Binzen Rückblick auf ungewöhnliches Jahr

Auf den Empfang musste zwar verzichtet werden. Auf die Neujahrsansprache des Bürgermeisters nicht. Wie in früheren Jahren hielt Andreas Schneucker seine Rede am traditionellen Termin. Und wie in früheren Jahren wurde der Anlass musikalisch umrahmt, diesmal von der Pianistin Deug-Yun Kim. Doch mussten sich die Binzener in diesem Jahr mit einer Videobotschaft begnügen.

Von Alexandra Günzschel

Binzen. Die vollständige Neujahrsansprache kann seit gestern Abend auf der Homepage der Gemeinde Binzen abgerufen werden. Sie dauert eine Viertelstunde. Zu Beginn präsentiert Deug-Yun Kim am Flügel im Rathaussaal die E-Dur-Sonate von Domenico Scarlatti, zum Abschluss Improvisationen auf den Türkischen Marsch von Wolfgang Amadeus Mozart.

Die Neujahrsansprache

„Mir kommt es manchmal vor, als habe im März eine neue Zeitrechnung für unsere Wohlstandsgesellschaft begonnen. An unseren Gewissheiten über die wirtschaftliche und politische Stabilität in unserem Land wurde stark gerüttelt. Auch spürten wir die Verletzlichkeit unseres Gesundheitssystems“, blickt Schneucker zurück auf das Jahr 2020.

Weiter spricht der Bürgermeister von den gesellschaftlichen Folgen, die die Krise mit sich brachte. „Besonders Familien standen plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen. Begriffe wie Homeschooling, Homeoffice und Online-Unterricht bekamen einen neuen Stellenwert in unserem Sprachschatz.“ Auch gebe es Singles und Senioren, die unter Einsamkeit litten. Und viele machten sich Sorgen um die Zukunft. Nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Folgen.

„Aber trotzdem sind wir insgesamt gut durch das Jahr 2020 gekommen“, so Schneuckers Fazit. Sein Dank dafür gilt allen, die im Gesundheitswesen arbeiten, bei Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, den Kirchen, sozialen Einrichtungen und in den Verwaltungen. „Aber ich möchte auch jedem einzelnen danken, dass Sie auf Ihre Weise dazu beitragen, dass das Leben in der Gemeinschaft auch in solch herausfordernden Zeiten funktioniert“, betont der Bürgermeister.

Sicherlich nicht klein war das Aufgabenspektrum der Verwaltung. Schneucker nennt als Beispiele unter anderem die Einrichtung eines Krisenstabs, die Beratung der Bevölkerung, die Anordnung von häuslicher Quarantäne, die Organisation der Notbetreuung in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schule sowie die Sicherstellung des Dienstbetriebs in Rathaus, Schule und Werkhof.

„Der Großteil der Bevölkerung hilft mit, die von der Regierung verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie umzusetzen“, sagt Schneucker. Es gebe jedoch eine Minderheit, die sich selbst und die eigene Befindlichkeit über die Befindlichkeiten der Gesellschaft stelle, so seine Kritik an den Verschwörungstheoretikern.

Schließlich widmet sich der Bürgermeister den Projekten im Ort, die fertiggestellt oder weiterentwickelt werden konnten: „Da war zum einen die Sanierung des Rathausareals, der Musikverein hat seine Räume bezogen. Zum anderen wurde die Sport- und Freizeitanlage planerisch weiterentwickelt.“ Für das Baugebiet „Kandergrund“, bei dem man auf das Verfahren einer Konzeptvergabe setzt, sei die Erschließung mit dem Gemeinderat besprochen und der Auftrag erteilt worden, die Detailplanung auszuarbeiten.

„Einen breiten Raum nahm das Gemeindeentwicklungskonzept ein“, so Schneucker weiter. „An der Onlineumfrage nahmen 520 Bürgerinnen und Bürger teil. Diese große Zahl hat mich persönlich sehr gefreut.“ Erfreut äußerte er sich auch über das Ergebnis der Bürgermeisterwahl im Juli, bei der ihm mit großer Mehrheit (82,7  Prozent) das Vertrauen ausgesprochen worden sei.

Von den mehr als 30 Veranstaltungen, die das kulturelle und soziale Leben in Binzen in normalen Jahren prägten, ist im Jahr 2020 kaum etwas übrig geblieben, wie Schneucker durch eine Aufzählung verdeutlichte. „Beim Aufzählen dieser Liste wurde mir wieder einmal klar, wie engagiert in den unterschiedlichen Bereichen unsere Bürgerinnen und Bürger sind“, stellt er fest, und hofft auf eine Normalisierung spätestens im Jahr 2022.

Ein kurzer Ausblick

Für das gerade begonnene Jahr steht Schneucker zufolge vor allem die Bewältigung der Corona-Krise an. „Es gibt Berge, über die man hinüber muss, sonst geht der Weg nicht weiter“, zitiert er den Schriftsteller Ludwig Thoma. „Corona ist so ein Berg. In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir den Berg gemeinsam gut überwinden.“

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