Efringen-Kirchen - Wenn in Efringen-Kirchen der Name Hermann Burte fällt, fällt auch die Reaktion darauf höchst ambivalent aus. Die Rolle des vor 1945 reichsweit hofierten, seit der 1968er-Bewegung in Misskredit geratenen Dichters, Romanciers, Dramatikers und Malers während der Nazizeit war am Mittwoch Thema der zweiten Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht.

Der Anlass im evangelischen Gemeindehaus an der Hermann-Burte-Straße verzeichnete starken Besucherandrang. Als Referent bot der veranstaltende SPD-Ortsverein den ehemaligen Schulamtsdirektor Hansjörg Noe auf, der seit seiner Pensionierung intensiv der regionalen NS-Geschichte nachspürt und schon durch mehrere Buchveröffentlichungen dazu – zuletzt über Burtes Geburtsort Maulburg – hervorgetreten ist.

Nachgewiesener Antisemit

Dass der einst gefeierte, unter anderem mit dem Kleist- und Hebelpreis bedachte Literat Burte der völkischen Bewegung anhing, bekennender Antisemit war und beides auch in seinen Werken deutlich herausstellte, konnte Noe an zahlreichen Textbeispielen nachweisen. So an Passagen aus dem 1912 erschienenen Roman „Wiltfeber“, etlichen propagandistisch gefärbten Reden, Elogen auf Hermann den Cherusker als „Befreier der Deutschen“, die es damals noch gar nicht gab, und den an den Folgen einer Messerstecherei ums Leben gekommenen Wiesentäler Nazigröße Karl Winter. Ebenso Thema waren verräterische Floskeln aus den gedruckten Burte-Reden und seinem ebenfalls schriftlich niedergelegten Wunschtraum eines geeinten autonomen Alemanniens zu beiden Seiten des Rheins.

Dass er erst 1936 NS-Parteimitglied wurde, also kein früher Hitler-Anhänger war, deutete Noe als opportunistisches Handeln, nachdem sich die NS-Diktatur fest etabliert hatte und sich der Ehrenbürger von Maulburg und Lörrach (später auch Efringen-Kirchen) neuen Imagezugewinn im NS-Literaturbetrieb ausrechnen konnte und nach 1945 wie so viele andere nichts gewusst haben will von den Verbrechen des Naziregimes an Juden, politischen Gegnern, Behinderten und anderen Menschen im gesellschaftlichen Abseits. Die in Paris verwahrte Entnazifizierungsakte Burtes, die Noe auch einsehen konnte, besagt etwas anderes.

Einigen Vorhaltungen ausgesetzt sah sich der Referent in der anschließenden Diskussion, weil er nur die negativen Seiten des Maler-Dichters hervorgekehrt und nicht dessen großenteils unbestreitbar auch qualitätsorientierte alemannische und hochdeutsche Lyrik sowie dramatische Prosa gewürdigt hatte.

Verwendung des Namens sorgt für Diskussion

Die verbale Auseinandersetzung kaprizierte sich dann auf die lokale Namensgebung von Burte-Straße und Burte-Halle, deren Tilgung seit Jahrzehnten von einer lokalen Anti-Burte-Initiative gefordert wird. Zu ihr gehörte auch der verstorbene Architekt Günther Schöning. Seinen vor Jahrzehnten an den damaligen Bürgermeister gerichteter Protestbrief las eingangs SPD-Vorsitzender Armin Schweizer vor. Der bei der Veranstaltung neu aufgeflammte Disput dazu, zeitigte dann nochmals zwei Meinungsrichtungen. Eine, die die vollständige Tilgung des Namens fordert, die andere, die andere, die einen erläuternden Hinweis zum Straßenschild empfiehlt.