Der Name Schlossgasse in Binzen kam nicht von ungefähr. Das steht jetzt fest. Vielmehr war er ein deutlicher Hinweis auf die lange verschollene Burg, von der nun im Zuge eines Neubauprojekts einige Mauerüberreste gefunden wurden. Das legendäre „Binzener Wasserschloss“ hat tatsächlich existiert.

Von Alexandra Günzschel

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Binzen. Einige Dutzend Binzener waren gestern gekommen, um sich von Andreas Haasis-Berner vom Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart vor Ort die Bedeutung des Funds erklären zu lassen. Exakt dieses Szenario war in den vergangenen Jahren immer mal wieder als Aprilscherz für die Zeitung im Gespräch. Darauf wies Bürgermeister Andreas Schneucker die interessierten Bürger eingangs hin. Nun habe die Realität diese Idee eingeholt, berichtete er amüsiert.

Die wichtigste Erkenntnis aus den Mauerresten, bei denen es sich offenbar um Überreste angebauter Wirtschaftsgebäude handelt, ist der Rückschluss auf die Größe der Burg. Denn aus dem Fund lässt sich die Grundfläche des Hauptgebäudes rekonstruieren: 65 Quadratmeter bei zwei Etagen macht eine Wohnfläche von 130 Quadratmetern – nicht schlecht, aber auch nicht eben sehr feudal, wie der Archäologe darlegte. Mit dem umgebenen Wassergraben kommt Haasis-Berner auf eine Gesamtfläche des Areals von etwa einem Hektar. Keine Hinweise gibt der Fund auf den Schriftquellen zufolge dazugehörigen Turm.

„Seit dem 13. Jahrhundert waren es oft auch kleinere Adelige, die für sich das Recht in Anspruch nahmen, Burgen zu bauen“, führte Haasis-Berner aus. Im Fall von Binzen seien die Burgherren ständig von Hochwasser bedroht gewesen. Denn die Kander war noch ungezähmt.

Bisher hatte man vor allem eine Reihe von schriftlichen Hinweisen auf das so genannte Wasserschloss. Diese wurden nun weitgehend durch die archäologischen Funde bestätigt. Bei der Datierung greifen die Archäologen gerne auf Keramikfunde vor Ort zurück. In diesem Fall fand man Scherben aus dem 14. bis zum 17. Jahrhundert. „Vermutlich wurde die Burg im späten 14. Jahrhundert erbaut“, so die Einschätzung des Archäologen.

Für den Bauherren Aziz Yükselen, dessen Bauvorhaben die Mauerreste nach Probegrabungen ursächlich überhaupt erst ans Tageslicht brachten, gibt es gute Nachrichten: Da er keinen Keller geplant hat, wird er sein Haus bald bauen können. Der archäologische Fund bleibt darunter – unter einer Bodenplatte – für die Nachwelt erhalten, allerdings unsichtbar, wie vor Ort festgestellt und bedauert wurde.

Viel sei ohnehin nicht zu sehen, rechtfertigte Haasis-Berner diese Entscheidung. „Da müsste man schon den gesamten Grundriss freilegen, und das ist mit enormen Folgekosten verbunden.“

Schnell fiel der Blick auch auf die benachbarten Gebäude, und eine Teilnehmerin der Runde stellte die Frage, ob auch dort Probegrabungen stattgefunden haben. Der Archäologe, der erst seit 2006 im Amt ist, wusste es nicht. „Nicht immer landen alle Bauanträge, die wir bekommen müssten, auch bei uns“, bedauerte er.

Begeistert zeigte er sich im Übrigen über das große Interesse der Binzener an dem Fund. In Freiburg bleiben die Archäologen in ähnlichen Fällen schon mal unter sich.