Binzen Eine kleine Burg mit viel Geschichte

Binzen - Es war schon eine kleine Sensation in Binzen, als im Frühjahr 2018 Reste des Fundaments des verloren geglaubten Wasserschlosses gefunden wurden. Endlich gab es einen handfesten Beweis für die Existenz der spätmittelalterlichen Burg. Jetzt hat die Gemeinde zu einem Vortragsabend über die Wasserburg und ihre Bewohner eingeladen, der auf großes Interesse stieß.

Über den archäologischen Fund, der im Zuge eines Bauantrags festgestellt wurde, berichtete Andreas Haasis-Berner vom Landesamt für Denkmalpflege.

Über die Burg

Sicherheitshalber wurden auf dem Gelände Voruntersuchungen veranlasst. Vage historische Hinweise und der Name Schlossgasse hatten die Denkmalpfleger zu diesem Schritt veranlasst. Lange suchen musste die speziell ausgebildete Grabungstechnikerin nicht, nur wenige Zentimeter unterhalb der Grasnarbe kamen die ersten Mauerreste zum Vorschein, darunter weitere ältere, was auf Umbaumaßnahmen schließen lässt. Drei Bauphasen wurden festgestellt.

Auch kennt man nun die Ausmaße der Burg mit Wassergraben. Die Wohnfläche betrug neun mal neun Meter, was bei mutmaßlich zwei Etagen immerhin gut 160 Quadratmetern entspricht, den Turm, von dem historische Quellen berichten, noch gar nicht mitgerechnet.

„Das war schon anständig, wenn auch nicht ganz das, was man sich unter einer Burg vorstellt“, meinte der Experte. Er sprach von so etwas wie der „dritten Burgenliga“. Niederadlige begannen oft erst um 1300 mit dem Burgenbau „und mussten sich ein bisschen bescheiden“.

Ein paar aussagekräftige Keramikscherben, die bei den Grabungen gefunden wurden, halfen den Archäologen bei der zeitlichen Eingrenzung: Die ältesten Bruchstücke stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, die jüngsten aus dem 17. Jahrhundert. Wahrscheinlich war die Wasserburg etwa ab 1350 bis zum Jahr 1641 bewohnt, als ein Brand das Gebäude komplett zerstörte.

Über die Bewohner

Arnold I von Grünenberg gilt als der mutmaßliche Bauherr des herrschaftlichen Anwesens in Binzen. Über die weit verzweigte Familiengeschichte der Freiherren von Grünenberg im Spätmittelalter konnte Geschichtsforscher Lukas Wenger den Zuhörern einiges berichten. Neben Binzen waren Breisach, Basel, Ramstein, Aarwangen, die Grünenburg und Schloss Ripaille am Genfer See Stationen dieser historischen Rückschau.

Über einen Ulrich, diverse Arnolde und Heinrichs ging es bald weiter zu Berchtold II von Ramstein und seiner Tochter Adelheid, die Conrad von Grünenberg ehelichte. Das Ehepaar verstarb früh, weshalb sich Berchtold seiner beiden Enkelsöhne Johann I der Grimme und Arnold I annahm. Er übertrug ihnen seinen Anteil am Präsentationsrecht der Kirche und sorgte dafür, dass der eine standesgemäß, der andere reich verheiratet wurde.

Spuren hinterlassen haben die Herren von Grünenberg dann noch einmal bei der „Bösen Fasnacht“ in Basel im Jahr 1376, bei der es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Zehn Tage verbrachte Johann II der Grimme von Grünenberg seinerzeit in Gefangenschaft, bevor die Angelegenheit mit einer urkundlich festgehaltenen Einwilligung aus der Welt geschafft wurde. Mit ihm gefangen genommen wurde, neben anderen seinerzeit namhaften Adligen, auch der Burgherr von Rötteln.

Das Wappen der Grünenbergs – ein Sechsberg – taucht im 14. Jahrhundert dann plötzlich in Breisach auf, bevor der Name mit Wilhelm von Grünenberg, der vor allem in Rheinfelden Spuren hinterlassen hat, mangels männlicher Nachkommen wieder aus den Annalen verschwindet.

Die andächtig lauschenden Binzener wurden schließlich noch um Mithilfe in einem uralten Kriminalfall gebeten. Denn keiner weiß mehr, warum die Brüder Johann und Arnold den Bischoff Johannes I Pfefferhard von Chur auf der Burg Tüfelsruggen gefangennahmen, und wo diese gelegen haben mag.

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