Binzen Kulinarisches Gemeinschaftswerk

Beatrice Ehrlich

Aus Rezeptbögen zum Mitnehmen im Hofladen der Familie Bürgin in Binzen ist durch die Zusammenarbeit Vieler ein wunderschönes Kochbuch entstanden.

Von Beatrice Ehrlich

Binzen - Auf die Idee mit den Rezepten kam Linda Bürgin bei der Arbeit in ihrem Hofladen: In der Corona-Zeit hatten Kunden immer wieder nach Rezepten gefragt. Wie bereitet man dieses oder jenes Gemüse zu? Dieses Wissen sei bei Vielen verloren gegangen, hat Bürgin beobachtet. „Manche wissen gar nicht mehr, was Mangold ist oder kennen Sellerie nur aus dem Glas.“ Während der Corona-Zeit hätten die Leute mehr Zeit gehabt, um sich auszutauschen, hat sie beobachtet. Aus etwas Alltäglichem wie Kochen wurde etwas Besonderes.

Freunde und Kunden steuern Rezepte bei

Bürgin begann Kochrezepte im Laden auszulegen, alle zwei Wochen ein neues. Bald steuerten auch Kunden die ersten Rezepte bei, die Bürgin selbst noch gar nicht kannte. Nur bei den Fotos sei die Qualität manchmal nicht so gewesen, wie gewünscht. Hier kam Claudia Seilnacht ins Spiel, Grafik-Designerin und als federführende Gestalterin quasi zweite Mutter dieses ambitionierten Kochbuchs.

Bei einem Kaffee kamen die beiden überein, aus der Rezeptsammlung ein Buch zu machen. Zehn bis 15 Rezepte pro Saison sollten darin stehen, am Ende sind es insgesamt 130 geworden, eigene und Lieblingsrezepte von anderen. Im Freundeskreis der beiden stieß die Idee auf große Resonanz. Etwa bei der Künstlerin Irene Lang, die sich bereit erklärte, Illustrationen für das Kochbuch anzufertigen. Oder bei Metzgermeister Marc Hess: „Genau so etwas fehlt“, habe er sich gefreut, denn auch in der Metzgerei würden die Leute immer wieder nachfragen, wie bestimmte Gerichte zubereitet werden. Und so ist in dem Buch neben leicht nachzukochenden Gemüsegerichten wie „Paprikasch“ oder den “Mangoldschwestern“ eben auch ein klassischer Sauerbraten mit Spätzle, Blut- und Leberwurst oder ein Schweinekrustenbraten zu finden.

Mangoldschwestern und Fenchelsalat

Ganz zu schweigen von weiteren Rezepten wie Artischockencremesuppe, Fenchelsalat oder „Baba Ganoush“ – deren Grundzutaten je nach Jahreszeit alle auf den umliegenden Feldern zu finden sind. Als Fachmann für Fisch kam Marco Leuenberger von der Wiesentäler Forellenzucht hinzu.

„Ich will jedes Rezept auch einmal gekocht haben“, dachte sich Linda Bürgin. Marco Gressel von Drei König Delikatessen in Lörrach überließ ihr dafür einmal im Monat seine Küche. Hier haben Bürgin und Seilnacht dann zusammen mit Profi Alexander Koch jedes Gericht einmal in Schüsseln und auf Teller gebracht. In professionell wirkenden Fotografien hat Jana Dorer – Freundin einer Tochter der Bürgins – die Resultate für’s Buch festgehalten. Über das Ergebnis kann man nur staunen. Die Außenaufnahmen im Buch stammen von Christian Müller, die Tipps zum Grillen von Daniel Fritz. Winzer Dirk Brenneisen aus Egringen steuerte zu jedem Gericht den passenden Wein bei. Alle Beteiligten sind übrigens auch mit einem Steckbrief im Kochbuch verewigt, in dem sie auch Einblicke in eigene Ess- und Kochvorlieben geben.

Zwischen Küche und Homeschooling

Wenn sie nun das Ergebnis betrachten, wissen die beiden Frauen selbst gar nicht mehr, woher sie die Zeit genommen haben. Schließlich waren nebenher noch vier (Bürgin) beziehungsweise drei (Seilnacht) Kinder im „Homeschooling“ zu betreuen, und auch die Arbeit in Haus und Hof sowie im Hofladen ging ja weiter. Dennoch sind sie sich einig: In den zwei Corona-Jahren war das entstehende Buch für sie das Highlight. „Das hat uns am Leben gehalten“, sagt Claudia Seilnacht mit voller Überzeugung und Linda Bürgin ergänzt: „Diese Zeit möchte ich nicht missen.“

Nimmt man die Reaktionen der Leser, kommen die Rezepte hervorragend an. Gerade habe wieder eine Frau angerufen, die ein ganzes Menü aus dem Buch nachgekocht hat, berichtet Bürgin.

Ob schon eine Fortsetzung geplant ist? Linda Bürgin lacht – „Die nächste Krise kommt bestimmt“.

Das Kochbuch mit dem Titel „Regional, saisonal, phänomenal“ ist in einer Auflage von 1000 Exemplaren gedruckt worden, 500 wurden bereits verkauft. Es ist zum Preis von 20 Euro im Hofladen und an den Wochenmarktständen des Bürginhofes, in den Filialen der Metzgerei Kalbacher, beim Weingut Dirk Brenneisen und im Landgasthof Rebstock in Egringen, bei Delikatessen Drei König in Lörrach sowie bei wochenmarkt24.de erhältlich.

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