Efringen-Kirchen Anlagen leiden unter der Kälte

Die Reben befinden sich noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium und sind vom Frost weniger als die Obstanlagen betroffen. Foto: Alisa Eßlinger

Efringen-Kirchen - Nach den beinahe sommerlichen Tagen vor Ostern fielen die Temperaturen in den vergangenen Tagen rapide ab. Die Minusgrade und der Schneefall haben in den Anlagen der Obstbauern voraussichtlich beträchtliche Schäden angerichtet, der Wein ist hingegen mit einem blauen Auge davongekommen.

Die Lage stellt sich unterschiedlich dar, je nachdem, welche Pflanzen man betrachtet, erklärt Michael Lang. Seine Reben hätten den Kälteeinbruch verhältnismäßig gut verkraftet. „Sie sind im Entwicklungsstadium noch relativ weit hinten“, sagt der Landwirt aus Wintersweiler.

Beim Steinobst sehe es anders aus. Dort habe es wohl erhebliche Schäden gegeben, berichtet Lang. Um diese genau zu beziffern, sei es aber noch zu früh.

Die frühsommerlichen Temperaturen unmittelbar vor dem Kälteeinbruch haben die Situation ein Stück weit verschärft, allerdings betont Lang zugleich, dass bei Minus vier Grad auch geschlossene Blüten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Negativ habe sich zudem die hohe Luftfeuchtigkeit und die damit verbundene Verdunstungskälte ausgewirkt. Durch den Schneefall stellte sich zudem der Schutz der Anlagen schwierig dar. Denn vom Aufspannen der Hagelnetze und Foliendächer, durch die die Wärme etwas stärker in den Anlagen gehalten werden kann, sah Lang ab. Zu groß sei die Gefahr gewesen, dass die Konstruktionen unter der Last der schweren, nassen Schnees zusammenbrechen.

Bei den für die kommenden Tage angekündigten Temperaturen direkt unter null Grad komme es voraussichtlich zu keinen weiteren größeren Schäden in den Anlagen. „Gleichzeitig ist es aber unklar, ob wir schon alles überstanden haben“, sagt Lang auch mit Blick auf mögliche künftige Frostereignisse. Denn die Eisheiligen sorgen häufig auch im Mai nochmals für Minusgrade.

Insgesamt sei die Situation „ernüchternd“, sagt der Landwirt. „Leider ist eben auch das unser täglich Brot“, blickt er auf die Frostnächte. Damit müsse man sich arrangieren. Gravierend sei allerdings die Häufigkeit, mit der es inzwischen zu Frostschäden komme. Neben 2020 ist diesbezüglich auch nach wie vor das Jahr 2017 in Erinnerung geblieben.

Trotz weniger Blüten noch voller Ertrag möglich

Auch Kevin Brändlin kann sich an den Frost von 2017 noch gut erinnern. Allerdings seien Huttingen und Blansingen damals weitestgehend verschont geblieben. Schlimmer waren für Brändlin die Frostnächte im vergangenen Jahr. Damals wurde versucht, durch das Schließen der Foliendächer und Hagelnetze sowie durch das Aufstellen von Frostkerzen das Schlimmste zu verhindern.

Das sei dieses Mal nicht möglich gewesen. Denn ähnlich wie Lang weist auch Brändlin auf die Gefahr durch die Schneelast hin. Er habe die Foliendächer daher nur bei einer einzigen Anlage versuchsweise geschlossen. „Wir standen sozusagen mit dem Messer parat, um die Folie bei Bedarf aufschneiden zu können“, berichtet der Obstbauer.

Das Aufstellen von Frostkerzen ergebe darüber hinaus nur Sinn, wenn damit eine Thermik unterstützt werden kann, die kalte Luft in die Täler ableitet. Das war heuer aber nicht gegeben. „Bei uns auf der Höhe war es kälter als im Tal“, blickt Brändlin auf den Wintereinbruch der vergangenen Tage zurück.

Etwa 80 Prozent der Blüten habe es „erwischt“. Das aber, so betont Brändlin, müsse nicht zwangsläufig bedeuten, dass auch der Ertrag bei der Ernte gering ausfallen wird. „Man neigt in einer solchen Situation ein wenig zum Schwarzsehen“, sagt er. Allerdings können zahlreiche Obstkulturen auch mit nur 20 bis 30 Prozent der Blüten den vollen Ertrag bringen. Daher lasse sich auch erst nach den Eisheiligen eine zuverlässige Prognose abgeben. Lediglich bei den Aprikosen sei wohl nichts mehr zu machen, weil diese das Blütenstadium bereits hinter sich hatten.

Brändlin hofft nun, dass es in den kommenden Nächten nicht zu weiteren Frostschäden kommt. Abzuschätzen, wie sich die Wetterlage entwickeln wird, sei derzeit schwer, betont er. Auch, weil aufgrund der Corona-Krise weniger durch Flugzeuge ermittelte Wetterdaten zur Verfügung stehen.

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