf. Rund 25 Gruppen nehmen teil, darunter sowohl Musikvereine aus der Nachbarschaft und aus dem ganzen Bezirk, als auch örtliche Vereine – auch in historischer Kleidung. Brauchtum wird gezeigt und gelebt. Danach bieten mehrere Vereine Blasmusik im Zelt.

Das Kult-Theater ist zurück

Einer der Höhepunkte ist mit Sicherheit das Alpenrock-Theater „Der Watzmann ruft“, ein Kultstück von Wolfgang Amboss mit Schauspiel, Tanz und Musik. Der Verein führte dies bereits sieben Mal auf und hat sich damit einen Namen gemacht. Die Zuschauer erleben mitreißenden Alpenrock um den nie endenden Kampf zwischen dem Berg und den Menschen im Tal. Das Stück handelt auch von der Versuchung durch die Gailtalerin und nicht zuletzt von dem einfachen und harten Leben der Knechte.

„Ich glaube, wir bekommen das Zelt voll“, so Behringer zuversichtlich. Es seien auch schon einige Karten verkauft. 2007 kamen 700 Besucher zu diesem „Rustikal“. Nur zwei Schauspieler stehen auf der Bühne: Wie gewohnt spielt Udo Gramespacher den Bueb und Elmar Sprich mit dem Bauer, dem Knecht und der Gailtalerin gleich drei Rollen. Hillbrecht führt Regie.

Am Montag wird ein Kinder- und Seniorennachmittag geboten. Es gibt ein Kinderprogramm mit Hüpfburg und Schminken. Die Jugendkapelle und Alphornbläser unterhalten. Und die Grundschule Wieden-Utzenfeld führt das Musical „Rumpenwolf und Donnerstilzchen“ auf, ein Musikprojekt mit Noah Ruoff, das über ein halbes Jahr an der Schule läuft. Den krönenden Abschluss des viertägigen Festes bildet der Handwerkerhock am Montagabend.

Zur Geschichte

Die Bergmannskapelle wurde 1924 von nur acht Musikbegeisterten gegründet – unter schwierigsten wirtschaftlichen Verhältnissen. Musiker aus Utzenfeld boten den Wiednern ihre Instrumente wegen Neuanschaffung für 210 Goldmark an. Das Besondere: In den 100 Jahren hatte die Kapelle nur sieben Dirigenten. Weitere Hintergründe zur Geschichte stehen in der aktuellen Festschrift.

Das Programm

Freitag, 19. Juli:
 Wilde Engel live on stage ab 21 Uhr, Einlass ab 20 Uhr.

Samstag, 20. Juli:
 Festakt ab 19.30 Uhr.

Sonntag, 21. Juli:
Gottesdienst mit dem Saarknappenchor ab 9.30 Uhr, Frühschoppenkonzert der Trachtenkapelle Amrigschwand-Tiefenhäusern ab 11 Uhr, Fest- und Brauchtumsumzug ab 14 Uhr, „Der Watzmann ruft“ – das Alpenrock-Theaterr ab 21 Uhr (Einlass 19 Uhr). Vorverkauf bei der Kurverwaltung Wieden, Mode Asal Todtnau, Avia Todtnau, Metzgerei Strohmeier Schönau und Bäckerei Gutmann Schönau.  

Montag, 22. Juli:
 Kinder- und Seniorennachmittag, ab 14.30 Uhr, Handwerkerhock mit Blasmusik ab 17.30 Uhr.

Weitere Infos unter 100jahre.bergmansskapelle.de

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