Auf dem Turm der Christuskirche hat sich ein Storchenpaar eingerichtet, jenseits der Bruchsteinmauer ist auf dem Gelände des Hofguts aus dem 16. Jahrhundert ein moderner Komplex entstanden, der historische Bauten mit moderner Wohnkultur verbindet. Am Samstag gehörte das „Gässle 19“ zu den Besichtigungsobjekten der Architekturkammer Baden-Württemberg.

Von Gerhard Breuer

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Efringen-Kirchen . Im Zentrum des Dorfs Kirchen lag der ehemalige Gutshof brach, Gebäude und Umgebung waren heruntergekommen. Die Siedlungswerkstatt mit Sitz in Konstanz sieht es als eine ihrer Aufgaben an, im Rahmen der Projektentwicklung Grundstücke umzunutzen und zu bebauen, wobei alte Substanz nach Möglichkeit erhalten und neue integriert wird.

Der Geschäftsführer der Siedlungswerkstatt, Erich Baumann, wohnt in Kirchen und suchte 2014 Interessenten für das Projekt „Gässle 19“. Schließlich hat eine Bauherrengemeinschaft mit fünf Mitgliedern das Grundstück von 2000 Quadratmetern gekauft und Umbau- und Neubauaufträge vergeben.

Gesamtkomplex für 4,5 Millionen Euro saniert

Das historische Wohnhaus wurde renoviert, das Leibgedinge-Haus an der Mauer umgestaltet, während die Scheune eine neue Holzkonstruktion unter alter Fassade erhielt, entsprechend den Vorgaben des Denkmalschutzes. Das Konzept der alten Bauten plus drei Neubauten wurde im ersten Anlauf vom Denkmalamt genehmigt.

Allerdings waren, wie Baumann berichtete, noch 15 weitere Anträge an die Behörde wegen Änderungen oder Ergänzungen erforderlich. Die Kosten für den Gesamtkomplex beliefen sich auf 4,5 Millionen Euro.

Die alte, aufgewertete Substanz ist am weißen Mörtel zu erkennen, die neuen Bauten haben eine schwarze Verschalung. Das neue Einfamilienhaus mit einer kleinen Ferienwohnung im Ostteil misst 380 Quadratmeter und hat einen großen Garten, die beiden neuen Gebäude sind auf zwei kompakten Flächen von je 200 Quadratmetern erbaut. Der Komplex wird mit Pelletfeuerung zentral beheizt und entspricht höchstem Energiesparstandard. Die Bruchsteinmauer, die alle Gebäude umschließt, steht unter Denkmalschutz und musste, da sie einsturzgefährdet war, für 60 000 Euro neu aufgebaut werden. Zum „Gässle“ hin bildet das ehemalige Backhaus den Abschluss. Es gehört wie die Kirche zu den ältesten Gebäuden des Dorfzentrums.

An der Nordseite des Geländes befindet sich das Leibgedinge-Haus, in dem früher die Eltern der Bauern untergebracht waren. Heute ist, wie Baumann erklärte, daraus eine „schnuckelige kleine Wohnung“ geworden im Stile des „cosy living“ (klein und gemütlich wohnen). Darunter dient der historische Gewölbekeller für Veranstaltungen und Präsentationen der Siedlungswerkstatt.

Die Besichtigungen am „Tag der Architektur“ zeigten Fachleuten und Interessierten herausragende Projekte. Christoph Geisel brachte eine Busladung von 50 Personen über Wollbach nach Kirchen. „Wir haben es ein Jahr ausfallen lassen, aber die Nachfrage war so groß, dass wir diesmal einen großen Bus chartern mußten“, berichtete der Architekt aus Lörrach. Es ist gelungen, sagte Erich Baumann, im historischen Teil des Dorfs lichtdurchfluteten, modernen Wohnraum entsprechend den höchsten Energiestandards zu schaffen. „Mieter und Eigentümer sind sehr zufrieden.“