Binzen Vermögen kann sich sehen lassen

Beatrice Ehrlich

Über ein stabiles Fundanment für die kommenden Jahre verfügt die Gemeinde Binzen. Die kommunalen Gebäude, Straßen und Brücken sind in Schuss, hinzu kommen gut angelegtes Festgeld und Beteiligungen an Unternehmen.

Von Beatrice Ehrlich

Binzen. Im Zuge der Verabschiedung des Haushaltsplans für 2022 hat GVV-Verbandsrechnerin Melanie Dittmar dem Gemeinderat eine vorläufige Vermögensbilanz der Gemeinde vorgelegt. Im Rat war zuvor der Wunsch laut geworden, sich einen Überblick über die Vermögenssituation zu verschaffen.

Bilanzierungsleitfaden als Grundlage

Bei einem Treffen im Rathaus zum Jahresende führt Dittmar genauer aus, wie die Vermögensübersicht der Gemeinde Binzen entstanden ist. Bereits 2019 ist die Haushaltsplanung umgestellt worden vom bisherigen kameralistischen System auf die doppelte Buchführung, wie sie auch in Unternehmen üblich ist.

Die Jahresabschlüsse stehen aber seitdem noch aus. Das liegt daran, dass aufgrund noch fehlender Werte aus dem Wasser- und Abwasserbereich noch keine Eröffnungsbilanz für die Gemeinde Binzen – wie auch für die meisten anderen Gemeinden im Verwaltungsverband – erstellt werden konnte. Die im Haushaltsplan zu berücksichtigenden Abschreibungen seien für die vergangenen Jahre aber bereits einkalkuliert worden, betont die Kämmerin, wenn auch im Moment nur vorläufig.

Der Vermögensaufstellung liegen die im Bilanzierungsleitfaden Baden-Württemberg festgehaltenen Vorschriften zugrunde, laut Dittmar „ein kleines Buch“. Darin ist genau festgehalten, wie der Wert jedes einzelnen Vermögensgegenstands ermittelt werden muss. Im Fall kommunaler Grundstücke wird dabei der Bodenrichtwert pro Quadratmeter zum 1.1.1974 zugrundegelegt, im Fall von Gebäuden der Gebäudewert in Goldmark von 1914, wie er auch für Gebäudeversicherungen als Berechnungsgrundlage gilt.

Den größten Anteil am Vermögen der Gemeinde Binzen machen demnach die kommunalen Gebäude aus. Ihr bilanzieller Gesamtwert beläuft sich auf rund 20 Millionen Euro, darunter das Rathaus mit 1,2 Millionen und der Oberlin-Kindergarten mit rund 700 000 Euro, aber auch die Gemeindehalle und Wohnungen in Gemeindeeigtentum. Nach den Häusern kommen die Kanäle für Wasser und Abwasser mit einem bilanziellen Wert von voraussichtlich rund 6,2 Millionen Euro, gefolgt von den Grundstücken mit rund 5,9 und den Straßen der Gemeinde mit runden fünf Millionen Euro. Auch wenn man sich den konkreten Wert mancher kommunalen Gebäude oder gar Straßen nur schwer vorstellen könne, gewinne man durch die Vermögensaufstellung einen guten Überblick darüber, wie die Gemeinde dasteht, unterstreicht Dittmar.

Im Fall der Straßen und Gehwege, für die mithilfe eines externen Unternehmens ein Kataster erstellt wurde, bilden sich Zustand und Sanierungsbedarf ebenso in der Vermögensaufstellung ab wie bei den Gebäuden.

Fiktives Anschaffungsjahr bei Gebäuden

Bei letzteren wurden anhand eines fiktiven Anschaffungsjahrs – etwa beim Rathaus das Jahr 1973 – eine voraussichtliche Restnutzungsdauer festgelegt, die sich wiederum aus der Art der Nutzung jedes einzelnen Gebäudes ergibt.

Alle Vermögensgegenstände, die erst nach dem Beginn des Jahres 2012 erworben worden sind, werden mit ihrem tatsächlichen Kaufpreis bilanziert. 1,5 Millionen Euro sind als Festgeld zu günstigen Konditionen angelegt: eine Million Euro zu einem Zinssatz von 2,1, weitere 500 000 Euro zu einem Zinssatz von 0,5 Prozent. Dem gegenüber stehen Schulden in Höhe von derzeit 4,3 Millionen Euro. Diese waren in den vergangenen Jahren für die Erweiterung des kommunalen Wohnhauses und für die Weiterentwicklung des Kandergrunds aufgenommen worden. Die Schulden seien aber rentierlich, macht Bürgermeister Schneucker deutlich, denn Jahr für Jahr lege man ein Zehntel der Kreditsumme zurück, um den Gesamtbetrag nach dem Ablauf von zehn Jahren ablösen zu können.

Der Aufwand für die Aufstellung der Haushalte nach dem neuen kommunalen Haushaltsrecht sei wegen der regelmäßig zu ermittelnden Vermögenswerte und Abschreibungen deutlich höher als bisher, merkt Bürgermeister Schneucker an. Beim Gemeindeverwaltungsverband Vorderes Kandertal sei allein dafür eigens eine neue Stelle geschaffen worden.

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