Efringen-Kirchen Auf der Autobahn der Vergangenheit

Viel zur Geschichte der Straßen und zur Besiedlung auf der Britsche erfuhren mehr als 35 Wanderer von Museumsleiterin Maren Siegmann (links). Foto: Jutta Schütz

Efringen-Kirchen - Jede Menge interessante und witzige historische Details zu Straßen, Bebauung und Umgebung der Britsche, zu Leusel- und Katzenberg gab es für die mehr als 35 geschichtlich interessierten Wanderer bei einem Rundgang mit Maren Siegmann.

„Ein Weg, ein paar Häuser, viele Geschichten – kleine Zeitreise zwischen Britsche und Katzenberg“ hieß die historische Wanderung mit der Museumsleiterin.

Der Weg über die Britsche war einmal so etwas wie die Autobahn zwischen Basel und Frankfurt – wobei zugegeben: Auf dem Rhein selbst oder auf elsässischen Rheinseite ging es noch schneller, denn dort war mehr Platz in der Ebene vor den Vogesen. Trotz der Anstiegsmühen wählten schon in grauer Vorzeit die Menschen die Britschenhöhe als Siedlungs-, Kult- oder Begräbnisplatz und die Straße über die Vorlandhügel als Verbindungsweg, berichtete Siegmann. Eine Aussicht hat auch Vorteile – etwa auf nahende Feinde im Kriegsfall, so die Museumsleiterin.

Auf vielen laminierten Karten zeigte sie den Verlauf der Handelswege im Südwesten, darunter die wichtige Straße von Basel über die Britsche zur Kaltenherberge, weiter zum „bösen“ Schliengener Berg – und umgekehrt. Noch im Jahr 1827 war der Britsche-Weg mit einer „Autobahn“ vergleichbar. Denn vor der Rheinkorrektur gab es entlang des Flusses keine direkte, mit Wagen zu befahrende Verbindung zwischen Efringen, Kirchen und Bad Bellingen.

Auf der Britsche – das Wort kommt vermutlich vom Ausdruck für aneinandergelegte Hölzer, „Britschen“, mit denen man am Fuß des Berges eine Brücke über den Bach baute – konnte man an einer Station, der späteren Rössle-Gaststätte, die Pferde wechseln, essen und logieren, desgleichen an der Kaltenherberge.

Um den Pferden den Weg bergauf zu erleichtern, trug man um 1775 sogar einen Teil der Bergkuppe ab. Was man übrigens dann auch mit der „Schliengener Steige“ tat, die im 18. Jahrhundert aber noch bis zu 20 Prozent Steigung aufwies. „Zwischen 16 und 20 Pferde wurden den Wagen vorgespannt, um die Steigungen zu überwinden“, so Siegmann.

Antike und frühgeschichtliche Funde

Die Britsche ist ein Fundort für frühgeschichtliche Keramik und für Grabschmuck. Siegmann zeigte an Beispielen, was hier an Funden gemacht und dokumentiert wurde, so zum Beispiel römisches Glas, das möglicherweise ein Badehaus schmückte, und einen Armreif aus der Hallstatt-Zeit (ab 800 v.Chr.).

Die Straße war auch „Postweg“. Wer genügend Geld hatte, konnte ab 1774 eine „Express-Postkutsche“ nutzen, die zwischen Basel und Frankfurt fuhr, und das auch nachts. Fünf Tage dauerte die Reise. Allgegenwärtig war der Zoll, ob bei wechselndem Herrschaftsbereich, auf dem Fluss, auf Brücken, an Stadtgrenzen oder Straßen. Wobei es auch hier Unterschiede gab. Handelsreisende berichteten, dass französische Zöllner höflich und zuvorkommend waren, was das Reisen auf der anderen Rheinseite noch angenehmer machte.

Warum also überhaupt den beschwerlicheren Weg über Britsche und Schliengener Berg nehmen? „Weil beschwerliche Wege zumindest bei Zoll und Maut billiger in der Nutzung waren“, erklärte Siegmann. Mit der Maut sollten Straßen instandgehalten und Furtübergänge gesäubert werden – das sollten die Anlieger machen, sprich Dörfer und Landwirte. Steinbrüche wie bei Huttingen und Blansingen lieferten das Ausbesserungsmaterial. Dem kam man aber nur sporadisch nach.

Um 1700 wurden Gabelfuhrwerke, in denen man Pferde hintereinander anspannte, verboten, denn diese verursachten tiefe Fahrrinnen. 1770 gab es fast nur noch Gespannwagen, wobei zwei Pferde nebeneinander liefen. Die Straßen wurden so automatisch breiter.

Räuber und Mörder lauerten den Reisenden natürlich auch auf. 1757 etwa wurde bei Eimeldingen auf der Straße ein Seidenbandhändler umgebracht. „Nachts ist damals niemand, der es vermeiden konnte, gereist“, erzählte Siegmann.

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