Binzen Wettbewerbe, Rekorde und Krisen

Heike und Bernhard Frick haben jahrzehntelang das gleichnamige Weingut in Binzen geführt. Foto: Alexandra Günzschel

Strahlender Sonnenschein, der auf die Rebstöcke fällt. Dazu fröhliche Menschen mit einem Behälter auf dem Rücken beim entspannten Herbsten der prallen Reben: Über dieses idealisierte Bild können Heike und Bernhard Frick nur müde lächeln. „Die Trauben müssen nach der Lese schnell in den Schatten“, erklärt das Winzerehepaar im Ruhestand. Im Jahr 2017 haben sie ihren letzten Wein gekeltert.

Von Alexandra Günzschel

Binzen. „Ich möchte dieses Jahr kein Winzer sein“, sagt Bernhard Frick, ein wenig froh darüber den Absprung geschafft zu haben. Denn das nasskalte Wetter fordert den Weinbauern einiges ab. Selbst bei resistenten Sorten kommt man dem Winzer zufolge in solchen Jahren nicht ohne Spritzmittel aus. Vor besonderen Herausforderungen stehe der Ökoanbau.

Im Weinberg verzichteten die Fricks auf Herbizide und Kunstdünger, sie experimentierten auch ein wenig mit Bioanbau, ein Bio-Betrieb waren sie nicht. Das Weingut Frick hat sich vor allem mit besonders trockenen Tropfen – „ohne Restsüße“ – einen Namen gemacht.

Bereits mit 15 begann Frick eine Winzer-Lehre am Kaiserstuhl. Mit 17 füllte er – zurück auf dem heimischen Hof – seinen ersten Wein ab, schon damals ein trockenes, leckeres Tröpfchen, wie er sagt. Mit 18 Jahren folgte die Ausbildung zum staatlich geprüften Weinbautechniker.

„Es war knallharte Arbeit“, sagt Heike Frick-Bär rückblickend. Die gelernte Altenpflegerin kam im Jahr 1993 nach Binzen, wo die Hochzeit anstand. Frick setzte von da an ganz auf die Reben. Gemeinsam bewirtschaftete das Ehepaar vier gepachtete Hektar des elterlichen Bauernhofs, ein Kleinbetrieb. Das Weingut Frick sollte vor allem für Qualität stehen.

Über die Jahre ließen sich die Eheleute so einiges einfallen, um ihre Weine zu vermarkten. In Binzen waren sie die ersten Winzer mit einer Homepage, 1999 kelterten sie dort den ersten Eiswein, im Folgejahr die erste Trockenbeerenauslese.

In Badehose geherbstet

Noch gut erinnern sich beide an den Extremsommer im Jahr 2003. „Da haben wir in Badehose geherbstet.“ Bei dieser Trockenbeerenauslese reichte es am Ende für den badischen Oechsle-Rekord – 278 Grad wurden gemessen.

Ganz anders war das Herbsten im Jahr 1995: „Da hat es geschüttet wie aus Eimern und wir mussten ständig ins Auto“, erinnert sich Heike Frick-Bär.

Jahrelang hat sich das Winzerehepaar an Wettbewerben beteiligt. Das sei viel Stress gewesen, andererseits erfüllten die Preise auch mit Stolz. Dabei war die Goldmedaille für einen Chardonnay beim Wettbewerb AWC Vienna 2016 ein Höhepunkt.

Abnehmer waren die lokale Gastronomie, aber auch ein kleiner Laden in Berlin. Darüber hinaus wurden die Frick-Weine deutschlandweit über einen Internet-Shop vertrieben. Für den Binzener „Ochsen“ gab es eine Sonderabfüllung, den „Rosa Ochs“. Und sogar die Bundeswehr in Kabul wurde regelmäßig mit Sekt aus Binzen beliefert.

Kreativ ging das Winzer-Ehepaar mit der so genannten Müller-Thurgau-Krise um. „Plötzlich wollte keiner mehr Müller-Thurgau haben“, beschreibt Frick das Problem. Was also tun mit den Reben in bester Qualität?

Die Fricks holten die Trauben früh, bauten sie leicht und spritzig aus und gaben dem Endprodukt den peppigen Namen „Lenz“ mit einem Tulpenmotiv auf dem selbst entworfenen Etikett. Die Traubensorte wurde dabei unterschlagen, so dass die Kunden den Tropfen unvoreingenommen verkosten konnten – zumeist mit dem gewünschten Ergebnis.

Weinprobe mit Quiche

Hilfreich beim Vermarkten der Weine war auch Bernhard Fricks Talent als ambitionierter Hobbykoch. Regelmäßig wurde in der Probierstube zu Weinproben eingeladen, zu denen Frick passende Häppchen, etwa Birnen-Roquefort-Quiche, kredenzte. Die Zutaten dafür wurden eigens aus Frankreich importiert.

Ausgesprochen gut kamen auch die Candlelight-Weintastings im Gewölbekeller des Weinguts an, dessen Ursprünge auf das 16. Jahrhundert zurückgehen.

Und auf dem Lörracher Weihnachtsmarkt machten die Binzener schon früh mit ihrem weißen Glühwein von sich reden. Dazu gab es gefüllte Gutedelblätter, „klassisch türkisch mit Pinienkernen, Rosinen und Dill“, verrät der Hobbykoch.

Maßgeblich beteiligt war Frick am Entstehen der „RebKulTour“, einer kulinarischen Weinwanderung der Binzener Winzer und Gastronomen. Zusammen mit Hans­peter Beck hatte er Namen und Logo entwickelt.

Trotz aller schönen Erinnerungen und der Arbeit in den Reben, die beide hin und wieder vermissen: Heike Frick-Bär ist froh, wieder einschlafen zu können, ohne zu überlegen, was alles noch getan werden müsste.

Der Sohn der beiden wollte das Weingut nicht weiterführen. Die Rebstöcke sind verpachtet oder werden bewirtschaftet.

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