Efringen-Kirchen Barockmusik in vielerlei Farben

Jürgen Scharf
Das Barockensemble Willa Musica spielt auf historischen Instrumenten und in verschiedenen Zusammensetzungen Foto: Jürgen Scharf

Blansingen - Barockmusik für Seele und Geist: Seit Jahrzehnten gibt es am 1. Mai Konzerte in der Kirche in Blansingen. Das schöne alte Gotteshaus mit seinen in den 1950-er Jahren durch den Restaurator Jürgen Brodwolf freigelegten Malereien ist auch ein wunderbarer Ort der Einkehr.

Von Jürgen Scharf

Das Programm des Barockensembles Willa Musica war programmatisch europäisch angelegt mit deutscher, französischer, englischer und italienischer Barockmusik. Nach zwei Jahren coronabedingter Pause durften die Musiker jetzt wieder auftreten.

Für Tonio Paßlick, Dieter Lämmlin und die Musikerfamilie Christian, Barbara und Isabella Leitherer war es wie ein „Nachhausekommen“, in dieser auch akustisch hervorragenden Kirche zu spielen. Eine farbige Mischung an unterschiedlichen Instrumenten war zu hören, in Komplettbesetzung des Ensembles, aber auch in kleineren Formationen einzelner Instrumente wie Blockflöte und Cembalo in dem reizenden „Gesang der Nachtigall“ von François Couperin. Technisch souverän mit schlackenloser Tongebung bewältigte der Blockflötenvirtuose Tonio Paßlick dieses von Lämmlin am Virginal begleitete Stück um die verliebte Nachtigall, das so schön in den Mai passt, und trillerte und tirilierte prachtvoll.

Vom Chalumeau bis zur Barockklarinette

Fast zum Familienkonzert wurde der Auftritt des Ensembles bei Telemanns Triosonate g-Moll mit Basso Continuo, in der die Unterstimme mit der Gambistin Barbara Leitherer besetzt war und der Dialog der Oberstimmen von Isabelle Leitherer an der Geige und Christian Leitherer am Chalumeau übernommen wurde. Dieses Instrument sieht aus wie eine Blockflöte, ist aber ein Vorläufer der Klarinette, was man seinem Klang anhört. Leitherer blies es mit weichem, geschmeidigem, unverschleiertem Ton.

In der Telemann-Partita aus der „Kleinen Kammermusik“ griff Leitherer dann zur Barockklarinette, die nach Clarino, also einer kleinen Trompete, klingt und sogar schmettern kann, was er auch als Hörbeispiel vorführte. Die Interpreten zeigten, wie sie sich Telemanns Einfallsreichtum und Individualität erarbeitet haben, mit profunder Stilkenntnis, sehr kompetent und superb dargeboten.

In zwei Sätzen aus einer Vivaldi-Sonate überzeugte Barbara Leitherer auf der Viola da Gamba mit sauberer Tongebung, obwohl die eigenwilligen Darmsaiten wegen der Temperaturschwankungen nachgestimmt werden mussten.

Mit jedem Takt demonstrierten die Musiker in den fröhlichen, Zuversicht ausstrahlenden Variationen über „John come kiss me now“ von David Mell, in Boismortiers Concerto und in Michel Correttes „Concerto comique“ Qualität und Originalität dieser Barockwerke in einem durch und durch lebendigen, vital musizierten und authentisch klingenden Stil.

Das war etwas für Barock-Genießer, die den Klang der historischen Instrumente lieben. In der Zugabe „Komm lieber Mai und mache“ erhebt Barbara Leitherer samt Publikum noch die Stimme. Für die bisherige langjährige Organisatorin der Konzertreihe in St. Peter, Ursula Junker, gab es Blumen und Dankesworte.

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