Rebland Corona treibt auch Landwirte um

Rebland  - Die Auswirkungen der Corona-Krise haben die gesamte Gesellschaft ergriffen. Auch die Landwirtschaft ist betroffen. Denn die Einreise der Erntehelfer zu organisieren, ist inzwischen enorm kompliziert. Dabei drängt die Zeit: In etwa zwei Wochen beginnt die Spargelernte.

Erntehelfer dürfen wohl einreisen

Die gute Nachricht für Susanne Denzer und viele andere Obst- und Gemüsebauern in der Region ist, dass die Erntehelfer aller Voraussicht nach einreisen dürfen.

Trotzdem steht die Landwirtin derzeit unter Druck. „Es gibt einfach enorm viele Unsicherheitsfaktoren“, erklärt die Landwirtin aus Fischingen. Durch die Medien seien die Bilder der Riesenstaus bei Polen gegangen. Auch sei beispielsweise unklar, ob sich für den Bus, der die Saisonarbeiter nach Deutschland bringt, ein Fahrer findet.

Trotzdem viele Unsicherheitsfaktoren

Und natürlich sei auch die Verunsicherung bei den Erntehelfern selbst groß. „Viele wollen in diesen schwierigen Zeiten verständlicherweise auch bei ihrer Familie bleiben“, berichtet Denzer, die im intensiven Kontakt mit den Arbeitskräften steht. Sechs Helfer sollen zur Spargelernte aus Polen einreisen. Wenn voraussichtlich nach Ostern das Erdbeer-Pflücken beginnt, kommen 14 weitere Helfer. „Zu Hochzeiten haben wir 24 oder 25 Leute auf dem Hof“, berichtet Denzer.

Wichtig sei für sie in dieser Situation, dass sie eine schriftliche Zusage habe, dass die Arbeiter einreisen dürfen. Sie habe sich diesbezüglich an den landwirtschaftlichen Verband, in dem sie Mitglied ist, gewandt und auch das Büro des Bundestagsabgeordneten Armin Schuster in der Sache kontaktiert.

Eine Frage der Organisation. Die Zeit drängt

Nun sei es vor allem eine Frage der Organisation. Das sei nicht einfach, denn bis zum Beginn der Spargelernte sind es nur noch zwei Wochen. „Ich bin aber von Natur aus Optimistin“, sagt Denzer.

Sehr gefreut habe sie sich über die Resonanz auf einen Aufruf auf ihrer Facebook-Seite. Dort hatte sie gefragt, wer bei der Spargelernte helfen könne und wolle. Inzwischen habe sie mehr Angebote als sie Leute bei der Ernte beschäftigen kann. „Es ist eine Riesenwelle der Solidarität“, freut sich die Landwirtin.

Im Allgemeinen gelte es mit Blick auf die Corona-Krise, nicht in Panik zu verfallen. „Wenn wir uns alle an die Spielregeln halten, bekommen wir das hin“, ist die Landwirtin überzeugt.

Geöffnete Wochenmärkte als Lichtblick für Direktvermarkter

Ein Lichtblick ist für sie und den Betrieb derzeit zudem, dass die Wochenmärkte noch geöffnet sind. Denn diese sind die Haupteinnahmequelle des Direktvermarkters.

Aber auch dort musste man sich auf die neue Situation einstellen, berichtet Denzer. Es werde großen Wert darauf gelegt, den empfohlenen Abstand zu den Kunden zu wahren. Auch gebe es eine strenge Trennung von Waren und Geld. Das bedeutet, dass eine Arbeitskraft am Stand nur abkassiert und dabei nicht mit den Waren in Kontakt kommt.

Bei Winzern steht Ausbringen der Pheromondispenser an

In den Reben steht derweil das Ausbringen der Pheromondispenser unmittelbar bevor. Dabei handelt es sich um eine wichtige Maßnahme zum Schutz vor Schädlingen. In einem Rundschreiben hatte Weinbauberater Hansjörg Stücklin kürzlich noch Bedenken geäußert.

Das Aufhängen werde in diesem Jahr anders und schwieriger werden, da vermutlich weniger Personen als sonst zur Verfügung stehen. „Ich weiß heute nicht, welche Vorsichtsmaßnahmen durch die Regierung in der kommenden Woche angeordnet werden“, beschreibt Stücklin die herrschende Unsicherheit.

Das Aufhängen der Pheromondispenser sei ein wichtiger Arbeitsschritt in der weinbaulichen Produktion und keine „Freizeitaktivität“. Deshalb gehe Stücklin davon aus, dass es auch weiterhin möglich bleiben wird. Um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten, müsse aber auf das Treffen zu Beginn des Aufhängens und natürlich auch auf den gemeinsamen Abschlusshock in diesem Jahr verzichtet werden.

Ähnlich sieht auch der Wintersweiler Winzer Michael Lang die Situation um die Ausbringung der Pheromondispenser. „In Wintersweiler werden wir dieses Jahr das Aufhängen so organisieren, dass immer zwei oder drei Winzer zusammen einen Block im Weinberg übernehmen. Wir werden uns nicht an einem Tag treffen, sondern dies gesondert durchführen“, erklärt Lang.

Das Aufhängen der Dispenser sei daher aufgrund der geringen Fläche gerade in kleineren Anlagen aus seiner Sicht weiterhin möglich. Probleme ergeben sich voraussichtlich vor allem in großen Rebbergen, so Lang.

Die nächste größere Herausforderung für die heimischen Landwirte lässt indes nicht lang auf sich warten, denn in den kommenden Nächten drohen die Temperaturen gefährlich stark zu sinken.

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