Binzen - Die gemeinsame Vortragsreihe des SAK Lörrach und des Gemeindeverwaltungsverbands Vorderes Kandertal wurde am Mittwochabend in Binzen fortgeführt. Professor Dirk Oesselmann sprach über das Thema „Helfen und Nächstenliebe“.

Ein Dutzend Besucher war zur Veranstaltung in den Rathaussaal gekommen, die von SAK-Geschäftsführer Jürgen Rausch und Bürgermeister Andreas Schneucker begrüßt wurden.

„Es geht um die Beziehungsgestaltung, und um das, was trägt. Das ist ein zentrales Thema, das man selbst auch immer wieder stark reflektieren sollte“, erläuterte Professor Dirk Oesselmann, Dozent für Gemeindepädagogik und Internationalisierung an der Evangelischen Hochschule Freiburg, der selbst für viele Jahre in der sozialen Arbeit in Lateinamerika Erfahrungen sammelte. Zur selbstkritischen Reflexion über das, was jemanden dazu bewege, etwas zu tun, stellte Dirk Oesselmann drei mögliche Ansätze aus den Bereichen der Theologie, der Sozialarbeit und der Soziologie vor.

Unter dem Aspekt der Nächstenliebe gelte es etwa zu beachten, dass es sich in der Bibel um ein Doppelgebot handle: „Liebe Deinen Nächsten, so wie Dich selbst.“ Dies bedeute, dass man sich selbst nicht aufgeben und vergessen sollte, und Nächstenliebe nicht in eine Richtung gehe, in der Erfüllung im Leben nur durch Zuwendung zu anderen gefunden werde. Im Falle des sogenannten „Helfersyndroms“ werde das Helfen zur Kompensation, und der eigene Selbstwert hänge von dem Gefühl ab, gebraucht zu werden. Einen anderen Ansatzpunkt hingegen biete die Art des „In-der-Welt-Seins“, in wechselseitiger, offener Beziehung resonanzfähig und empfindsam zu sein für das Andere.

Ursprünglich war Professor Wilhelm Schwendemann als Referent mit dem Schwerpunkt zur Frage „Hat Helfen was mit Nächstenliebe zu tun?“ vorgesehen, der jedoch krankheitsbedingt verhindert war. Professor Dirk Oesselmann nahm sich ebenfalls des Themas „Helfen und Nächstenliebe“ an, allerdings mit dem Fokus „auf den Spuren tragender Beziehungen“ als Untertitel. Sein Fazit: Helfen als Nächstenliebe sei ein kontinuierlicher Lernprozess, in dessen Verlauf beide Seiten aufeinander zuschwingen und sich in ihrem Selbstverständnis verändern lassen müssten. Dies setze voraus, dass die eigenen Hoffnungen nicht in erstarrten Erwartungen aufgelöst würden, und bedeute, sich selbst in der eigenen Position und das Verhältnis von Macht und Abhängigkeit stets zu überdenken.

Nach dem Vortrag hatten die Anwesenden noch Gelegenheit, mit dem Referenten persönlich ins Gespräch zu kommen und einzelne Aspekte zu vertiefen.