Böllen Kritik an Lager für Straßenaufbruch

Die Oberbadische
Diese Ablagerung von Straßenaufbruchmaterial auf Gemarkung der Gemeinde Böllen wird vom BUND kritisiert.Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Für großen Unmut bei Umweltschützern sorgt seit einiger Zeit eine Lagerung von Straßenaufbruchmaterial in einem Waldstück in Böllen in der Nähe des Böllenbachs. „Dieses Material ist auf jeden Fall kontaminiert“, sagt BUND-Mitglied Dieter Berger und beklagt, dass der Bereich nicht ordentlich und fachmännisch gesichert sei. Das Landratsamt teilt mit, dass keine Genehmigung für das Lager vorliegt und dass das Material entfernt werden muss.

Von Peter Schwendele

Böllen. Dieter Berger war mehrmals vor Ort, unter anderem zusammen mit Markus Wursthorn, dem Regionalvorstand des BUND Hochrhein, sowie den Schopfheimern Erhard Schöpflin und Bernd Marterer, die vor einigen Wochen die fragliche Stelle im Wald entdeckt und daraufhin das Umweltministerium sowie das Landratsamt Lörrach auf die Situation aufmerksam gemacht hatten.

Laut Berger enthält der Straßenaufbruch Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), eine Stoffgruppe, die vom Umweltbundesamt als für Mensch und Umweltorganismen „besorgniserregend“ bezeichnet wird. Dies habe eine Beprobung des Materials seitens des BUND vor Ort mit einem sogenannten PAK-Detektor ergeben. Eine mittels des Geräts ausgelöste Farbveränderung des Materials entsteht laut Berger erst ab einem Wert von 50 Milligramm pro Kilogramm; der Grenzwert für PAK liege indes bereits bei zehn Milligramm.

Berger ist besonders bestürzt darüber, dass das Abbruchmaterial seiner Beobachtung nach „nur etwa fünf Meter“ vom Böllenbach entfernt gelagert wird. Die Abdeckung der Ablagerungen würden zudem ihren Namen nicht verdienen, was besonders bedenklich sei, da PAK wasserlöslich sind. „Das Ganze ist unverantwortlich“, findet Berger deutliche Worte.

Der gesamte Zustand des Bauschuttlagers lasse keinen anderen Schluss zu als den, das, insbesondere auch aufgrund der starken Regenfällen in der letzten Zeit, umweltschädliche Stoffe in die Natur gelangen. Dies wiege umso schwerer, weil es sich beim Böllenbach um ein eingetragenes Biotop handle und weil das betreffende Flurstück im Biosphärengebiet Schwarzwald (Pflegezone) und im Naturpark Südschwarzwald liege und teilweise mit einem Naturschutz-, FFH- und Vogelschutzgebiet überlappe.

Weniger dramatisch sieht Böllens Bürgermeister Bruno Kiefer die Situation. Das fragliche Material stamme aus einer Straßensanierung in Oberböllen. Es handle sich um ein reines Zwischenlager, das in dem Waldstück eingerichtet worden sei, weil man keinen anderen Platz zur Verfügung gehabt habe. Es sei klar, dass das Material nach einer Beprobung wieder entfernt werde. Dies gelte auch für das Material, das auf einer Länge von etwa 50 Metern für die Befestigung des Zufahrtwegs zur Ablagerungsstelle genutzt worden sei.

Was die Absicherung des Platzes angeht, meint Kiefer, es sei Sache des Bauunternehmens, sich darum zu kümmern. Der Bürgermeister sieht den fraglichen Bereich rund 50 Meter vom Bach entfernt und betont: „Ich habe keine Umweltbedenken.“ Im übrigen sei die Gemeinde in dieser Sache mit dem Landratsamt in Kontakt.

Die Behörde bestätigt auf Nachfrage, dass es sich um ein Zwischenlager für Erdaushub und Straßenaufbruch und die Auffüllung zwecks Verbreiterung des Zufahrtswegs zu diesem Zwischenlager handelt. Ein solches Zwischenlager in dieser Größe sei immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftig, lässt die Pressestelle des Landratsamts wissen. Diese lag nicht vor und konnte auch nicht in Aussicht gestellt werden, heißt es weiter. Deshalb werde das Lager mitsamt der Wegverbreiterung dieser Tage wieder entfernt.

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