Binzen Unterschriften gegen Autobahnlärm

Beatrice Ehrlich

Sich nicht abfinden mit dem Autobahnlärm will Andrea Grether aus Binzen. Deshalb hat sie eine Unterschriftenaktion gestartet.

Von Beatrice Ehrlich

Binzen. Seit sie acht Jahre alt ist, wohnt Andrea Grether in Binzen. 1976 zog sie mit ihren Eltern in das neu errichtete Haus in der Baselstraße. Der Lärm von der nahen A 98, ursprünglich geplant als Ortsumgehung Binzen, war damals kein Thema, erinnert sie sich. Erst seit sie im vergangenen Jahr das Haus ihrer Eltern übenommen hat und wieder dort eingezogen ist, sei ihr so richtig bewusst geworden, wie laut der Verkehr auf der nahen Autobahn ist, sagt sie.

Grether öffnet die Terassentür zum Garten hinter dem Haus, wo jetzt am frühen Abend laut die Autos vorbeibrausen. Die gepflasterte Terrasse und ein Pool lassen an unbeschwerte Stunden im Sommer denken. Für Andrea Grether ist das derzeit nicht denkbar: „Ich kann den Garten gar nicht richtig genießen“, klagt sie – und man kann sie verstehen: Auch bei geschlossener Tür sind die fahrenden Autos deutlich zu hören.

Grether engagiert sich gern, besonders in ihrem Heimatort Binzen. Sie zettele gern etwas an, sagt sie. Im Gespräch mit den beiden Töchtern, die im Anbau gleich nebenan aufgewachsen sind, fiel der Entschluss: Rund 15 Jahre nach dem Versanden der jüngsten Initiative unternimmt Andrea Grether einen neuen Anlauf, um Verbesserungen beim Lärmschutz in der Gemeinde im Vorderen Kandertal zu erreichen.

Rückhalt aus der Bevölkerung

Bei der Gemeindeverwaltung und bei Gemeinderäten trifft sie mit ihrem Anliegen auf offene Ohren. Allerdings brauche man für eine entsprechende Initiative auch Rückhalt aus der Bevölkerung, wurde ihr mitgeteilt.

Die möchte sie nun mit einer Unterschriftensammlung gewinnen. Die Listen liegen bereits im Rathaus, in der Postagentur und im Stapflehus-Laden aus. Im Dezember hat sie ihr Anliegen in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vorgetragen. Seitdem haben sich schon einige Binzener bei ihr gemeldet, aus der Baselstraße und der näheren Umgebung, aber auch von der gegenübeliegenden Seite von Binzen, wo, wie ihr versichert wurde, der Autobahnlärm je nach Windrichtung genauso laut zu hören sei.

Ulrich May: „EIne fast unendliche Geschichte“

Auf der anderen Seite Binzens, nahe der Schule, wohnt auch Ulrich May, der langjährige frühere Bürgermeister der Gemeinde. „Das ist eine fast unendliche Geschichte“, ruft er aus, wenn man ihn auf die Autobahnproblematik anspricht, „ein Thema, das mich 24 Jahre beschäftigt hat“. Immer wieder habe man nach neuen Möglichkeiten gesucht, wie sich eine Verbesserung für Binzen erzielen ließe, berichtet er. Auch nachdem am 22. Juni 2005 die Berufung der Gemeinde Binzen gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Freiburg abgeschmettert worden war.

In ihrer Klage beim Verwaltungsgericht hatte die Gemeinde Binzen die Forderung an die Bundesstraßenverwaltung erhoben, die Anfang 1996 errichtete Lärmschutzwand um einen halben Meter zu erhöhen. Statt, wie ursprünglich vorgesehen, aus Stahlbeton, war die Wand aus Mineralfaser, Blech und Aluminium und nur mit zwei Metern Höhe gebaut worden. Die Forderung der Gemeinde wurde zurückgewiesen, da das Gericht die Ziele des vereinbarten „aktiven Lärmschutzes“ als erfüllt betrachtete, unabhängig von Höhe und Material der letztendlich gebauten Wände.

Die entsprechende Urteilsbegründung vom Jahr 2004 des Verwaltungsgerichts Freiburg hat Grether sich aus dem Internet ausgedruckt. Detailliert wird dort die Entwicklung nachgezeichnet – vom anfangs gar nicht vorgesehenen Lärmschutz bis hin zum Bau der bis heute stehenden Lärmschutzwände.

„Die Zeiten haben sich geändert“, findet Andrea Grether. Das Verkehrsaufkommen auf der A 98 habe zugenommen, vor allem nach dem Anschluss an die Schweizer Autobahn, die Lärmschutzwände seien heute veraltet. Mit ihrer Unterschriftenaktion will sie bewirken, dass die Gemeinde das Thema erneut aufgreift.

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