Blansingen/Kleinkems (jut). Geschichten zu trutzigen Burgen, Erzählungen von Höhlen, Hinrichtungsstätten und Räubern ziehen Neugierige an. Rund 30 Interessierte begaben sich mit Museumsleiterin Maren Siegmann auf den Weg zu verschwundenen Gebäuden, verlassenen Kellern und nicht mehr existenten Burgen. Vor dem geistigen Auge entstand mit Hilfe von Kopien alter Karten, Zeichnungen und früher Fotos auch ein Eindruck davon, wie die Gegend oberhalb des Rheintals im Mittelalter ausgesehen haben mochte.

Vom Römischen Hof in Blansingen aus ging es zunächst entlang eines Hohlwegs zu den dort noch vorhandenen Lösskellern, die allerdings kaum noch sichtbar sind. Lösskeller wurden zum Unterstellen von Gegenständen, zur Vorratshaltung und im Krieg auch als Luftschutzkeller benutzt. „Lösswände wie hier bei Blansingen sind selten, sie bieten auch vielen Insekten wie Wildbienen und Vögeln Lebensraum“, berichtete Maren Siegmann.

Im Bereich zwischen Blansingen und Kleinkems wurde auch Erz abgebaut. Die Lage wenigstens eines Stollens, der nicht mehr existiert, kann anhand alter Karten lokalisiert werden, die Siegmann stark vergrößert kopiert hatte. Mit dem Eisenbahnbau wurden die letzten Erzfuhren eingestellt. Beim Eisenbahnbau „konnte nämlich viel mehr Geld verdient werden“, berichtete Siegmann.

Am Vollenberg stand einst die Vollenburg – so jedenfalls heißt es in älteren Schriften. Sie war aber eine Phantomburg. „Alte Urkundenschriften sehen wunderschön aus – aber je schöner und reicher verziert, desto eher sind Lesefehler wahrscheinlich – genau deshalb ist aus dem Vollenberg auch eine Vollenburg geworden, die es nie gab“, berichtete sie.

Überhaupt waren die Burgen in der Umgebung oft nur ein aufgeschütteter Erdhügel mit einem einzelnen, oft hölzernen Turm. Ein Standort könnte unterhalb von Blansingen nahe der Kirche gewesen sein. Sehr solide dagegen war das Turmfundament der ehemaligen Neuenburg bei der ehemaligen Felsenmühle. Die Reste des Turms waren noch bis zur Abtragung in den 50er Jahren sichtbar. Die Felsenmühle, von der mehrere Zeichnungen existieren, versorgte das Kloster Istein mit Mehl und lag ursprünglich an einem Rheinarm. Als dieser trocken fiel, wurde sie an den Felsen verlegt – dort wurde das Mühlrad von zwei Quellen gespeist, von denen noch eine existiert. 1848 wich sie dem Bahnbau. Bis dahin war die Mühle ein Ausflugsziel gewesen, in dem auch Räuber eine Zeit lang gehaust haben könnten.

Weiter ging es zu Standorten, an denen einst Gericht gehalten wurde – vielleicht deutet der Gewannname „Am Gerichtsstuhl“ bei Blansingen darauf hin – und wo einst Richtplätze, wie an einer Weggabelung außerhalb von Blansingen, existierten. Galgen waren dort aufgebaut, möglichst an der Straße außerhalb der Ortschaften und „nicht in deren Windrichtung, denn die Hingerichteten wurden hängen gelassen und später unter der Richtstätte begraben“, schilderte Siegmann. Hängen war die Hinrichtungsart für die Armen – das Schwert war den Adligen vorbehalten.

Die letzte Station, das „Schlössli“ in Blansingen, war übrigens kein Schloss, sondern der „Ackerhof“ von Blansingen. Einst gehörte er der Familie von Rotberg, diese verkauften ihn nach 1660 an die Markgräfin Maria Magdalena, die wiederum dafür sorgte, dass über eine Stiftung dort zwei Pfarrerswitwen einigermaßen anständig untergebracht waren – „denn Pfarrerswitwen waren sehr arm“, so die Museumsleiterin, die für den interessanten Rundgang viel Beifall bekam.