Binzen Verbindung zu den Gästen halten

Mit Take-Away-Angeboten versuchen Restaurants, sich über Wasser zu halten. Foto: sba

Kandertal  - Der erste Lockdown im Frühjahr, dann der zweite im Herbst und schließlich noch die Verlängerung in den Winter hinein: Insbesondere für Gastronomen ist es eine schwierige Zeit. Die meisten versuchen, mit Take-Away-Angeboten bei ihren Kunden im Gespräch zu bleiben und die Verluste aufzufangen. Bei drei Betrieben haben wir genauer nachgefragt.

Nichtstun gibt es bei den Gastronomiebetrieben Hechler nicht. Deshalb wird beim Weiler Hotel-Restaurant „Krone“ am Foodtruck „Charlie“ seit November Essen zum Mitnehmen angeboten. Darüber hinaus gibt es Gourmet-Kochboxen zum selbst Zubereiten für zuhause.

Um laut Inhaberin Sonja Hechler auch die Mitarbeiter bei Laune zu halten, werden sie über den Lockdown hinweg geschult. „Uns ist es wichtig, dass wir die Verbindung zu unseren Gästen und Mitarbeitern halten“, erklärt sie.

Vor Weihnachten und auch an Silvester bot der Foodtruck Speisen und Getränke zum Mitnehmen oder für den Vor-Ort-Verzehr an. „Das war schon fast ein Event für sich und die Menschen haben es sehr geschätzt“, erzählt Hechler. Schließlich konnten die „Charlie“-Besucher Raclette, Glühwein oder auch Fischbrötchen vor Ort verspeisen. „Da der Platz sehr groß ist, konnte der Mindestabstand gewahrt werden“, fügt die Inhaberin hinzu.

Doch Hechler weiß auch, dass ein Take-Away-Angebot mit viel Aufwand verbunden ist. Daher gab es am zweiten Standort in Binzen noch keine Offerte. Man wollte sich zunächst auf einen der beiden Standorte konzentrieren.

Nun soll sich dies mit der Verlängerung des Lockdowns ändern. Das Hotel-Restaurant „Mühle“ will auch ein Take-Away-Angebot für Binzener bereithalten. Schließlich sei man durch den während des ersten Lockdowns angeschafften Foodtruck flexibel. Und ohne Flexibilität gehe es seit dem Beginn der Krise nicht mehr, weiß die Inhaberin. „Es ist gut, dass wir schon früh mit dem Alternativangebot angefangen haben.“

Die Inhaberin ist zufrieden mit der Nachfrage. „Alles, was wir seither gemacht haben, wird gut angenommen.“ Gleichzeitig hebt sie hervor, dass die Einnahmen des Alternativangebots nicht an den gewohnten Umsatz heranreichen. Doch Hechler bleibt optimistisch und sieht in der Krise auch eine Chance. „Diese Zeit hat uns den Kopf freigemacht und somit Platz für neue Ideen geschaffen.“ Der Foodtruck soll als drittes Standbein nach der Krise beibehalten werden.

TuS-Sportgaststätte Binzen

Seit Beginn der Corona-Krise und mit den einhergehenden Einschränkungen in der Gastronomie hat die TuS-Gaststätte in Binzen Essen zum Mitnehmen angeboten. Im Frühjahr sei die Nachfrage noch stärker gewesen. Doch seit dem zweiten Lockdown gebe es weitaus mehr Gastronomiebetriebe, die Take-Away anbieten, erklärt auf Nachfrage Inhaberin Sieglinde Scherer.

Beschweren will sie sich trotzdem nicht: „Die Unterstützung der Menschen ist da.“ Über den Sommer hinweg und auch an den beiden Weihnachtstagen habe die Anzahl der Bestellungen geboomt. Einige seien sogar aus Friedlingen gekommen. „Die Menschen unterstützen uns sehr, daher müssen wir auch für sie da sein und ihnen etwas zurückgeben“, findet Scherer. Auch wenn das bedeutet, über die eigenen Kräfte hinauszugehen. Aber „jammern bringt nichts“. Schließlich sei es wichtig, die Kunden während des Lockdowns zu halten.

„Wir sind nicht lebensbedrohlich gefährdet. Es ist zwar nicht derselbe Umsatz, aber es reicht, um meine Mitarbeiter zu bezahlen“, sagt Scherer. Die Mitarbeiter arbeiten alle zu hundert Prozent weiter. „Niemand ist in Kurzarbeit. Wir kämpfen und stehen zusammen.“

Doch die Inhaberin sagt auch deutlich, dass es ohne die Hilfeleistungen vom Staat nicht gehen würde. Das, was im Take-Away eingenommen wird, diene gerade mal dazu, die Kosten zu decken. Falls weniger eingenommen werde, stecke sie selbst eben einmal zurück.

Dass die Gaststätten coronabedingt schließen müssen, kann Scherer verstehen. Gerade in einer Sportgaststätte gebe es viele Feiern und der Alkohol würde die Menschen zusätzlich zusammenrücken lassen. Die Gesundheit steht für Scherer an erster Stelle und sie bemerkt deshalb kritisch: „Es gibt einige, die Regeln nicht einhalten. Und jetzt müssen wir anderen ihretwegen büßen.“

Bis die Gastronomiebetriebe wieder öffnen dürfen, wird die TuS-Gaststätte weiterhin Take-Away anbieten, verspricht Scherer.

Hoangs Restaurant Kandern

Take-Away zum Abholen bietet auch Hoangs Restaurant im ehemaligen Gasthaus „Ochsen“ in Kandern an. Inhaber Quant Chien Hoang bedauert, dass die Ausgangssperre dem Abendgeschäft einen Strich durch die Rechnung zu machen scheint. „Nach 20 Uhr geht gar nichts mehr“, weiß er. Das vietnamesische Restaurant bietet deshalb nun nur noch Essen zwischen 12 und 14 Uhr und zwischen 17.30 und 20 Uhr an, wobei er empfiehlt 30 Minuten vorher zu bestellen. Montags ist immer Ruhetag.

Beim ersten Lockdown im Frühjahr sei es noch besser gelaufen, sagt der Inhaber, der von einer schwierigen Situation spricht, auch weil er weiterhin Kredite zu bedienen hat. Die staatlichen November-Hilfen fielen ihm zufolge für sein Restaurant nicht gerade üppig aus.

Derzeit wird der eingeschränkte Betrieb mit zwei Angestellten aufrechterhalten. Hoang hofft auf eine Verbesserung im Februar sowie auf die wärmeren Monate, wenn er sein Gartenlokal wieder öffnen kann. „Bis dahin müssen wir weiter kämpfen. Es geht nicht anders“, sagt der Inhaber.

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