Efringen-Kirchen Alltag einer Bürgermeisterin

Beatrice Ehrlich

Auf Antrittsbesuch mit Carolin Holzmüller

Im Rathaus Efringen-Kirchen weht ein neuer Wind: Die Tür steht offen, der verstellbare Schreibtisch steht auf der höchsten Position. In knallorangenen Turnschuhen, passender Jacke und Tasche, ist die neue Bürgermeisterin Carolin Holzmüller startbereit für eine Reihe von Antrittsbesuchen, bei denen sie unsere Zeitung begleiten darf. Heute beginnt ihr Tag in der Küche des Schulzentrums und endet abends mit einem Treffen mit Landrätin Marion Dammann zum Thema Starkregen.

Zur anfänglichen Irritation einiger arbeite sie stets bei offener Tür, sagt Holzmüller. Das Rathaus soll insgesamt offener werden – wie im Wahlkampf versprochen. Das müsse aber im Team abgestimmt sein und in die Arbeitsabläufe aller Beteiligten passen. Derzeit führe sie „Kennenlerngespräche“ mit jedem einzelnen. Neben der Bürgersprechstunde mit festem Termin könnte sie sich auch ein „offenes Format“ vorstellen. Eine größerer Tisch wäre dafür nicht schlecht, überlegt sie. Ansonsten nutzt sie das, was da ist. „Setz Dich nicht auf den Stuhl Deines Vorgängers“, diesen Rat eines früheren Wegbegleiters hat sie nicht beim Wort genommen. Eine neue Büroausstattung brauche sie nicht. „Da bin ich eher sparsam“, sagt sie.

In der Mensa

Es sind nur einige Schritte vom Rathaus hinüber zur Mensa des Schulzentrums, wo sie zum ersten Termin verabredet ist. Die Mensa gehört zu wenigen in Baden-Württemberg, in denen noch selbst gekocht wird – ein Alleinstellungsmerkmal. Mensa-Leiterin Andrea Däublin-Schmid führt durch die Küche und erklärt die Abläufe, von der Lieferung des Bio-Gemüses bis zum fertigen Gericht auf dem Teller, zu dem jeden Tag auch ein Salat und ein Nachtisch gehören. Seit der Corona-Zeit kämen immer weniger Schüler zum Essen, klagt Mensa-Mitarbeiterin Heide Gehring. „Uns interessiert einfach, wie’s weitergeht“, antwortet Däublin-Schmid auf die Frage Holzmüllers, was die beiden ihr gern mitgeben würden. „Mehr Wertschätzung“ für ihr Tun wünschen sich beide.

Zu Linsenlasagne und Schwarzwälder-Kirsch-Dessert wird die Bürgermeisterin später noch einmal in die Mensa zurückkommen. Für sie geht es jetzt im Rektorat weiter, wo sie mit Schulleiter Timo Pilz und seinem Stellvertreter Frank Hofmaier verabredet ist. Anhand der gerade abgelaufenen „Woche der Berufsorientierung“ erklärt Pilz, worauf es ihm ankommt in seiner Realschule, auf den Realitätsbezug nämlich.

Beim Schulleiter

„Wir holen die Betriebe bewusst rein“, sagt er. Immer wieder seien auch ehemalige Schüler zu Gast, die berufliche Möglichkeiten aufzeigen würden, freut er sich. Hofmaier betrachtet die erfolgreichen Absolventen von einer anderen Seite: „Es ist schön zu sehen, wenn unsere Arbeit Früchte trägt“. Als weitere Merkmale der Schule schildern die beiden schulartübergreifende Projekte mit den im Haus befindlichen Grundschulklassen, und nicht zuletzt: die digitale Ausstattung. Durch das gemeinsame Ziehen an einem Strang mit dem Kollegium und der Gemeinde sei man bestens ausgestattet und habe alle möglichen Fördergelder abrufen können, erklären die beiden stolz. Ein Meilenstein sei das für die Schule gewesen. Nach und nach werde nun das Kollegium im Umgang mit der neuen Technik geschult, etwa bei einem pädagogischen Tag im vergangenen Jahr, erläutert Pilz, der selbst erst im April 2020 als Schulleiter an die Schule gekommen ist. Holzmüller zeigt sich beeindruckt, gibt aber auch zu bedenken, dass sich nicht jede kleine Gemeinde den nötigen Eigenanteil leisten könne, um an die Fördergelder zu kommen. „Wenn ich die 50 000 Euro nicht habe, dann komme ich auch an die anderen 50 000 nicht dran.“

Im Untergrund

Wie es im Schulhaus aussieht, erfährt Holzmüller schließlich bei einem Rundgang mit Benjamin Wilfroth und Sven Kunze, den beiden Hausmeistern des Schulzentrums. Mit spürbarer Begeisterung, so, als sei es ihr eigenes Haus, führen die beiden die Bürgermeisterin durch alle drei Gebäudeflügel der Schule. Sie öffnen die Türen zu Fachräumen, zum Aufenthaltsraum, aber auch zum Heizraum unter der Schule, in dem der Pellets-Brenner brummt, der auch die umliegenden Gebäude einschließlich des Rathauses mit Wärme versorgt.

Holzmüller hört aufmerksam zu, schaut genau hin, auch beim Blick auf einen der beiden Schulgärten, die gemeinsam mit Schülern angelegt wurden. „Mehr Kunst“ im Schulhaus würde sich Wilfroth wünschen. So wie die tollen Fotografien mit gigantischem Gemüse, die an den Wänden der Mensa hängen, wo der Rundgang pünktlich zum Mittagessen endet. Holzmüller hält die Bilder mit dem Handy fest.

Apropos orange: Zu dieser Farbe habe ihr nicht eine Agentur geraten, wie manche vermuten. Schuld sind vielmehr „verdammt bequeme orange Sneakers“, für die sie sich als 16-Jährige begeistert hat – heute ein Markenzeichen.

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