Efringen-Kirchen Corona und das Wetter sorgen für Ärger

Ein Rückblick auf die bisher von Corona geprägten Jahre 2020 und 2021, die Situation auf dem Weinmarkt und die nicht einfachen Bedingungen für die anstehende Weinlese 2021 waren Themen bei der Herbstversammlung der Markgräfler Winzer in der Castellberghalle in Ballrechten-Dottingen.

Von Jutta Schütz

Rebland. Als geschäftsführender Vorstand betonte Hagen Rüdlin schon jetzt, dass die Auszahlungen unter anderem durch coronabedingte Schwierigkeiten nicht steigen werden. Das dürfte keinen überraschen, stellte er fest. „Keiner von uns kann zaubern“, sagte er. Dabei sei ihm bewusst, dass ebenfalls durch Corona ausgelöst die „nach unten gehenden Preise“ Sorgen bereiten, weil die Kosten an anderer Stelle für die Winzer und die Genossenschaft steigen. Energiepreise steigen, Europaletten sind bis zu 160 Prozent teurer geworden, ebenso Folien und auch Kartons und Schraubverschlüsse, klärte Rüdlin auf.

„Wo die Reise hingeht, können wir derzeit nicht sagen“, bekannte er. Der Geschäftsführer will aber auf jeden Fall am eingeschlagenen Weg, sehr gute Qualitäten zu erzeugen, festhalten – auch im schwierigen Witterungsjahr 2021. Er appellierte hier an die Winzer, mitzuziehen. Mehrere Auszeichnungen der Markgräfler Winzer Weine, die überregional von Bedeutung sind, etwa bei Fal­staff und vor allem auch der erste Platz im Gault Millau mit dem besten Badener Rosé „können uns stolz machen, denn diese Auszeichnungen öffnen uns Türen, die bisher nicht immer offen waren“.

Einbruch bei Vermarktung

Der positive Trend in der Weinvermarktung im Lebensmitteleinzelhandel setzte sich 2020 nicht fort. Zuvor hatte dieser der Warengruppe Wein, dem deutschen Wein sowie dem badischen Wein noch gesamt gesehen ein Wachstum zwischen zehn und elf Prozent im Lebensmitteleinzelhandel beschert.

Das hatte unter anderem mit der Schließung der Gastronomie und dem Ausfall vieler Feste in der Corona-Pandemie zu tun. „Wir hatten beim deutschen und badischen Wein allein zuvor Zuwächse von über sechs Prozent, jetzt 2021 haben wir ein Minus von 18 Prozent“, berichtete Rüdlin. Besonders bemerkbar mache sich dies bei Aldi, Lidl und Norma – bei Edeka und Rewe seien die Zahlen etwas besser, konstatierte der Geschäftsführer.

Betrachtet man die Verkäufe in den einzelnen Rebsorten, ist der Einbruch von 25 Prozent beim Gutedel besonders deutlich. Auch fast alle anderen Weine anderer Rebsorten der WG verbuchten Verluste. Ein kleines Plus von etwas mehr als drei Prozent konnte nur der Grauburgunder verzeichnen. „Das ist eine große Herausforderung für uns alle, denn diese Zahlen hat der Handel auch, wenn wir in die Preisverhandlungen gehen“, überlegte Rüdlin. Die größte Rebsorte auf den rund 900 Hektar der Genossenschaft ist übrigens mittlerweile der Spätburgunder, nicht der Gutedel, beantwortete er eine Frage.

Dieses Jahr stehen die Markgräfler Winzer zudem vor einer schwierigen Lese. „Erst der Frost, dann die vielen und starken Niederschläge, die sich bildende Staunässe – all das macht zu schaffen. Immerhin hat sich der Lesebeginn mit dem 7. September nach den vergangenen Jahren, wo der Start deutlicher früher erfolgte, wieder in ein normales Zeitfenster verschoben“, bilanzierte Rüdlin.

Bedingt durch die Witterung sind die Ausreifungsgrade sehr unterschiedlich, ein idealer Lesezeitpunkt ist deshalb gefragt. Dabei bleibt die Qualität die zwingend notwendige Basis, „denn wir sind zu einem qualifizierten Erzeuger geworden, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war“, animierte er die Winzer. Rüdlin verwies noch auf ein Projekt, das der Genossenschaft mit Blick auf den Erhalt der Artenvielfalt am Herzen liegen sollte, nämlich das „Markgräfler Winzer Honigprojekt“. Die WG will hier für interessierte Winzer Imkerschulungen anbieten.

Versammlung nicht online

Bezüglich der ausstehenden Generalversammlung für die 944 aktiven Mitglieder berichtete Rüdlin, dass hierzu nach der Lese ein Termin gesucht werde, denn ein „virtuelles Format ist nicht rechtssicher, ein Umlaufverfahren bei so vielen Mitgliedern ist nicht möglich“.

Fünf Problemfelder

Kellermeister Martin Leyh befasste sich mit fünf Problemfeldern gesehen auf die Lese 2021: Das sind der Rebenmehltau (Oidium), der falsche Mehltau (Peronospera), die Esca-Krankheit, Botrytis (Schlauchpilze) und die ungleichmäßige Reife. Dazu zeigte er Bilder aus den Weinbergen und bat die Winzer eindringlich, darauf zu achten, nur gesundes Traubengut anzuliefern, selbst wenn dies bedeute, dass man viele Trauben „runter schneiden muss“. „Jeder von Ihnen weiß, wie gute Trauben aussehen müssen. Wir sind qualitativ auf einem guten Weg, da dürfen wir auch in diesem schwierigen Jahr nicht nachlassen“, war Leyhs Aussage.

Immerhin habe man mit der Säure dieses Jahr kein Problem, hob der Kellermeister einen positiven Aspekt des Wetters hervor. Die Lesefreigabe für die Winzer erfolgt durch Leyh. Wie bereits im vergangenen Jahr muss bei der Anlieferung der Trauben auf die Abstands- und Hygieneregeln geachtet werden.

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