Efringen-Kirchen Bei der Suche immer der Nase nach

Der schwarze Labrador „Leon“ hat im Trümmergelände ein „Opfer“ in einer Röhre gefunden und bellt so lange, bis seine Hundeführerin vor Ort ist. Foto: Jutta Schütz

Efringen-Kirchen - Schwierige Windverhältnisse und Regen können auch Rettungshunden und ihren Hundeführern zu schaffen machen. Für die Rettungshundeprüfung jedenfalls hatten die Aktiven der Rettungshundestaffel Oberrhein am Wochenende bei Sturm und Regen nicht gerade das optimale Wetter erwischt. Trotzdem schlugen sich Hunde und ihre Besitzer wacker.

Für die Rettungshundeprüfung waren Hunde und Helfer sowohl im Gelände zur Flächensuche sowie auf dem Trümmerplatz-Übungsgelände in ­Istein unterwegs. Dafür waren zwei Tage, der Samstag und der Sonntag, eingeplant. Am Sonntag allerdings musste man die Flächensuche von Huttingen aus in den Rheinwald bei Istein verlegen. „Die heftigen Sturmböen waren zu gefährlich. Am Rhein unten wehte der Wind nicht ganz so heftig“, berichtete die Vorsitzende der Rettungshundestaffel Oberrhein, Karin Schröder.

15 Aktive sind derzeit mit ihren Hunden in der Rettungshundestaffel gemeldet. „Wir suchen dringend Leute, die sich vorstellen können, mit ihren Hunden mitzumachen – die Hunde sollten menschenfreundlich und neugierig und zwischen älterem Welpenalter und fünf Jahren alt sein“, gab Schröder weiter. Die Hunderasse ist dabei egal – „wir haben Malinois und Labrador, Boxer, Retriever, Setter und Mischlinge im Einsatz – mein Rauhaardackel gehört auch dazu und ist wahrscheinlich der kleinste Rettungshund weit und breit“, sagte sie.

Eine wichtige Aufgabe

Die Hunde und ihre Hundeführer machen einen wichtigen Job. Sie werden über die Leitstelle gerufen, wenn eine Vermisstensuche ansteht. 28 Alarmierungen waren es allein im Jahr 2018, elfmal wurde in der Fläche gesucht. „Zusätzlich zu unseren Hundeführern, gibt es noch die Mantrailer-Hunde, die gezielt auf eine ganz bestimmte Spur gesetzt werden, dann noch im Hochgebirge Lawinenhunde und auch Hunde, die auf die Wassersuche spezialisiert sind“, zählt Schröder auf.

Die Rettungshundestaffel Oberrhein hat meistens mit Vermisstenfällen bei älteren Personen zu tun – aber auch Kinder können sich verlaufen. „Und dann sind da noch die Teenies, die in Lebenskrisen geraten und sich nicht nach Hause trauen oder von zu Hause abhauen“, erwähnt die Vorsitzende. Teenager verschwinden häufig, wenn etwa ein schlechtes Zeugnis ins Haus steht. Das sei oft vor den großen Ferien der Fall, berichten die Hundeführer.

Die Hundestaffel wird auch gerufen, wenn Menschen verschwinden, die selbstmordgefährdet sein könnten. Bei den Einsätzen ergänzen sich die Hundestaffeln vom Oberrhein, aus Freiburg, aus dem Breisgau und der Ortenau, vom Bodensee, dem Hegau und aus Löffingen. „Oft sind unsere Einsätze gar nicht in der näheren Umgebung. Wir waren ganz erstaunt, als wir mal nach Mappach gerufen wurden, um eine vermisste Person zu suchen und haben dreimal nachgefragt, ob es sich auch um ‚unser‘ Mappach handelt“, schmunzelt Schröder.

Suche im Unterholz

Bei der Prüfung für die Hunde und Herrchen beziehungsweise Frauchen geht es bei der Flächensuche ins dichte Unterholz – dort haben sich an verschiedenen Stellen drei „Vermisste“ versteckt, die die Hunde innerhalb einer bestimmten Zeit finden müssen.

Der Hundeführer testet dabei auch den Wind über den die Hunde die Witterung aufnehmen. Aus einer Dose wird Puder ausgeschüttet, der mit dem Luftzug davontreibt. So sieht man, wo der Hund am besten Witterung aufnehmen kann. „Gerüche bleiben bei Regen und Kälte oft nahe am Boden. Das macht es für die Tiere dann schwieriger“, erklärt Schröder. Als Hundeführer lerne man deshalb auch sehr viel über Meteorologie und Geologie, ergänzt sie. Findet der Hund den „Vermissten“ bellt er so lange, bis der Hundeführer vor Ort ist.

Prüfungsleiter Paul Burger und Leistungsrichter Volker Marx sind zufrieden, mit dem, was die Hunde am Wochenende zeigen. Die sind mit Feuereifer bei der Sache, denn für sie ist das Ganze auch ein großes Spiel, an dessen Ende eine Belohnung steht, ob das nun Streicheleinheiten oder Leckerchen sind. „Die Hunde bekommen mit, dass sie etwas richtig und gut gemacht haben – wenn man sie lobt, platzen sie regelrecht vor Stolz“, erklärt Karin Schröder.

Wie spannend die Hunde ihre Aufgabe finden, ist bei Boxerhündin „Nele“ zu beobachten, die schnell und effizient das Unterholz absucht, ebenso wie bei „Gallardo“ und bei „Leon“, die auf dem Trümmergelände erst weite Kreise ziehen und sich dann per Geruchssinn auf einen engeren Umkreis „einpeilen“. Ihr „Vermisster“ sitzt hinter Paletten und Plastikteilen in einer Röhre fest.

„Rettungshunde lernen viel – etwa über Leitern und schmale Balken zu gehen, sich in Röhren und Hohlräume zu wagen und vieles mehr. Über allem steht aber die Sicherheit des Hundes und der Hundeführer, die die Situation einschätzen müssen.“

Wer sich fürs Mitmachen interessiert, kann sich per E-Mail an die Rettungshundestaffel Oberrhein wenden: info@rhs-oberrhein.de, Weitere Infos gibt es zudem unter www.rhs-oberrhein.jimdo.com und auf Facebook.

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