Binzen Bissige Verse und schwarzer Humor

Jürgen Scharf
Als Literarisches Quartett traten in Binzen (von links) Gilbert Rottmann, Sandra Trefzer, Ina und Klaus Koska (mit Triangel) auf.                                                                                                                                                                        Foto: Jürgen Scharf

Binzen - „Heiter geht’s weiter“ war die Devise beim Literarischen Abend am Freitag im Rathaussaal Binzen. Gelesen wurden Schmunzelgedichte von Eugen Roth und geistreiche Kurzgeschichten von Ephraim Kishon. Ergänzt wurden die literarischen Beiträge, die nicht immer nur humorvoll, sondern auch ernst und nachdenklich waren, von musikalischen Beiträgen: den bissigen Kabarettliedern von Georg Kreisler und schöner Klaviermusik.

Pointierte Vorträge

Der Münchner Humorist und Lyriker Eugen Roth, ein Nachfahre von Schopenhauer und Busch, erfreut sich noch immer einer großen Leser- und Zuhörergemeinde. Aus seiner lyrischen „Humorapotheke“ trug das Lese-Quartett mit Klaus Koska, Ina Koska, Sandra Trefzer und Gilbert Rottmann „Allerlei Arznei“-Verse wie „Das Wartezimmer“ vor, teils wurden die Gedichte mit verteilten Rollen gelesen.

Mit seinen heiter-hintergründigen Versbüchern, die Millionenauflagen erreichten, wurde Roth populär. Es ist eine liebevolle Ironie, wie man bei den berühmten und beliebten „Ein Mensch“-Gedichten hören konnte. Da wird die menschliche Schwäche augenzwinkernd belächelt.

Kritikerpapst Joachim Kaiser bescheinigte Eugen Roth eine Mischung aus einem „Schuss Heine“, einer „leichtesten Vershand“ und „praktikablem Humor“. Das gilt noch immer, etwa für das Gedicht „Das Geld“, das ebenso süffisant gelesen wurde wie das „sichere Mittel gegen Glatzen“ („Für Kahlköpfe“). Die geistreichen Strophen aus der Roth’schen Verse-Schmiede müssen pointiert vorgetragen werden, und das wurden sie von dem „Literarischen Quartett“.

Vielleicht war es fast schon ein bisschen viel Eugen Roth an diesem Abend, aber die Wiederbegegnung mit dem vielgelesenen Lyriker war es allemal wert.

Weltmeister des Humors

Zeitgemäßer erschienen dann die Humoresken von Ephraim Kishon, dem unumstrittenen Weltmeister des Humors. Seine komischen Kurzgeschichten sind genial.

Von diesem erfolgreichsten Satiriker aller Zeiten brachten die Vortragenden eine gelungene Auswahl.

Witzig die Geschichte von der Babysitterin, der „perfekten Perle“, oder die mit Witz und Ironie nuanciert vorgetragene „Harte Währung“ über fehlende Münzen beim Parkometer, eine Geschichte vom Fluch des Schenkens (natürlich mit „der besten Ehefrau von allen“).

Zum Lachen war die kurze Komödie vom „Rotkäppchen“, in der der kleine Junge Rafi („Mami, Mami!“) immer nach Eiscreme schreit. Das sind zeitlose Satiren, die beim zahlreichen Publikum im Saal auch besonders gut ankamen.

„Zwei alte Tanten...“

Wer kennt es nicht, den schwarzhumorigen KreislerEvergreen „Zwei alte Tanten tanzen Tango“? Trotz Erkältung war Klaus Koska in einigen Kreisler-Liedern, die er solo und singend vortrug, ganz in seinem Element. Etwa in dem vom General, in dem er den idiomatischen Wiener Kreisler-Tonfall nachahmte. Theatralisch brillierte Koska in der tragikomischen Geschichte vom einsamen Triangel-Spieler, in der er auch das Schlagwerk bediente.

Womöglich wäre Georg Kreisler mit Klavier, wie im Original, eine Option gewesen, zumal, wenn man eine so wunderbare Pianistin wie Deug-Yun Kim dabei hat. Sie sorgte für die passenden Zwischenspiele mit zwei Ragtimes, dem „Puck“ (Kobold) von Edvard Grieg aus den Lyrischen Stücken, dem düsteren „The Point of No Return“ (Punkt ohne Wiederkehr) aus dem „Phantom der Oper“ des Musicalkomponisten Andrew Lloyd-Webber und ein paar Takten „Wiener Blut“.

Genuss und Hörvergnügen

Die neueste Ausgabe dieser literarischen Reihe, die es seit 33 Jahren gibt, war ein musikalisch-literarischer Genuss und ein Hörvergnügen. Nachklingen lassen konnten das die Besucher bei einem Apéro.

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