Efringen-Kirchen Ausflug in steinzeitliches Bergwerk

Die Bergwacht sicherte den Aufstieg zum ehemaligen steinzeitlichen Bergwerk in Kleinkems. Foto: Jutta Schütz Foto: Weiler Zeitung

Kleinkems (jut). Fast, könnte man sagen, hat der „Tag des Geotops“ ein Abo auf schönstes Spätsommerwetter. Es schauten am steinzeitlichen Bergwerk in Kleinkems auch dieses Jahr viele Besucher vorbei. Spaß hatten nicht nur die Kinder: Die Kombination von Klettern – ein Aufstieg zum Bergwerk sicherte die Bergwacht mit Sarah Strack und Bernhard Auer – Feuer schlagen und Pfeil- beziehungsweise Speerwurf, begeisterte Groß und Klein.

Die seit mehreren Jahren beliebte Veranstaltung wurde wieder durch die Zusammenarbeit der Bergwacht mit dem Museumsförderkreis „Alte Schule“, Museumsleiterin Maren Siegmann und Joachim Gröbke möglich.

Gröbke, der auch zur Entdeckungs- und Forschungsgeschichte des Bergwerks Fakten bereit hielt, führte durch dessen Überreste. Er erklärte vor Ort den Jaspisabbau in der Zeit zwischen 4250 und 4050 v. Chr. und wie der Abbau an der Wand der Kachelfluh auf mehreren Ebenen erfolgte – nämlich größtenteils über Kopf.

Das Bergwerk selbst wurde 1939 gefunden, als für die ehemalige „Zementi“, die Zementfabrik von Kleinkems, ein Gleisanschluss geschaffen wurde. „Ein Schädel und zwei Skelette rollten den Arbeitern buchstäblich vor die Füße“, erläuterte Siegmann. Leider seien die Knochen nicht mehr vorhanden oder man wisse einfach nicht, wo diese eingelagert wurden, sonst könnte man mit heutigen Methoden feststellen, ob die beiden Toten dort nur bestatten wurden oder ob sie sogar Arbeiter im Bergwerk waren. „Denn es ist jetzt möglich, aufgrund der Knochenstruktur auf die Muskelmasse zu schließen“, gab sie an staunende Erwachsene und Kinder weiter. Männer holten rund 40 Kilo schwere Felsblöcke über Kopf aus dem Gestein, Frauen und Kinder schafften diese über Leitern zu Tal. „In Österreich fanden sich kleine Lederschuhe, die an den Ballen ganz dünn waren – daraus kann man schließen, dass diese Schuhe von Kindern getragen wurden, die häufig auf Leitern steigen mussten“, schilderte sie.

Feuermachen war eine Herausforderung

Feuerschlagen wie in der Steinzeit ist nicht einfach. Pyrit, Markasit oder ein Schlageisen sowie Zunder, ein brennbarer Baumpilz, sind erforderlich. Mit Ehrgeiz machten sich die Besucher ans „Zündeln“. Der Zunder lag dabei in einer kleinen Schale. Funken flogen, allein der Wind verhinderte effektivere Versuche des Feuermachens. „Mit ein bisschen Ammoniak, sprich Urin, getränkt, brannte es, bevor man die Zündhölzer erfand, noch besser“, bemerkte Siegmann.

Dann fiel der Blick auf feine, scharfe Jaspissplitter, die von größeren Jaspisknollen abgeschlagen, zur Zeit des aktiven Abbaus im Bergwerk etwa als Speerspitzen oder Messer verwendet wurden. Dabei wurden sie mit Birkenpech in Handhalterungen aus Holz eingeklebt.

Stichwort Speerspitze: Mit dem verlängerten Wurfarm eines Speeres übten Kinder und Erwachsene begeistert das eiszeitliche Jagen. Nach mehreren Versuchen klappte es bei allen einwandfrei und so mancher erzielte große Weiten auf dem Gelände.

Auch Jaspis als geschliffener Stein verarbeitet in Schmuck und Möbeln war ein Thema, zu dem Siegmann Beispiele mitgebracht hatte. Rätsel geben nach wie vor Gefäße aus der Zeit um 4000 v. Chr. auf. „Wir wissen nicht, wofür sie genutzt wurden“, bekannte Siegmann.

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